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Radikalkur für die Swissair

Die Crossair ist die neue wichtige Fluggesellschaft - im Besitz der Grossbanken UBS und Credit Suisse. Keystone

Die Swissair Group beantragt für Teile der Luftverkehrsholding die Nachlass-Stundung. Dies gab Swissair-Chef Mario Corti am Montagabend in Glattbrugg bekannt. Die Crossair übernimmt den Grossteil des Flugbetriebs der Swissair. Weltweit werden über 2'500 Personen entlassen, 1'750 davon in der Schweiz. Für die Angestellten der flug-fernen Betriebe bleibt die Zukunft unsicher. Der Bundesrat wird sich nicht am Aktienkapital der Crossair beteiligen. Die neue Schweizer Luftfahrtgesellschaft könne weitestgehend ohne Bundeshilfe finanziert werden, sagte Bundesrat Kaspar Villiger am Montagabend in Bern vor den Medien.

Die Regionalfluggesellschaft Crossair führt das Fluggeschäft der vor dem Konkurs stehenden Swissair Group weiter. Damit ist das Fluggeschäft weitgehend gerettet. Die restlichen Konzernteile unter dem Dach der Swissair Group bleiben auf der Strecke.

Die Gesuche um provisorische Nachlassstundung betreffen die Dachholding SAirGroup, die SAirLines und die Leasingtochter Flightlease.

Weil die Schweiz kein Gruppenkonzernrecht kenne, könnten die nicht von der Nachlasstundung betroffenen Firmen wie zum Beispiel die Catering-Tochter Gate Gourment normal weiter operieren, sagte Corti.

Crossair werde spätestens am 28. Oktober Teile des Flugebtriebes übernehmen, so der Swissair-Konzernchef vor den Medien.

Es werde einen Abbau von insgesamt 24 Flugzeugen in der Swissair-Flotte geben. Langstreckendestinationen würden gestrichen. Die neue Fluggesellschaft bleibe aber eine globale Airline.

Grossbanken, vorab UBS, haben das Sagen

Die Grossbanken werden faktisch die neuen Besitzerinnen: UBS und Credit Suisse Group (CSG) übernehmen von der Swissair Group die 70 Prozent an der Crossair, wie Corti weiter sagte.

Die Banken bezahlen für die Beteiligung 260 Mio. Franken, wie Crossair und die Grossbanken UBS und Credit Suisse mitteilten. Zudem gewähren sie Crossair eine Kreditlimite von bis zu 500 Mio. Franken und schiessen neues Eigenkapital von 350 Mio. Franken zu.

Die Crossair, die so bald als möglich einen Teil des Swissair-Geschäfts übernehmen soll, soll zudem eine weitere Kapitalaufstockung um noch einmal 350 Mio. Franken erhalten. Dies geschieht, sobald die Bewilligungen und Konzessionen für ein erweitertes Streckennetz vorliegen.

Nach den Worten von UBS-Präsident Marcel Ospel ging es um das Überleben der Schweizer Luftfahrtindustrie. Die gesamten Verpflichtungen beliefen sich auf über eine Milliarde Franken. Ospel gab sich zuversichtlich, dass nach diesem klaren Schnitt auf dem Fundament der Crossair eine starke Fluggesellschaft entstehe. Die Marke Swissair solle nach Möglichkeit von der neuen Gesellschaft übernommen werden.

Bei der Aufteilung der beiden Grossbanken komme die UBS für 51 Prozent, die Credit Suisse Group für 49 Prozent auf, sagte Ospel. Er betonte weiter, dass sich die Banken nicht ins operationelle Geschäft einmischen wollten.

Bund und Kantone zu Kapitalbeteiligung eingeladen

Der Bund und die Kantone werden laut einer Mitteilung der Crossair eingeladen, sich zu gleichen Bedingungen bis zu maximal 30 Prozent am Aktienkapital der Crossair zu beteiligen. Entsprechend würde sich der Anteil der Banken verringern. Der Bundesrat gab am Montagabend bekannt, dass er sich nicht am Aktienkapital der Crossair beteiligen werde. Die neue Schweizer Luftfahrtgesellschaft könne weitestgehend ohne Bundeshilfe finanziert werden, sagte Villiger.

2’560 Stellen werden gestrichen

Es soll eine wettbewerbsfähige, weltweit tätige Schweizer Fluggesellschaft geschaffen werden. Die Verkleinerung des Streckennetzes und der Flotte führt bei der Swissair zu einem Verlust von 2’560 Stellen, davon 1’750 in der Schweiz.

Die Gewerkschaften seien über den Schritt orientiert worden, sagte Swissair- Konzernchef Corti. Er sicherte zu, die wöchentliche Orientierung der Personalverbände weiterzuführen.

Crossair-Präsident Moritz Suter sprach sein ganz grosses Bedauern über den Stellenabbau aus, von dem viele Mitarbeiter und ihre Familien betroffen seien. Er kritisierte zugleich die Medienberichterstattung der letzten Tage, die nicht immer hilfreich gewesen sei.

Unsicher ist die Zukunft der Angestellten bei den weiteren, flug-fernen Firmen der SAir Group. Ihre Arbeitsplätze hängen stark von den Entwicklungen der Nachlass-Stundungen ab.

Ereignisse in den USA ausschlaggebend

Konzernchef Corti betonte, dass die Swissair als Folge der Terroranschläge insgesamt 3,1 bis 3,8 Mrd. Franken verloren hatte. Diese Einbusse sei ein zentraler Grund für die aktuelle Situation. Zuvor sei der Weg war schmal, aber gangbar gewesen, sagte er.

Corti tritt aus Crossair-Verwaltungsrat zurück

Corti tritt mit sofortiger Wirkung aus dem Verwaltungsrat der Crossair zurück. Der soeben erst ernannte Chef des Fluggeschäfts der Swissair-Gruppe, Andre Dosé, legt seine Funktion ebenfalls mit sofortiger Wirkung nieder. Er bleibt jedoch CEO von Crossair.

Die Arbeitsgruppe «Rekapitalisierung der Swissair Group» um Ulrich Bremi stellt ihre Arbeit ein.

swissinfo und Agenturen

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