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Rezessionsgefahr in der Schweiz bleibt trotz Risiken gering

Der seco-Chefökonom Aymo Brunetti (links) informiert in Bern über die aktuelle Wirtschaftslage. Keystone

Der Bund und führende Ökonomen sehen trotz der Terroranschläge in den USA für die Schweiz keine Rezessionsgefahr. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) sagte am Mittwoch ein Wirtschafts-Wachstum von 2,0 Prozent für nächstes Jahr voraus. Die Gewerkschaften bleiben vorsichtig.

Die Terroranschläge vom 11. September in den USA dürften mittel- und längerfristig die Wirtschaft in der Schweiz und weltweit kaum beeinträchtigen, sagte der seco-Chefökonom Aymo Brunetti am Mittwoch vor den Medien in Bern. Die Rezessionsgefahr für die Schweiz sei selbst im Falle von kriegerischen Auseinandersetzungen «sehr, sehr klein».

Belastung für Bundesfinanzen

Ähnlich äusserte sich Bundesrat Kaspar Villiger gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Die Terroranschläge hätten die Weltwirtschaft nur punktuell getroffen. Es habe aber schon vorher Schwächezeichen gegeben. Dieser Trend könnte sich nun beschleunigen.

Wenn es der Weltwirtschaft schlechter gehe, treffe dies auch das Exportland Schweiz und somit die Bundesfinanzen. Ein Prozent weniger Wachstum verursache etwa eine halbe Milliarde Franken weniger Einnahmen, sagte Villiger weiter.

Starke Binnenkonjunktur

Geht die jüngste Konjunkturprognose der Expertengruppe des Bundes in Erfüllung, dürften die Sorgenfalten Villigers kleiner werden. Demnach wird die Schweizer Wirtschaft 2002 im Schnitt um 2,0 Prozent wachsen, nach 1,8 Prozent im laufenden Jahr.

Damit liegen die Experten des Bundes über den Erwartungen der meisten Ökonomen. Die Erwartungen des Marktes seien merklich tiefer, sagte Joachim Schütz, Ökonom bei der Credit Suisse First Boston (CSFB). Er selbst bleibe aber zuversichtlich.

«Ich glaube, wir finden wieder Boden und werden mit einem blauen Auge davon kommen», sagte er. Ins gleiche Horn stösst die economiesuisse, der Spitzenverband der Schweizer Wirtschaft. Es gebe überhaupt keinen Anlass für Pessimismus.

Vor schwierigen Monaten

Anders tönt es beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). Das Wirtschafts-Wachstum dürfte im laufenden Jahr nur 1,4 Prozent erreichen. Bis zum Jahresende seien eher schwierige Monate zu erwarten, sagte SGB-Zentralsekretär Serge Gaillard.

«Wir huldigen keinem Zweckoptimismus», wehrt sich Brunetti. Selbst bei einem länger andauernden Gegenschlag der USA im Nahen Osten sei es kaum wahrscheinlich, dass die Binnenkonjunktur einbreche. Die Schweiz könne sich ein Stück weit abschirmen.

Konsum als Lokomotive

Allerdings müsste das seco im Falle eines Krieges seine Prognose für das Wirtschafts-Wachstum vermutlich nach unten korrigieren. Das Ausmass dieser Korrektur hänge davon ab, wie lange der Krieg dauern und mit welchen Mitteln (Flugzeuge/Bodentruppen) er geführt werde.

Brunetti stützt seinen Optimismus vor allem auf den privaten Konsum, der als Konjunkturlokomotive weiter unter Volldampf stehe. Die tiefe Arbeitslosigkeit, die gestiegenen Löhne und die leicht höhere Erwerbsquote trügen zur guten Konsumenten-Stimmung bei.

Unausgeglichene Entwicklung

Der seco-Chefökonom gestand ein, dass das Wirtschafts-Wachstum derzeit sehr stark einseitig auf den Schultern des Konsums ruhe. Der Boom bei den Investitionen und beim Aussenhandel ging seit Anfang Jahr abrupt zu Ende.

Das Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz schwächte sich laut den jüngsten seco-Zahlen im zweiten Quartal 2001 auf Jahresbasis auf 2,0 (2,3) Prozent ab. Gegenüber dem Vorquartal wuchs das BIP noch um 1,7 (2,0) Prozent.

swissinfo und Agenturen

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