Schweizer Milchproduzenten sind nicht konkurrenzfähig
Die Schweizer Milchproduzenten müssen ihre hohen Produktionskosten um 25 bis 30 Rappen pro Liter senken, um mit der EU konkurrieren zu können. Biomilch-Produkte haben eine bessere Ausgangslage und erreichen bis zu 20 Prozent höhere Erlöse.
Die Milchkontingentierung in der Schweiz hat laut einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) die Aufgabe, den Preis für die Produzenten zu stützen. Dies habe aber auch bewirkt, dass sich die Produktionskosten auf hohem Niveau eingependelt haben und die Strukturen überall Überkapazitäten aufweisen, wie es zu der am Dienstag (29.08.) veröffentlichten Studie heisst.
Damit die Milch als Rohstoff im Rahmen einer umfassenden bilateralen Öffnung mit der EU konkurrenzfähig wird, müssten die durchschnittlichen Produktionskosten innerhalb von zehn Jahren um mindestens 25 bis 30 Rappen pro Kilogramm Milch gesenkt werden.
Um mit den herkömmlichen Produktionsverfahren eine Senkung der Produktionskosten in dieser Grössenordnung zu bewirken, wäre ein Anstieg der durchschnittlichen Produktionsmenge um mindestens 100’000 Kilo pro Betrieb nötig.
Dies würde einem Milchpreis von zwischen 47 und 52 Rappen entsprechen. Die Hälfte der in der Studie befragten Bauern sagten aus, sie seien bereit, bis zu einem Tiefstpreis von 63 Rappen zu produzieren. Insgesamt könnte die Abschaffung der Milchkontingentierung eine Verdreifachung der Produktionsmenge nach sich ziehen.
Alternativen
Die meisten der befragten Bauern würden gegebenenfalls allerdings die Haltung von Mutterkühen als Alternative zur Milchproduktion wählen. Darauf folgen der Ackerbau, die Aufzucht von Remonten, die Suche nach einem Nebenerwerb und die Rindermast. Die Schweinehaltung steht nicht im Vordergrund. Aus den Optimierungsberechnungen haben sich aber gerade die Schweinehaltung wegen ihrer Wettbewerbsfähigkeit sowie die Mutterkuhhaltung und die Rindermast als annehmbare Alternativen zur Milchproduktion erwiesen.
Bio und Functionalfood
Zu erwarten ist laut der Studie auch, dass im Falle einer Liberalisierung gewisse Produktionsmengen vom Berg- ins Talgebiet übergehen, da die Milchproduktion im Berggebiet weniger wirtschaftlich ist. Bei ausgewählten Milchprodukten ist die Wettbewerbsfähigkeit dank guter Ausrichtung auf Nachfragetrends eindeutig besser.
Ein Beispiel dafür sind die Biomilchprodukte, die höhere Erlöse von bis zu 20 Prozent ermöglichen. Als Chance für die Industrie werden zudem Milchprodukte angesehen, die entweder Functionalfood-Charakter aufweisen oder sich stark von den traditionellen Milchprodukten abheben.
Signale aus Brüssel
Seit den ersten Liberalisierungs-Bestrebungen von 1992 ist der Milchpreis von damals 1,07 Franken auf heute 77 Rappen gesunken. Bis Ende April 1999 hatten die Bauern noch den jeweils jährlich festgelegten Bruttopreis, zuletzt knapp 88 Rappen pro Kilogramm, erhalten.
Neu ist der Milchpreis Verhandlungssache zwischen Bauern und Abnehmern. Ausserdem wurde mit der neuen Milchmarktordnung, die am 1. Mai 1999 in Kraft trat, der Kontingentshandel ermöglicht. Die gesamte Milchmenge ist weiterhin auf rund 3,2 Mio. Tonnen begrenzt.
Aus Brüssel gibt es laut BLW deutliche Signale, die auf eine Aufhebung der Milchmengenbeschränkung in der EU hindeuten. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass fünf Jahre nach Inkrafttreten der bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU ein freier Käsehandel bestehen wird, stellt sich laut BLW die Frage der Zukunft der Milchkontingentierung auch für die Schweiz.
swissinfo und Agenturen
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