SNB: Euro nicht unterschätzen
Nationalbank-Präsident Jean-Pierre Roth blickt zuversichtlich in die Zukunft: Das Wirtschafts-Wachstum werde sich gut entwickeln, die Vollbeschäftigung sei sichergestellt und die eigene Geldpolitik stimme. Roth warnte allerdings davor, die Einführung des Euro auf die leichte Schulter zu nehmen.
Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Jean-Pierre Roth, lieferte an der Generalversammlung vom Freitag (20.04.) in Bern einen Ausblick auf die erwartete Entwicklung der Wirtschaft. Er beurteilte die diesjährigen Aussichten als erfreulich; die Notenbank gehe davon aus, dass sich die Schweizer Wirtschaft etwa im Gleichschritt mit ihren langfristigen Wachstums-Möglichkeiten entwickle. Weiter dürfte das Wirtschaftswachstum ausreichen, um die Vollbeschäftigung sicher zu stellen. Die Binnennachfrage dürfte eine solide Konjunkturstütze bleiben und die erwartete Abflachung der Exportkonjunktur abfedern.
Schlaffere Exportmärkte…
Roth warnte allerdings vor Konjunktur-Risiken im internationalen Umfeld: Der Rückgang der Exporte könnte stärker ausfallen als bisher angenommen. Die US-Konjunktur habe sich stärker abgeschwächt als erwartet, Japan kämpfe mit Schwierigkeiten, die sich auf ganz Asien auswirken könnten und die EU habe ihre Wachstums-Prognose wiederholt nach unten korrigiert. Diese Unwägbarkeiten seien auch im März der Grund gewesen, das Zielband des Drei-Monate-Liborsatzes um einen Viertel Prozentpunkt zu senken, sagte er weiter. Dieser Zinssatz ist für die Geldpolitik der SNB wichtig.
…und Euro-Vorsicht
Roth sprach auch ein wichtiges Ereignis an: die Euro-Einführung Anfang 2002. Diese werde das wirtschaftliche Umfeld tief greifend verändern. «Zum ersten Mal wird unser Land von einem einheitlichen Währungsgebiet umgeben sein», sagte er. Die SNB müsse mit Blick aufs Währungsrisiko wachsam bleiben. Es sei zu befürchten, dass die geringen Schwankungen des Franken-Euro-Kurses die Marktteilnehmer zum Eindruck verleite, das Wechselkursrisiko verschwinde. Roth mahnte allerdings, dass der Kurs des Frankens am Devisenmarkt jederzeit ändern könne.
Glückliches Geldkonzept
Erste Erfahrungen mit dem seit zwei Jahren eingeführten geldpolitischen Konzept stimmten zuversichtlich, sagte der SNB-Chef weiter. Die regelmässigen Inflationsprognosen verpflichteten die SNB, alle relevanten Faktoren systematisch und sorgfältig zu prüfen. Das Konzept scheine auch von der Öffentlichkeit gut aufgenommen worden zu sein.
swissinfo und Agenturen
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