Steigt Ringier bei Springer ein?
Der Axel-Springer-Verlag soll dem grössten Schweizer Medienkonzern ein Aktienpaket von 40% aus dem Besitz von Leo Kirch angeboten haben.
Mit dem Ziel, eine feindliche Übernahme durch die Düsseldorfer WAZ-Gruppe zu verhindern.
Beide Verlage sprachen am Dienstag von Spekulationen und lehnten einen Kommentar ab. Springer-Sprecherin Edda Fels sagte: «Wir werden uns zum gegebenen Zeitpunkt äussern, welchen Käufer wir akzeptieren.»
Nach unbestätigten Zeitungsberichten möchte Mehrheits-Aktionärin Friede Springer, dass Ringier das Anteilspaket von 40 Prozent übernimmt. Der Schweizer Verlag, so das «Handelsblatt», wäre aber nur bereit, das Paket zusammen mit mehreren ausländischen Banken zu kaufen, wenn er damit erheblichen unternehmerischen Einfluss in Europas grösstem Zeitungskonzern bekäme.
Von einer Übereinkunft weit entfernt
Wie das «Handelsblatt» und der «Tagesspiegel» unter Berufung auf Springer-Kreise mitteilten, würden das Zeitungshaus und Ringier seit längerem verhandeln, seien aber von einer Einigung weit entfernt. Denn Friede Springer wolle Forderungen des Konzernchefs Michael Ringier nach weit reichendem Einfluss so wie nach einem Posten im Springer-Aufsichtsrat nicht nachgeben.
«Am Ende entscheidet wahrscheinlich der Preis»
Da es sich bei Kirchs Springer-Paket um vinkulierte Aktien – also Namensaktien – handelt – braucht der Käufer die Zustimmung Springers. Findet der Münchner Filmhändler Leo Kirch laut den Zeitungsberichten nicht rasch einen Käufer, fällt das Springer-Paket als Pfand an die Deutsche Bank. Das Landgericht München will am kommenden Dienstag darüber verhandeln, ob die Frist für Kirch noch einmal verlängert wird.
Einstweilige Verfügung
Der Springer-Verlag hat eigenen Angaben zufolge vor Gericht einen Verkauf von Leo Kirchs Anteilen am Unternehmen ohne Zustimmung der Springer-Aktionärsmehrheit verbieten lassen.
Nach Angaben eines Kirch-Vertrauten sei Ringier bereit, mehr für das Aktienpaket zu bezahlen als die WAZ-Gruppe. Kirch verhandle seit einigen Wochen parallel mit WAZ und Ringier. Der Essener Verlag soll angeblich 960 Mio. Euro geboten haben. Dieser hatte Berichte über die Höhe eines möglichen Kaufpreises jedoch mehrfach als reine Spekulation bezeichnet.
Ringier AG ist der grösste Schweizer Medienkonzern und in Familienbesitz. Flaggschiffe sind die Boulevardzeitungen Blick und Sonntags-Blick
swissinfo und Agenturen
Ringier AG ist der grösste Schweizer Medienkonzern un in Familienbesitz. Flaggschiffe sind «Blick» und «Sonntagsblick»
Der Axel Springer Verlag mit Unternehmenssitz in Berlin und Verlagszentralen in Hamburg und München ist der grösste europäische Zeitungsverlag und gehört zu den führenden internationalen Medienunternehmen
Der Axel-Springer-Verlag soll Ringier ein Aktienpaket von 40% aus dem Besitz des Münchner Filmhändlers Leo Kirch angeboten haben.
Beide Verlage sprachen am Dienstag von Spekulationen und lehnten einen Kommentar ab.
Springer will nach unbestätigten Berichten mit dem Angebot eine ‚feindliche Übernahme‘ durch die Düsseldorfer WAZ-Gruppe verhindern.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch