Swissair: Flugbereich im Visier der Banken
Die Grossbanken UBS und Credit Suisse Group haben am Sonntag Hand geboten für eine kurzfristige Hilfe an die finanziell am Abgrund stehende Swissair Group. In Bern waren Gespräche auf höchster Ebene angesetzt gewesen, die am Montag fortgesetzt werden sollen. Im Vordergrund der Spekulationen steht eine Teilrettung der Gruppe.
Die UBS und die Credit Suisse Group (CSG) erklärten, dass sie ein Lösungsmodell unterstützen würden, das mit 51 Prozent von Seiten der UBS und mit 49 Prozent von Seiten der CSG finanziell getragen würde. Dieses Lösungsmodell sieht offenbar keine Beteiligung des Bundes vor. «Wir sind der Meinung, dass es ordnungspolitisch nicht richtig wäre, dass sich der Bund an einer Lösung beteiligen würde und halten dies auch nicht für notwendig», wurde der UBS-Verwaltungsrats-Präsident Marcel Ospel zitiert.
Wie das Lösungsmodell konkret aussieht, wurde zunächst nicht nicht öffentlich skizziert. Bei der Swissair Group verwies Sprecher Jean-Claude Donzel in diesem Zusammenhang auf die noch laufenden Gespräche in Bern. Die weitere Entwicklung werde deshalb noch nicht kommentiert. Eine Stellungnahme des Swissair-Verwaltungsrats zum Lösungsvorschlag der Banken stand vorerst aus.
Exklusive Runde
In Bern waren am Sonntag Gesprächen über das Schicksal der Swissair Group mit allen involvierten Parteien angesetzt gewesen. Laut Daniel Eckmann, Informationschef des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) waren von Seiten des Bundes Bundespräsident Moritz Leuenberger, Bundesrat Kaspar Villiger, Peter Siegenthaler, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung sowie der UVEK-Generalsekretär Hans Werder vertreten.
Von der Swissair war der Swissair-Verwaltungsrat in corpore anwesend. Es sind dies Verwaltungsrats-Präsident Mario Corti, Verwaltungsrats-Vizepräsident Benedict Hentsch, Lukas Mühlemann sowie Andres F. Leuenberger. Von der Credit Suisse Group war Verwaltungsrats-Vizepräsident Hans-Ulrich Dörig und von der Crossair Verwaltungsrats-Präsident Moritz Suter in Bern. Gemäss Augenzeugen sollen auch Andre Dose, neuer Swiss-Air-Lines-Chef und Ulrich Bremi dabei gewesen sein.
Bundesrats-Entscheid verschoben
An der Sitzung, die von 14.00 Uhr bis 18.20 Uhr dauerte, sei allerdings noch kein Entscheid gefällt worden, erklärte Daniel Eckmann, Sprecher des Eidg. Finanzdepartementes, am Sonntagabend.
Laut Swissair-Chef Mario Corti wurden an der «intensiven Arbeitssitzung» ausführlich Lage und Massnahmen besprochen. Über die verschiedenen diskutierten Lösungsvorschläge wollte Bundesrat Leuenberger jedoch keine Auskunft geben.
Bekannt wurde lediglich, dass die Verwaltungsräte der Crossair und der Swissair noch am Sonntagabend separate Sitzungen abhielten, um zusätzliche Informations-Bedürfnisse des Bundesrates zu befriedigen. Der Bundesrat seinerseits will sich am Montag um 13.00 Uhr zu einer Sondersitzung treffen.
Teilrettung möglich
Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass eine Teilrettung der Gruppe im Vordergrund stehen dürfte. Dabei steht dem Vernehmen nach die Rettung des Airline-Geschäfts und von allenfalls rentablen Unternehmensteilen zur Diskussion.
In den Medien war über die Gründung einer Auffang-Gesellschaft durch Herauslösung der Crossair aus dem Konzern spekuliert worden. Dabei könnte die am besten rentierende Tochtergesellschaft der Swissair Group, die Crossair, eine neue Firma gründen und Aktiven einbringen, so dass im Falle eines Konkurses der Flugbetrieb weitergehen würde.
Finanzlage äusserst dramatisch
Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Finanzlage der Swissair Group viel dramatischer ist als bisher angenommen. Swissair-Chef Corti machte am Freitagabend im Schweizer Fernsehen deutlich, dass die Luftverkehrsholding in einem akuten Liquiditäts-Engpass steckt. Die Liquidität werde zurzeit nur noch von Tag zu Tag gemanagt, sagte Corti. Erstmals räumte er auch ein, das die Kreditlinie dreier Grossbanken von einer Milliarde Franken im Moment nicht gezogen werden könne, weil er an Bedingungen geknüpft sei, die die Swissair heute nicht mehr erfüllen könne.
Hinzu kommt, dass die Folgekosten der Terroranschläge vom 11. September die Swissair im laufenden und im nächsten Jahr mehrere Milliarden Franken kosten werden. Es stehe inzwischen fest, dass die Anschläge zusätzliche Auswirkungen hätten auf den operativen Betrieb sämtlicher Einheiten, aber auch auf den Preis der zum Verkauf stehenden Tochtergesellschaften. Zudem werde die Haltung der Kapitalgeber beeinflusst, erklärte der Swissair-Informationschef Rainer Meier. «Ohne Staatshilfe sind wir nicht mehr in der Lage, das zu bewältigen», sagte er.
swissinfo und Agenturen
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