Zurich Financial Services mit massiv weniger Kapitalgewinn
Die Zurich-Gruppe hat im ersten Halbjahr massiv weniger Kapitalgewinne realisiert. Das drückt auf den Reingewinn des Versicherungs- und Finanzdienstleistungs-Konzerns. Die Konzernspitze ist mit dem erwirtschafteten Ergebnis dennoch zufrieden.
Die Zurich Financial Services Group habe im ersten Halbjahr die nachhaltige Ertragskraft markant gesteigert, sagte Konzernchef Rolf Hüppi am Mittwoch (06.09.) an einer Medienkonferenz in Zürich.
Die Gruppe hat den nachhaltigen Gewinn gegenüber der Vorjahresperiode um 21 Prozent auf 1,1 Mrd. Dollar (umgerechnet 1,9 Mrd. Franken) erhöht.
Der nachhaltige Gewinn orientiert sich an den längerfristig erzielbaren normalisierten Kapitalgewinnen. Weil der Wert nicht den volatilen tatsächlich realisierten Gewinnen entspreche, diene er der Messung der operativen Leistung des Konzerns besser, zeigte sich Hüppi überzeugt.
Zur Steigerung der Ertragskraft trugen in erster Linie die Bereiche Lebensversicherung, Rückversicherung und Vermögensverwaltung bei. Dazu hat die Gruppe die Kosten deutlich gesenkt.
Weniger Kapitalgewinne
In Wirklichkeit sind bei der Zurich-Gruppe im ersten Halbjahr 2000 weitaus weniger Kapitalgewinne in die Kasse geflossen als im Vorjahr. Der ausgewiesene Reingewinn sank dadurch um 24 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar, wie die Zürich-Gruppe am Mittwoch weiter bekannt gab. Im Vorjahr habe man die Gunst der Kapitalmärkte genutzt und deutlich überdurchschnittliche Kapitalgewinne realisiert, sagte Hüppi.
Die Bruttoprämien einschliesslich der Beiträge mit Anlagecharakter und der Prämien der amerikanischen Farmers Exchange erhöhten sich im ersten Halbjahr um 1,9 Prozent auf 25,4 Mrd. Dollar. In Lokalwährungen belief sich das Prämienwachstum auf 6 Prozent.
Der Gesamtbetrag der verwalteten Vermögen stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 4,5 Prozent auf 435,3 Mrd. Dollar. Auf der Basis unveränderter Währungsrelationen erhöhte sich das Total der verwalteten Vermögen leicht gegenüber 1999.
Im Zuge der Vereinfachung der Aktienstruktur, beabsichtigt die Zurich Financial Group einen Rückkauf von Aktien an der Allied Zurich. Die Zurich will, einen Tender Offer im Betrag von 650 Mio. Dollar zu lancieren. Dabei bestimmt der Käufer den Preis. Das Angebot richte sich an alle Aktionäre, hiess es.
Analysten sind enttäuscht
Hüppi rechnet für das ganze Jahr mit einem «erfolgreichen Geschäftsjahr». Die Aussage von einem zweistelligen Gewinnwachstum gelte nach wie vor, sagte Hüppi. Gemeint ist dabei der «normalisierte» Gewinn. Zu bedenken seien auch die geplanten Investitionen – unter anderem 1 Mrd. Dollar ins Internet.
Nach Ansicht von Analysten sind die Halbjahreszahlen des Allfinanzkonzerns Zurich Financial Services auf den ersten Blick enttäuschend. Christoph Streit von der Bank Leu erklärte, dass vor allem der normalisierte Gewinn unter den Erwartungen ausfiel.
In Analystenkreisen war mit einem Wert zwischen 1,3 bis 1,4 Mrd. Dollar gerechnet worden. Die Börse reagierte ohne Gnade auf das Halbjahresresultat der Zurich-Gruppe. Die Papiere sanken im Verlaufe des Vormittags um 3,2 Prozent auf 849 Franken. Der Markt dagegen hielt sich mit einem leichten Minus von 0,18 Prozent.
Ob die Zahlen zu einer Neubewertung der Zurich-Aktien führen dürften, ist noch unklar. Gegenwärtig werden die Titel mit «buy» bis «outperform» eingestuft.
swissinfo und Agenturen
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