Dem Patienten geht es endlich besser
Heute besuchen wir die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins in Koblenz (IKSR). Wir wollen wissen, wie es um den Rhein bestellt ist.
Bis vor wenigen Jahrzehnten galt der Rhein von Basel bis an seine Mündung in die Nordsee als Kloake. Er war mit Schwermetallen sowie ungeklärten Abwässern verschmutzt. Und obwohl rund 30 Millionen Menschen ihr Trinkwasser aus dem Rhein beziehen, tat sich im Bereich Gewässerschutz herzlich wenig.
«Nachhaltig verändert hat sich die internationale Haltung in Bezug auf die Gewässerverschmutzung erst nach dem Chemiebrand in Schweizerhalle,» sagt Anne Schulte-Wülver-Leidig, Stellvertretende Geschäftsführerin der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins.
Damals, am 1. November 1986, war verseuchtes Löschwasser nach einem Chemiebrand von Sandoz bei Basel in den Rhein gelangt und hatte eine Rotfärbung des Flusses bewirkt.
Ein riesiges Fischsterben setzte ein, nach drei Tagen trieben zwischen Basel und Karlsruhe 150’000 tote Aale, nach einer Woche erreichte die Giftwelle Holland. Entlang des Rheins wurden alle Trinkwasserfassungen gesperrt.
«Heute hat sich die Situation erheblich verbessert. Man kann sagen, dass es dem Rhein heute wieder recht gut geht. Es gibt sogar wieder Lachse», zieht Anne Schulte Wülver befriedigt Bilanz.
Dies freut auch Thomas van Loose, der in Duisburg einen Hafenrundfahrts-Dampfer steuert: «Die Wasserqualität verbessert sich von Jahr zu Jahr. Es gibt sogar wieder Fische, die vom Frischwasser besonders abhängig sind, wie die Forelle oder der Lachs.»
«Heute kann jedermann im Rhein baden, ohne eine Vergiftung riskieren zu müssen», stellt er befriedigt fest. Wie zur Bestätigung seiner Worte zieht das Schiff an einer kreischenden und prustenden Schar Kinder vorbei, die im Wasser tollen. Van Loosen quittiert dies mit einem spitzbübischen Grinsen.
Heutzutage ist nicht mehr die Gewässerverschmutzung die grösste Gefahr für die Millionen Anwohner des «Wasserhighways». Gefährlicher sind die immer häufiger auftretenden Hochwasser, die meist Milliarden-Schäden verursachen.
«Wir brauchen im Rhein mehr Auen damit die Hochwasserspitzen gekappt werden können. Ausserdem sind solche Gebiete auch extrem wichtig, um die Artenvielfalt erhalten zu können», erklärt Anne Schulthe–Wülver-Leidig.
swissinfo-Sonderkorrespondent Etienne Strebel, Koblenz
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