Gemeinsam gegen globale Bedrohungen
Überbevölkerung, Klima-Erwärmung oder Abholzung der Tropenwälder - der Fortbestand der Spezies Mensch ist gefährdet wie noch nie. Die Wissenschaft versucht, ihren Teil zur Lösung der apokalyptischen Probleme beizutragen. Ein Rezept heisst Forschungs-Partnerschaft.
Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor den globalen Problemen, welche die Menschheit bedrohen und das Überleben der «Krone der Schöpfung» in absehbarer Zukunft ernsthaft gefährden.
Forschungs-Partnerschaften
Ist der Mensch zur Ohnmacht verurteilt? Nein, meinen zahlreiche Schweizer Forscher. Sie versuchen die immensen Probleme mittels Forschungs-Partnerschaften anzugehen, mit Konsortien also, in denen Forscher sowohl aus Industrie- als auch Entwicklungsländern vertreten sind. Dieser Form von Partnerschaft zwischen Arm und Reich waren am Freitag (15.06) in der Schweiz gleich zwei Tagungen gewidmet; eine an der ETH Lausanne, die andere an der Universität Bern.
Für Beat Sitter-Liver, Generalsekretär der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften und Mit-Organisator der Berner Tagung, ist klar: «Wir wollen mit diesen Partnerschaften einen Beitrag leisten, dass Entwicklungsländer soweit kommen, schliesslich aus eigener Kraft Forschung zu betreiben. Das gemeinsame Ziel ist die Erhaltung der natürlichen Bedingungen menschlicher und auch nicht-menschlicher Existenz auf dieser Erde.»
Ungleiche Verteilung der Forschungsgelder
Weltweit werden derzeit 85% der Forschungsgelder in den Industrieländern ausgegeben. Für alle anderen Weltregionen bleibt da lediglich ein dürrer Rest. Dies muss sich ändern, findet Hans Hurni, Co-Leiter des Zentrums für Entwicklung und Umwelt an der Universität Bern: «Die Entwicklungsländer sollten sich vermehrt auf ihre eigenen Forscher und Forschungs-Institutionen besinnen. Denn beispielsweise in der Agrarforschung oder in der Erosions-Bekämpfung sind lokale Forscher unabdingbar. Nur sie verfügen über das nötige Wissen und werden dementsprechend vor Ort auch wirklich getragen. Für uns bedeutet dies, dass wir versuchen, eben diese Institutionen zu stärken.»
Das Beispiel Sahel
Hurni erhielt am vergangenen Mittwoch vom Nationalrat für ein Projekt grünes Licht, welches mittels Forschungs-Partnerschaften in acht Regionen der Welt Syndrome der Globalisierung untersucht. Eine der ausgewählten Regionen ist der Sahel, wo Fragen wie Verstädterung, Verwüstung und Gesundheitsprobleme brennen: «Vor einigen Wochen trafen wir in der Sahelzone mit 15 Wissenschaftlern aus der Gegend selbst zusammen und erörterten in einem Workshop zunächst einmal die Frage, was die wirklichen Probleme der Sahelzone sind. Entstanden ist eine Liste von Arbeiten, für die wir Doktorandinnen und Doktoranden aus der Schweiz und aus dem Sahel zu gewinnen suchen. Wenn in einigen Jahren die Resultate vorliegen, setzen wir uns wieder zusammen, und überlegen, wie diese umgesetzt werden können.»
Grenzen der Forschungs-Partnerschaften
Verschiedene Schweizer Universitäts-Institute sind an Forschungs-Partnerschaften beteiligt. Auch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstützt derartige Projekte kräftig. Allerdings verlaufen längst nicht alle Forschungs-Partnerschaften nach dem Wunsch ihrer geistigen Väter. Dies weiss Daniel Maselli, der bei der DEZA das Dossier Forschung in der Entwicklungspolitik betreut: «An Grenzen stösst man immer mal wieder. Und auch Misserfolge gibt es. In Pakistan beispielsweise, wo es um die Erforschung der Entwicklung von mittelgrossen Städten gegangen wäre, klappte es wegen häufiger Partnerwechsel, Management-Problemen und dem schwierigen Zugang zu den Behörden nicht. Umsonst war dieses Projekt aber trotzdem nicht: Wir haben daraus gelernt.»
Felix Münger
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