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Jubiläumsgeier «Thuri»

Junger Bartgeier im Schweizer Nationalpark. Keystone

Seit 25 Jahren werden im Schweizer Nationalpark im Unterengadin Bartgeier angesiedelt. Der ehemalige "Lämmergeier" wurde nämlich ausgerottet.

Am Samstag wurde der junge Bartgeier «Thuri» als Jubiläumsvogel in die Freiheit entlassen.

Der beste Flieger der Alpen wurde per Auto ins Bündnerland gefahren. Der jetzt ausgesetzte Bartgeier Thuri ist der jüngste Zuchterfolg des Tierparks Goldau im Kanton Schwyz.

Erst schlafen und fressen

Obwohl er sich nun in Freiheit behaupten muss, kann der jüngste Bartgeier im Nationalpark noch gar nicht richtig fliegen. Der ausgewilderte Grossvogel wird nämlich seine ersten Tage in Freiheit mit schlafen und fressen verbringen.

In Zernez wird er gefüttert. Erst in einigen Tagen wird er seine neue Umgebung, seine Freiheit, wahrnehmen und dann auch die ersten Flugversuche unternehmen.

Damit man den Vogel besser beobachten kann, wurden ihm im Tierpark Goldau die Flügel gebleicht. Mit den gleichen Mitteln, wie es die Coiffeure beim Frauenhaar verwenden.

Übrigens, der Vater von Thuri ist im Tierpark an einer Pilzentzündung gestorben. Die trat auf, nachdem Vater Cäsar in einen Ast geflogen war und sich erheblich verletzte.

Der «Knochenbrecher»

Insgesamt wurden seit der Gründung des internationalen Wiederansiedlungs-Projektes vor 25 Jahren 114 Geier im Alpenraum in Freiheit gesetzt. Gemäss Schätzungen dürften noch rund zwei Drittel der Greifvögel leben.

Mit einer Spannweite von fast drei Metern und einem Gewicht von fünf bis sieben Kilogramm ist der Bartgeier der «Grossraumvogel» in der Vogelwelt. Seine Handschwingfeder misst beispielsweise 60 Zentimeter. In Freiheit werden Bartgeier gut 20 Jahre alt. In Gefangenschaft schaffen sie oft das doppelte Lebensalter.

Der Bartgeier lebt vor allem von Knochen verendeter Tiere. Um diese Nahrung verwerten zu können, verfügt der Bartgeier über eine starke Magensäure. Ist ihm der Knochen zu gross, so lässt er ihn in der Höhe fallen, damit der Knochen am Boden zersplittert. Deshalb hat der Vogel auch den Übernahmen «Knochenbrecher» erhalten.

Jungvögel sichern Überleben

Die Bartgeier vermehren sich auch. Die erste Brut fand 1997 in Savoyen in den französischen Alpen statt. Ein Jahr später brüteten auch im Engadin freigelassene Vögel im benachbarten Stelvio Park in Italien.

Auffallend ist, das Bartgeier ihre Winterbrut auf die kältesten Monate Dezember und Januar legen. Gebrütet wird ungefähr 55 Tage.

Doch reichen die bisherigen Freilandbruten nicht aus, um das Überleben der Population im Alpenraum zu sichern. Deshalb werden weiterhin Jungvögel ausgesetzt.

Ausgerottet

Im 19. Jahrhundert hiess der Bartgeier noch Lämmergeier. Gnadelos wurde er aber bejagt. Schuld waren Märchen und Lügengeschichten. Man sagte dem mächtigen Vogel nach, er würde kleine Kinder und Lämmchen wegtragen. Er erschrecke im Tiefflug ganze Schafherden und würde sie so über die Felswände hinaustreiben.

Für die erlegten Lämmergeier wurden Prämien bezahlt. Dieses Nachstellen hatte Folgen: Das letzte Paar brütete in der Schweiz 1885 in Graubünden. 1887 fand man im Wallis den letzten vergifteten Vogel und 1913 wurde im Aostatal der letzte freilebende Lämmergeier der Alpen abgeschossen. Der Vogel war ausgerottet.

Nun das Auerhuhn

Erst nach und nach setzte ein Umdenken ein. Man änderte den Namen. Aus dem verhängnisvollen Lämmergeier wurde der Bartgeier (die schwarzen Borstenfedern am Schnabel geben ihm seinen Namen). Der WWF lancierte mit europäischen Zoos, Tierparks und Nationalparks ein Wiederansiedlungs-Programm.

Damit ist der Bartgeier erneut heimisch geworden. Derweil stirbt ein anderer Grossvogel aus: das Auerhuhn. Ihm fehlen in der Schweiz die grossflächigen Wälder. Dem grössten Raufusshuhn der Welt wird es wohl gleich ergehen, wie dem Geier. Erst, wenn es ausgerottet ist, wird man merken, dass es fehlt.

swissinfo und Agenturen

Im Schweizer Nationalpark im Unterengadin ist ein weiterer junger Bartgeier in die Freiheit entlassen worden. «Thuri», so sein Name, ist ein Jubliläumsvogel.

Das Wiederansiedlungs-Projekt ist 25 Jahre alt geworden.

«Thuri» stammt aus der Zuchtstation im Tierpark Goldau SZ.

Insgesamt 144 Geier wurden seit der Gründung des internationalen Wieder-Ansiedlungs-Projektes vor 25 Jahren im Alpenraum in die Freiheit gesetzt.

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