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Krank wegen Stress

Stress am Arbeitsplatz macht krank. Keystone

Der Druck auf die Arbeitnehmenden steigt: Der Stellenabbau verstärkt in einer Vielzahl von Firmen die unangenehme Anspannung.

Aber auch für die Vorgesetzten und Personalverantwortlichen ist die Situation schwierig.

Jeder Mensch gerät ab und zu in eine Stresssituation. In der heutigen Zeit gilt es sogar als «chic», ein wenig Stress zu haben, wie Rudolf Knutti vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) sagt. Dauert die Anspannung aber länger an, kann sie zu einem ernsthaften Problem werden.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2000 zeigt, verliert die Schweizer Wirtschaft wegen den negativen Auswirkungen von krankmachendem Stress jährlich 4,2 Milliarden Franken. Seit mehreren Jahren hat sich die Entwicklung verschärft, wie Knutti sagt.

Wirtschaftslage verschärft Belastung

Gemäss Norbert Semmer, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Bern, ist der Stellenabbau als Folge der Wirtschaftslage mitverantwortlich. Insgesamt habe sich die Belastung für die Arbeitnehmenden verschärft.

Dies bestätigt auch Vera Weiss vom Institut für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich. Sie erforscht die Situation der so genannten «Survivors» des Stellenabbaus. Umfragen zeigten, dass die gleiche Arbeit auf weniger Menschen verteilt werde. Dies habe eine Arbeitszunahme und ein breiteres Aufgabengebiet zur Folge.

Zusätzlich steige bei den Arbeitnehmenden die Angst vor einem weiteren Abbau. Dies führe dazu, dass die Mitarbeitenden auch bei Krankheiten eher an den Arbeitsplatz kämen. Langzeitlich könne sich das negativ auf die Gesundheit auswirken.

Auch Vorgesetzte belastet

Aber auch die Vorgesetzten und Personalverantwortlichen sind laut Weiss sehr stark belastet. Mit den bei einem Stellenabbau notwendigen Gesprächen steigt nicht nur die Arbeitslast, sondern auch die psychologische Belastung. «Sie sind zwischen den Fronten der Mitarbeiter und der Geschäftsführung», sagt Vera Weiss.

Den Arbeitgebern sind diese Probleme bekannt, und die Verantwortlichen werden geschult. Die ersten Gespräche mit den vom Stellenabbau Betroffenen werden von den Linienvorgesetzten geführt, wie Rolf Kurath, der Verantwortliche für das Restrukturierungs-Programm 2003 bei der Swisscom, sagt.

«Die Präsenz des Linienvorgesetzten ist entscheidend», so Kurath. Diese würden seit vier bis fünf Jahren in Kursen mit dem Thema «Schwierige Gespräche führen» geschult. Das Ziel sei ein für beide Seiten befriedigendes Gespräch. Im gesamten Prozess werde der Vorgesetzte von Personalleuten unterstützt und gecoacht.

Betreuung der Betroffenen

«Selbstverständlich kommt es im jetzigen Umfeld schon rein quantitativ zu einer vermehrten Belastung», sagt Ruth Stadelmann, Sprecherin der Credit Suisse Group. Die Betroffenen würden im Rahmen eines so genannten Supervising betreut.

Auch bei der Post werden Vorgesetzte, die einen Abbau vollziehen, von Personalverantwortlichen und Coaches unterstützt. Zudem werden sowohl die Vorgesetzten als auch das Personalmanagement in einem umfangreichen Ausbildungsprogramm auf den Umgang mit Veränderungen vorbereitet, wie Richard Pfister, Sprecher der Post, sagt.

swissinfo und Daniela Sigrist (AP)

Die Schweizer Wirtschaft verliert wegen den negativen Auswirkungen von Stress jährlich 4,2 Milliarden Franken. Dies zeigt eine Studie aus dem Jahr 2000. Seitdem hat sich die Situation noch verschärft.

Mitverantwortlich für den vermehrten Stress am Arbeitsplatz ist der Stellenabbau als Folge der Wirtschaftslage. Die Belastung trifft aber nicht nur Arbeitnehmer und Angestellte, sondern auch die Vorgesetzten und Personalverantwortlichen.

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