Neue Firmenspitze soll Sulzer Medica aus der Krise führen
Mit einer neuen Konzernspitze will Sulzer Medica den Weg in die Selbständigkeit antreten und die Probleme in den USA lösen. Neuer Firmenchef wird der bald 45-jährige Stephan Rietiker. Bis zu dessen Amtsantritt übernimmt Verwaltungsrats-Präsident Max Link die Firmenleitung.
«Wir wollen Sulzer Medica mit einer neuen Leitung und drei neuen Verwaltungsräten aus der Schieflage bringen und auf eine gesunde Grundlage stellen», erklärte Link am Donnerstag (31.05.) an einer Medienkonferenz in Zürich. Der bisherige Konzernchef André Buchel, der schon vor über einem Jahr seinen Rücktritt angekündigt hatte, trete ab sofort in Pension.
Am Mittwochabend habe der Verwaltungsrat den Mediziner und Manager Stephan Rietiker zum neuen Firmenchef ernannt. Bis zu dessen Amtsantritt am 1. August leitet Link das Unternehmen. Dieser war Ende März nach dem Rücktritt von Ueli Roost neuer Verwaltungsratspäsident geworden.
Trotz Turbulenzen mehr Umsatz
Auf die neue Konzernspitze wartet viel Arbeit: Vor zehn Tagen hatte Sulzer Medica eingeräumt, dass die Probleme mit verunreinigten und deshalb schlecht angewachsenen Hüftimplantaten gravierender sind, als zuvor angenommen.
Bislang wurden in den USA 1’700 neue Operationen nötig. Die Kosten übersteigen die Versicherungsdeckung. Seit dem Rückruf im Dezember ist der Aktienkurs um fast 60 Prozent eingebrochen.
Auf die Sicherheit und das Wohlbefinden der Patienten setze er denn auch die höchste Priorität, sagte Link. Er hielt fest, dass der betroffene Orthopädie-Bereich nur ein Viertel des Umsatzes ausmache. «Drei Viertel des Unternehmens sind kerngesund», hielt er fest. Trotz den Problemen habe der Umsatz nach fünf Monaten den Vorjahreswert um 4 Prozent übertroffen.
Verselbständigung am 10. Juli
Deshalb gebe es auch keinen Grund, die geplante Verselbständigung von Sulzer Medica aufzuschieben. Wie der Sulzer-Konzern am Donnerstag bekannt gab, soll die bisherige Tochtergesellschaft am 10. Juli ausgegliedert werden.
Pro Sulzer-Aktie sollen den Aktionären zwei Sulzer-Medica-Aktien ausgeschüttet werden. Damit sinkt die Beteiligung von Sulzer an Sulzer Medica von derzeit 74 Prozent auf 4 Prozent.
Auch der neu ernannte Sulzer-Medica-Chef Rietiker will nach eigenen Angaben ein Schwergewicht auf die Patienten-Sicherheit setzen. «Wer einmal praktiziert hat, bleibt Arzt, auch wenn er Manager geworden ist», sagte er vor den Medien.
Zugleich wolle er dem Unternehmen zu nachhaltig profitablem Wachstum verhelfen. Insbesondere habe er sich zum Ziel gesetzt, den aufgrund der Turbulenzen teilweise verunsicherten 3’500 Beschäftigten wieder Sicherheit bieten.
An seiner neuen Aufgabe reize ihn vor allem der direkte Bezug zur Produktion, erklärte der derzeitige Vizepräsident und Europa- Verantwortlicher des amerikanischen Forschungsunternehmens Covance Central Laboratory Services.
Amerikanische Kultur
Besonders spreche ihn auch an, dass das Schweizer Traditionsunternehmen starke Wurzeln in den USA habe. Er habe in seiner Jugend 5 Jahre in den USA verbracht und in diesem Land auch das medizinische Staatsexamen absolviert.
Er wolle viel Verantwortung seinen Mitarbeitern übertragen und deren Eigeninitiative stärken, umriss Rietiker seinen Führungsstil. Er pflege kein Kommando-Management, unterstrich der Oberst im Generalstab.
Vor seinem Eintritt bei Covance hatte Rietiker leitende Funktionen bei HPC Healthcare & Pharma Consulting in Zug, bei der Essex Chemie in Cham, bei Boehringer Mannheim und bei Roche ausgeübt.
swissinfo und Agenturen
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