Trotz Angriffen: Schweizer Unternehmer bleiben Dubai treu
Trotz des Konflikts bekräftigen die in Dubai ansässigen Schweizer Unternehmer ihre Verbundenheit mit der Stadt am Persischen Golf. Sie weisen auch die Kritik an den Steuervorteilen zurück, von denen sie profitieren.
Dubai: Für die einen ist es die Stadt des Glanzes und der Steuervorteile, für die anderen die Heimat der tausend Geschäftsmöglichkeiten und des multikulturellen Zusammenlebens.
Aus diesen oder anderen Gründen haben sich viele Schweizer Bürgerinnen und Bürger in Dubai niedergelassen – rund 3800 in den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), so die letzten ZahlenExterner Link des Bundesamtes für Statistik (BFS).
Der Ende Februar von den USA und Israel begonnene Krieg gegen den Iran hat die Länder der Golfregion in seinen Sog gezogen. Plötzlich flogen Drohnen und Raketen über den Wolkenkratzern von Dubai, dem zweitwichtigstenExterner Link Wirtschaftszentrum des Landes hinter der Hauptstadt Abu Dhabi.
Für Schweizer Unternehmer und Investoren, die auf dem emiratischen Markt tätig sind, hat der Konflikt bereits negative Auswirkungen.
Sinkende Investitionen
«Die Nachfrage nach Beratung aus der Schweiz zur Gründung von Unternehmen in Dubai besteht immer noch, aber sie ist rückläufig», sagt Urs Stirnimann, 72, Partner in einer Anwaltskanzlei, die ausländische Unternehmer bei der Gründung ihres Unternehmens unterstützt.
«Einige ausländische Unternehmen überlegen sich auch, ob sie gehen sollen oder nicht», fügt der Bündner hinzu, der seit über 20 Jahren im Land lebt.
Stephan Bedoe (45) und seine Frau führen eine Immobilien-Investmentberatung für vermögende Privatkunden und Family Offices. Er hat eine differenzierte Sicht auf die Auswirkungen des Krieges.
«In der unmittelbaren Zukunft hat der Konflikt erhebliche Auswirkungen auf unser Geschäft», sagt er. «Die Investoren warten ab, wie sich die Situation entwickelt.» Laut dem Unternehmer mit Zürcher Wurzeln besteht jedoch weiterhin Interesse: «Sie sehen auch die Möglichkeit, billiger einkaufen zu können.»
Zu früh, um einen Umzug zu erwägen
Der Immobiliensektor gehört zu den Bereichen, die am meisten vom Konflikt in der Region betroffen sind. In den ersten 12 Tagen des Monats März sank das Volumen der Immobiliengeschäfte in den Emiraten um 37% im Vergleich zum Jahr 2025 und um 49% im Vergleich zum Vormonat, wie Analysten von Goldman Sachs gegenüber Reuters erklärten.
Laut dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gehören zu den weiteren stark betroffenen Sektoren das Gastgewerbe, die Veranstaltungsbranche und die Logistik.
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Alle Schweizer Unternehmer, mit denen wir gesprochen haben, sind sich jedoch einig, dass es noch zu früh ist, um die mittelfristigen Auswirkungen des Konflikts zu beurteilen.
Für den 36-jährigen Nico Tschanz «wäre es kontraproduktiv, daran zu denken, Dubai zu verlassen, denn Vertrauen ist ein wesentliches Element in meinem Geschäft». Der gebürtige Berner lebt seit 2021 dort und hat seit eineinhalb Jahren seine Beratungsfirma für Vermögensverwaltung aufgebaut.
«Bisher haben wir keine spezifischen Informationen über Schweizer Unternehmen, die erwägen, ihre Aktivitäten in den Golfstaaten aufgrund des andauernden Krieges einzustellen», bestätigt Fabian Maienfisch, Sprecher des Seco, seinerseits.
Nico Tschanz, der auch Delegierter für die Region im Rat der Auslandschweizer-Organisation (ASO) ist, denkt nicht daran, in die Schweiz zurückzukehren. Dasselbe gilt für Urs Stirnimann, der mehrere Jahre für das IKRK in Krisenländern gearbeitet hat und «weiss, was es bedeutet, in einem Konfliktgebiet zu leben».
Auch Stephan Bedoe, der mit seiner Familie in Dubai lebt, hat nicht die Absicht, eine Stadt zu verlassen, in der er sich mittlerweile zu Hause fühlt. «Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, in Dubai zu leben. Es ist zu unserer Heimat geworden. Wir lieben das Leben hier, im Kontakt mit all den Nationalitäten, die in gutem Einvernehmen nebeneinander leben», betont er.
Die Steuerflüchtlinge und die Anderen
Die iranischen Luftangriffe führten zu zahlreichen Flugausfällen, Tausende von Passagieren sassen in einem der grössten Luftdrehkreuze der Welt fest. Viele riefen ihre Regierung zu Hilfe, um sie nach Hause zu holen. Das plötzliche patriotische Aufbäumen einiger Steuerflüchtlinge löste in mehreren europäischen Ländern eine Welle der Empörung aus.
Fabio Belloni (54) ist der Meinung, dass es zwei Arten von Einwohner:innen in Dubai gibt, die man unterscheiden muss: einerseits Influencer, Bloggerinnen oder Leute, die in der volatilen Finanzwelt, zum Beispiel mit Kryptowährungen, tätig sind – «die sind zuerst gegangen, die meisten von ihnen sind Steuerflüchtlinge» – und andererseits Unternehmer und ihre Familien, «die ein Standardleben führen, wie man es auch in der Schweiz führen kann».
Der Tessiner besitzt eine Beratungsfirma für Unternehmen, die in die VAE expandieren wollen. Er und seine Familie haben auch nicht vor, Dubai zu verlassen.
«Die meisten Leute, die ich hier kenne, sind nicht aus steuerlichen Gründen gekommen. Das sind nette Nebeneffekte», meint Nico Tschanz. Stephan Bedoe hat von dieser Kritik nicht unbedingt etwas mitbekommen.
Er sagt aber: «Wenn Ihnen Raketen und Drohnen über den Kopf fliegen, spielt es keine Rolle, ob Sie aus Gründen der Steueroptimierung oder aus anderen Gründen gekommen sind: Es geht in erster Linie um verunsicherte Menschen.»
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Während Expats in Dubai von sehr günstigen Steuerbedingungen profitieren, riskieren sie viel, wenn sie in ihr Heimatland zurückkehren. Sie würden dann nämlich wieder steuerlich ansässig und könnten unter Umständen auch rückwirkend auf ihr in den Emiraten erzieltes Einkommen besteuert werden.
Um wohlhabende Ausländer:innen, die aus dem Land geflohen sind, zur Rückkehr nach Dubai zu bewegen, scheint die Regierung des Golfstaates jedoch Nachsicht zu zeigen. Die britische Tageszeitung Financial TimesExterner Link berichtet, dass diese Personen ihren Steuerstatus beibehalten könnten, der es ihnen ermöglicht, keine Einkommenssteuer zu zahlen, selbst wenn sie sich einige Zeit ausserhalb des Landes aufhalten.
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Ein widerstandsfähiger Markt
Trotz der unsicheren Lage ist Fabio Belloni um die Wirtschaft Dubais nicht besonders besorgt: «Dubai hat schon einige schwere Krisen erlebt, etwa 2008 den Zusammenbruch des Subprime-Marktes oder die Covid-Pandemie.»
Fabian Maienfisch, Sprecher des Seco, teilt diese Ansicht. Die Region hat in der Vergangenheit ihre Widerstandsfähigkeit und ihr erneutes Wachstum gegenüber wirtschaftlichen Schocks unter Beweis gestellt.
Er fügt hinzu: «Es ist noch zu früh, um die langfristigen Auswirkungen des aktuellen Konflikts auf die Länder des Golf-Kooperationsrats zu bestimmen.» Diese regionale Organisation umfasst sechs Länder: Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain, die VAE und Katar.
«Das Emirat Dubai ist zu 95% nicht vom Öl abhängig», sagt Nico Tschanz, was es widerstandsfähiger gegen Krisen macht. Die Wirtschaft ist tatsächlich diversifizierter als die vieler ölabhängiger Nachbarstaaten, mit einem starken Wachstum in den Bereichen Tourismus, Finanzen und Logistik.
Eine kritische Stimme
Nach der Veröffentlichung dieses Artikels hat Christian*, ein Schweizer Unternehmer in Dubai, Swissinfo kontaktiert, um seinen Standpunkt mitzuteilen, der den oben geschilderten Erfahrungen widerspricht.
Christian, Mitte dreissig, liess sich Anfang 2024 mit seiner Familie in Dubai nieder. Dort gründete er ein Unternehmen im Informatikbereich, angezogen von einem besseren Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften, die ihm in der Schweiz gefehlt hatten.
Mitte März 2026, angesichts der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten, verliess er die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in aller Eile: «Wir sind mit dem erstmöglichen Flug abgereist, wie die meisten Schweizer Unternehmer.» Und er fügt hinzu: «Die Schweiz hat ihre Staatsangehörigen – Expats wie Touristen – mehr oder weniger sich selbst überlassen.»
Christian zeichnet ein weitaus weniger schmeichelhaftes Bild des Lebens in Dubai als seine Landsleute: «Die VAE sind ein autoritäres Regime, dessen Ziel es ist, Kritik zu unterdrücken, um ihr Wirtschaftsmodell zu schützen.»
Er beschreibt Kriegsszenen, welche die Staatspropaganda kleinreden würde: «Den Luftangriff auf den Flughafen Dubai Ende Februar haben die Behörden zunächst geleugnetExterner Link, bevor sie ihn eingestanden haben.»
Auch wenn die meisten Raketen oder Drohnen vom emiratischen Luftabwehrsystem abgefangen werden, belegen Zahlen aus mehreren internationalen Medien, dass einige ihr Ziel dennoch erreichenExterner Link.
Christian zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Regierungsaussagen: «Wenn Sie die Druckwellen in Ihrem eigenen Gebäude spüren, wissen Sie, wo sie gelandet sind.»
Über den Konflikt hinaus betrachtet Christian die Geschäftswelt Dubais kritisch, die auf dem «Kafala»-System beruht, das in den meisten Golfstaaten gilt. Es handelt sich dabei um eine Form der Bürgschaft durch eine Privatperson oder einen Arbeitgeber, die für die Erlangung einer Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung erforderlich ist.
Laut dem Schweizer würden sich Auswanderungswillige in Dubai im Gestrüpp des Systems verlieren. «Das Ergebnis ist ein künstlicher Markt rund um die Beschaffung von Visa, Unternehmensgründungen und administrative Verfahren – Dienstleistungen, die zu hohen Preisen angeboten werden, besondere für europäische Kunden», sagt Christian.
Obwohl Dubai ihm auf den ersten Blick sehr attraktiv erschien, vor allem wegen der fehlenden Einkommenssteuer, fühlte er sich schon bald in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt. «Freie Meinungsäusserung ist unmöglich; Kritik am Staat oder ein im öffentlichen Raum als unangemessen eingestuftes Verhalten kann schwerwiegende Folgen haben, bis hin zu einem Ausreiseverbot», sagt er.
Christian entdeckte in Dubai «eine sehr fragmentierte Gesellschaft». Rund 12% der Bevölkerung sind Emiratis, «die in vollem Umfang von den staatlichen Leistungen und Privilegien profitieren». Die verbleibenden 88% sind ausländische Arbeitnehmende, deren Aufenthaltsstatus in der Regel an eine Anstellung oder eine Bürgschaft geknüpft ist. «Aufgrund des Systems werden diese Menschen und ihre Nachkommen nie zu den 12% der Privilegierten gehören können», so der Schweizer.
Angesichts dieser Einschränkungen und der Unsicherheit durch die geopolitische Lage in der Region hat Christian endgültig einen Schlussstrich gezogen. «Ich werde nicht nach Dubai zurückkehren. Aber auch nicht in die Schweiz. Ich werde mich wahrscheinlich in einem anderen europäischen Land niederlassen.»
* Aufgrund der möglichen negativen Konsequenzen der geäusserten Meinung haben wir ein Pseudonym verwendet. Die wahre Identität ist der Redaktion bekannt.
Editiert von Samuel Jaberg. Übertragung aus dem Französischen mithilfe von KI: Giannis Mavris
Dieser Artikel wurde am 5. Mai 2026 ergänzt
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