Baubranche in Not

Die Baufirma Meier + Jäggi, das jüngste Opfer der Überkapazitäten in der Schweizer Bauwirtschaft. Keystone

Die Basler Baugruppe Meier + Jäggi geht in Konkurs. Geld für einen Sozialplan für die rund 650 Angestellten ist nicht vorhanden.

Dieser Inhalt wurde am 03. September 2002 - 20:19 publiziert

Die Schweizer Bauwirtschaft durchlebt schwierige Zeiten. Immer mehr Baufirmen schliessen oder melden Konkurs an.

Die Hiobsbotschaften aus der Schweizer Baubranche häufen sich. Am Dienstag der Konkurs der Nummer 6 der Schweiz, Meier + Jäggi. Rund 650 Mitarbeiter in Basel, Solothurn und Zofingen verlieren ihren Arbeitsplatz. Für einen Sozialplan reicht das Geld nicht mehr.

Vor zwei Wochen war es das grosse Gipsergeschäft Mensch AG auch in Basel. Etwa 120 Personen verloren die Arbeit. In Neuenburg hat am Wochenende die Baufirma Freiburghaus Nachlass-Stundung beantragt. Hier gingen 150 Stellen verloren. Die Liste könnte beliebig weitergeführt werden. Seit 1985 baute die Schweizer Bauwirtschaft rund 50'000 Arbeitplätze ab. So viel, wie keine andere Branche in der Schweiz.

Mittelgrosse sind die Verlierer

Im Mai dieses Jahres schreibt die "Handels-Zeitung": "Die da und dort ganz besonders aber aus dem Bauhauptgewerbe vorausgesagte Gefahr eines erneuten Nachfrage-Abschwungs wird widerlegt". Das Blatt kommt zum Schluss: "die Baukonjunktur bleibt robust".

Allerdings, das verheimlicht die Zeitung nicht, die Strukturbereinigung im Schweizer Baugewerbe sei noch nicht vorbei. Betroffen seien die Firmen, die nicht im Grossraum Zürich oder Genf tätig seien, hier würde ein "konjunktureller Wachstumsschub" für Arbeit sorgen.

"Die Verlierer", so die Handels Zeitung, "werden in den nächsten Jahren vor allem die mittelgrossen Unternehmen sein."

Viele Kleinst-Unternehmen

Werden auf der einen Seite ständig Arbeitsplätze abgebaut, entstehen parallel dazu neue Firmen und zwar ganz kleine. Rund 8000 Klein- und Kleinstbaufirmen entstanden in den vergangenen 10 bis 15 Jahren. Diese Kleinstfirmen sind sehr flexibel und können zu Kosten arbeiten, welche nicht exakt kalkuliert werden müssen, wie diejenigen bei einem grossen oder mittleren Unternehmen. Oft wird bei den Kleinfirmen auch schwarz gearbeitet.

Das alles führt dazu, dass die Preise immer tiefer fallen. Der Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes SBV, Heinz Pletscher, in der Sendung "Echo der Zeit" von Schweizer Radio DRS: "Wenn die Konkurrenz zu gross ist und die Aufträge zu kurzfristig vergeben werden, drückt das ständig auf den Preis und somit auf die Marge."

Es wird weniger gebaut

Der Aderlass erklärt sich aber auch mit den tieferen Bauinvestitionen. Noch 1990 verbaute die Branche rekordhohe fast 50 Mrd. Franken. 1999 waren es noch gut 41 Milliarden. Im laufenden Jahr, das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik, fiel der Auftragseingang im ersten Halbjahr wieder um mehr als acht Prozent unter den Vorjahresstand.

Einen Strukturwandel in ähnlich dramatischem Ausmass erlitt in den vergangenen Jahrzehnten nur die Schweizer Landwirtschaft. "Im Unterschied zu den Bauern, können wir aber nicht Bundesrat Couchepin anrufen und kriegen Subventionen, wenn es uns schlecht geht", sagt SBV-Präsident Pletscher gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Urs Maurer

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