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Bundes-Beitrag für ausländische Studierende

Studenten der Uni Zürich im Irchel während einer Vorlesung. Keystone

Die Finanzierung ausländischer Studierender an Hoch- und Fachhochschulen soll im neuen Hochschulgesetz geregelt werden, sagen beide Parlamentskammern.

Die Finanzierungs-Frage im terziären Bildungs-Sektor, der sich stark verteuert hat, stand im Zentrum zahlreicher Debatten.

Der terziäre Bildungssektor in der Schweiz – 10 Universitäten, zwei eidgenössische Technische und 7 berufliche Fach-Hochschulen – geniesst auch im Ausland ein gutes Renommé. So kommt es, dass die Schweiz, zusammen mit Australien, den welthöchsten Anteil an ausländischen Immatrikulierten aufweist, nämlich 23%.

Doch seit einigen Jahren zeichnen sich auch bei diesen Perlen helvetischer Bildungs-Tradition Finanzierungs-Probleme ab. Wegen stark wachsenden Kosten übersteigen die Aufwände heute jährlich die Summe von vier Milliarden Franken.

Zunahme der Studentenzahlen, auch der ausländischen

Zu den Gründen der wachsenden Kosten zählt auch die Zunahme der Studierenden: Im laufenden Jahr ist die Zahl gegenüber 2004 um 3% gestiegen. Und für das kommende Jahrzehnt rechnet man mit einem Plus von gut 20%.

Auch die Ansprüche der wissenschaftlichen Forschung steigen. Um mit den konkurrierenden Bildungs-Instituten auf internationaler Ebene mitzuhalten, muss das Investitions-Budget der Schweizer Universitäten ständig aufgestockt werden.

Dazu gesellt sich im weiteren dieses Jahr der ausserordentliche Aufwand rund um die Bologna-Reformen, womit das europäische universitäre Bildungs-System vereinheitlicht werden soll. Die Anpassungen an diese Vorgaben dürfte den terziären Sektor in der Schweiz bis 2010 rund 300 Mio. Franken kosten.

Interkantonale Kompensations-Zahlungen

Zur Zeit kostet ein Studium an einer Schweizer Uni pro Jahr durchschnittlich 20’000 Franken für Literatur-, 40’000 Franken für Naturwissenschaften und 60’000 für Medizin.

Diese Kosten werden vom Steuerzahlenden getragen, da alle Universitäten und Hochschulen hierzulande öffentlich sind. Die beiden Polytechnika unterstehen direkt der Eidgenossenschaft, die Universitäten den Kantonen.

Da jedoch nicht einmal die Hälfte der Kantone Universitäten besitzt, garantiert ein interkantonales Kompensations-System einen gerechteren Kostenausgleich – ein klassisches Modell des helvetischen Föderalismus.

«Die Universitäts-Kantone erhalten für jeden ausserkantonalen Studierenden Beiträge. Bei Berufshochschulen decke dieser Beitrag 85% der Bildungskosten, sagt Gabriela Fuchs, Sprecherin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), gegenüber swissinfo.

Der Bund «als 27. Kanton»

Für die ausländischen Studierenden jedoch erhalten die Universitäts-Kantone keine Beiträge aus den entsprechenden Ländern. «Die EDK verlangt deshalb, dass der Bund als eine Art 27. Kanton die Beiträge für die ausländischen Studenten übernimmt», sagt Fuchs.

Dieser Vorschlag wird auch von einer parlamentarischen Motion unterstützt. Diese ist im Nationalrat, der Grossen Parlamentskammer, bereits gutgeheissen worden und wird am Dienstag dem Ständerat, der Kleinen Kammer, vorgelegt.

Verfasst hat dieses Begehren die frühere baselstädtische liberale Nationalrätin Christine Wirz-von Planta. Laut der Motionärin «ist es an der Eigenossenschaft, die Kosten für ausländische Studierende zu tragen, da ja das gesamte Land den Nutzen daraus zieht».

Einerseits stellen die ausländischen Studenten eine Quelle gut qualifizierter Forschenden für die inländischen Arbeitsmärkte dar. Andererseits öffnet der Umstand, dass sie in der Schweiz studieren, jeweils den schweizerischen Studierenden den Weg zu Universitäten im Ausland.

Zusatzbeitrag genügt nicht

Doch nicht einmal dieser Zusatzbeitrag des Bundes, der die kantonalen Universitäten ohnehin mit fast 400 Mio. Franken jährlich unterstützt, scheint zu genügen, um das Problem der Finanzierung des akademischen Studienangebots in den Griff zu bekommen.

So kam es in den letzten Jahren im Zug von Rationalisierungen im Lehrbetrieb zum Abbau von Lehraufträgen, die als nicht prioritär erachtet wurden. Dies führte dann zu grossen Debatten und Meinungskontroversen.

Als ebenso kontrovers gilt der Vorschlag, die Uni-Semestergelder zu erhöhen, die sich heute auf rund 1500 Franken pro Jahr belaufen. «Dieser Vorschlag läuft auf eine Bestrafung der Universitäten in der Schweiz hinaus», sagt Mathias Stauffacher, Generalsekretär der Konferenz der Rektoren der Schweizer Universitäten (CRUS). «Denn die Uni-Gebühren liegen in zahlreichen europäischen Universitäten tiefer.»

Stipendien-Vergabe kantonal höchst unterschiedlich

«Ausser einer Erhöhung der Semestergelder kann noch über die Verbesserung und Harmonisierung der Stipendienvergabe diskutiert werden», so Stauffacher, «da diese von einem Kanton zum anderen höchst unterschiedlich gehandhabt werden.»

Die Mehrzahl der Rektoren unterstütze nicht einmal den Vorschlag, von den ausländischen Studenten höhere Gebühren zu verlangen. Dies praktiziere zur Zeit nur die Universität der italienischen Schweiz, sagt Stauffacher.

«Wir möchten ja nicht, dass unsere Schweizer Studierenden dann ihrerseits im Ausland diskriminiert werden. Es darf ja nicht vergessen werden, dass der Austausch mit Studenten aus dem Ausland für die Weiterentwicklung der inländischen Universitäten immer bedeutend gewesen ist.»

swissinfo, Armando Mombelli
(Übertragen aus dem Italienischen: Alexander Künzle)

In der Schweiz gibt es 10 kantonale Universitäten, zwei Eidgenössische Technische und 7 Fach-Hochschulen.

Dem Bund unterstehen die beiden Polytechnika in Zürich und Lausanne und ein Teil der Fach-Hochschulen.

Die Universitäten unterstehen den Kantonen. Aber der Bund unterstützt sie mit rund 400 Mio. Franken.

Die Finanzierung ausländischer Studierender an Hoch- und Fachhochschulen soll nun im neuen Hochschulgesetz geregelt werden.

Der Ständerat hat am Dienstag diskussionslos eine Motion des Nationalrats überwiesen, die ein gerechteres System verlangt.

2004 waren rund 110’000 Studierende an den Schweizer Universitäten und Hochschulen immatrikuliert.
In den Fachhochschulen waren weitere 40’000 eingeschrieben.
23% der Studierenden kommen aus dem Ausland.
Die Uni-Semestergelder belaufen sich auf rund 1500 Franken pro Jahr.
Die jährlichen Kosten des terziären Bildungssektores belaufen sich auf rund 4,1 Mrd. Franken.

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