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Universität Zürich und ETH fördern «virtuellen Campus»

Student besucht eine virtuelle Vorlesung. Keystone

Die Universität Zürich und die ETH rüsten auf. Studierende sollen vermehrt übers Internet lernen. Jeweils gegen 50 Millionen Franken wollen die beiden Hochschulen in den nächsten Jahren dafür ausgeben.

Online-Universität heisst das Projekt an der Uni Zürich. Die Idee: Studierende sollen sich zuhause über Internet oder direkt an der Universität ins Computersystem einloggen, um an elektronischen Lehrveranstaltungen teilzunehmen oder Unterlagen herunterzuladen.

Eigens dafür wurde im letzten Herbst die Fachstelle für Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) gegründet. Aus ihr soll später ein multimediales Didaktikzentrum entstehen, sagt Marcel Schmid vom kantonalen Hochschulamt. Über 50 Mio. Franken will der Kanton dafür bis 2004 ausgeben. Bewilligt sind aber erst 6,5 Mio. für das Jahr 2000.

Von Diskussionsrunden bis Prüfungsvorbereitung

Bis Mitte August sammelt die Fachstelle Projekte, die ab 2001 starten sollen. Die Möglichkeiten seien vielfältig, sagt Mitarbeiter Peter Hassler: von Internetseiten, über die sich Dokumente herunterladen lassen, über Diskussionsforen bis zu Übungen und Prüfungsvorbereitungen durch elektronische Tests.

Doch bereits jetzt laufen an der Uni Zürich offiziell rund 30 Online-Projekte. Über die Hälfte davon wurden von Professoren in eigener Regie auf die Beine gestellt und nachträglich von der Uni unterstützt. Sie sind zum Teil mit einem speziellen Passwort auch für Aussenstehende zugänglich.

Die anderen Ideen wurden im Rahmen des nationalen Projekts «Virtueller Campus Schweiz» erarbeitet, an dem alle Schweizer Hochschulen teilnehmen. Die Hochschulkonferenz hat Ende Juni die ersten 27 Projekte bewilligt, an 13 ist die Universität Zürich beteiligt.

ETH will weltweit unterrichten

Die ETH Zürich nutzt seit Jahren die neuen Technologien und führt derzeit auch rund 30 internet-unterstützte Lehrveranstaltungen durch. Daneben arbeite man anAnimationen, neuen Übertragungstechniken für Vorlesungen und Internet-Video, sagt Jens Keller vom Network für Educational Technology (NET).

Die Projekte von NET sollen einst in «ETH-World» aufgehen, einem geplanten virtuellen Raum für Lehre, Forschung und Dienstleistung. Dadurch sollen unter anderem gemeinsame Lehrveranstaltungen mit Hochschulen weltweit möglich werden. Laut ETH-Sprecher Rolf Guggenbühl rechnet man dafür bis 2005 mit Kosten in ähnlichen Dimensionen wie die Universität.

An beiden Hochschulen ist man sich einig, dass die Internet- Projekte nicht Lehrveranstaltungen ersetzen, sondern ergänzen sollen. Diskussionsforen etwa sollen eine Vorlesung oder ein Seminar begleiten, sagt Hassler. Sie würden von Assistierenden moderiert, welche die zentralen Probleme der Studierenden herausfiltern und an die Professoren weitergeben. Dadurch würden die Dozenten entlastet.

Von Vorteil sei die Online-Uni aber auch für berufstätige Studierende und solche, die weit weg von der Hochschule wohnen. Aufgaben könnten jederzeit von zuhause aus empfangen und abgegeben werden. Und da eine Diskussion nicht live stattfinde, sondern über schriftliche Beiträge, sei die Teilnahme rund um die Uhr möglich.

Vor allem für Fächer mit Grossandrang

Notwendig sind die Internet-Projekte vor allem für Fächer mit grossem Andrang wie an der Uni etwa Medizin, Publizistik, Psychologie oder Rechtswissenschaft. In all diesen Fächern sind laut Hassler Angebote entweder schon am Laufen oder in Planung.

Zu spät kommen die Bemühungen hingegen für den erwarteten Studierenden-Ansturm ab 2002. Wegen der Verkürzung der Maturitätszeit kommen dann jeweils zwei Jahrgänge zur Matur. Die Uni Zürich rechnet mit 3000 bis 4000 zusätzlichen Studierenden. Um diese Menge mit Online-Projekten aufzufangen, sei die Zeit zu knapp, heisst es aus dem Prorektorat Lehre.

Denn auch wenn Hassler mit 50 bis 60 Projekten im nächsten Jahr rechnet, die andern rund 2000 Lehrveranstaltungen an der Uni Zürich laufen noch ohne Internet-Begleitung.

Projekte auch an anderen Schweizer Universitäten

Auch andere Schweizer Hochschulen arbeiten intensiv am Einbezug neuer Technologien in die Lehre, sei es mit eigenen Projekten oder in Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen.

Sehr aktiv ist die Universität Basel. Neben rund 50 internen Projekten habe sich die zuständige Fachstelle vor allem auf die didaktische Schulung und Beratung der Dozierenden im Zusammenhang mit Internet spezialisiert, sagte Stellenleiterin Gudrun Bachmann.

In Bern laufen vor allem in der medizinischen Fakultät seit einigen Jahren diverse Lernprogramme übers Netz. Und an der Universität Genf sind am Institut für Psychologie die neuen Lerntechnologien auch Forschungsobjekt.

Neben den eigenen Projekten arbeiten die Schweizer Hochschulen im Rahmen des Bundesprojekts «Virtueller Campus Schweiz» gemeinsame Ideen für internet-unterstützte Lehrveranstaltungen aus. Diesen Sommer wurden in einer ersten Tranche 27 Projekte gestartet.

swissinfo und Agenturen

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