Blatter kann aufatmen
Die FIFA wird die Bestechungs-Vorwürfe gegen ihren Chef Joseph Blatter nicht untersuchen. Darauf einigte sich das Exekutiv-Komitee am Samstag einstimmig.
Somalische Funktionäre hatten in der vergangenen Woche den Vorwurf erhoben, bei der Wahl des Schweizers Joseph Blatter zum Präsidenten des Fussball-Weltverbandes FIFA 1998 sei Schmiergeld geflossen. Das Exekutiv-Komitee lehnte nach mehr als zehn Sitzungs-Stunden an drei Tagen eine Untersuchung mit dem Hinweis ab, dass die Wahlen bereits 1999 juristisch untersucht und abgeschlossen worden seien.
Unklarheiten bei den Finanzen
Weiterhin bestehen jedoch Unklarheiten über die FIFA-Finanzen und die Massnahmen zur Prüfung. Ein sechsköpfiges Gremium unter Vorsitz des schottischen FIFA-Vizepräsidenten David Will wurde nach Blatters Angaben mit einer weiteren Prüfung der Bücher beauftragt. Allerdings besitze das Gremium nur begrenzte Befugnisse und müsse ihre Recherchen bis zum 30. April abgeschlossen haben, sagte der FIFA-Chef.
Erfolgreich wehrte sich der Schweizer damit gegen den Versuch der Opposition, auch das Präsidentenbüro untersuchen zu lassen. Dies könne nur der Kongress, nicht aber ein Ausschuss verfügen, argumentierte Blatter.
Den Exekutiv-Mitgliedern gab er zwei Wochen Zeit, um den Bericht der Finanz-Kommission zu studieren und gegebenenfalls eine weitere Sitzung der Exekutive anzufordern.
Blatter: «Es geht um meine Demontage»
Blatter drohte der Opposition unter Führung von UEFA-Präsident Lennart Johansson, er werde einen außerordentlichen Kongress einberufen, sollte die Führungskrise weiter eskalieren. Schon jetzt habe er von 54 Nationalverbänden einen dementsprechenden Antrag vorliegen. «Es geht in erster Linie um meine Demontage. Aber ich glaube, dass bei einigen das Bewusstsein zur Zusammenarbeit zurückgekehrt ist.»
Blatters Gegenspieler blieben am Samstag auf Konfrontationskurs. «Der Präsident spricht von Buchprüfung, für uns ist es eine Untersuchung», erklärte der Italiener Antonio Matarrese – und kündigte für die kommenden Wochen umfassende Aktivitäten an.
swissinfo und Agenturen
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