IOC gibt Startschuss, nun entscheidet das Volk
Bern ist weiter im Rennen für die Winterspiele 2010: Mit Österreich, Kanada und Südkorea ist die Schweiz "offizielle Kandidatin" des IOC.
Nächste Hürde ist am 22. September die Volksabstimmung im Kanton Bern. Ohne den 22,5 Millionen-Kredit sind die Spiele wohl vom Tisch.
Auf internationaler Ebene hat die Kandidatur «Berne 2010» noch drei Gegner: Salzburg (Österreich), Vancouver (Kanada) und Pyeongchang (Südkorea).
Den Bewerbern aus Sarajevo (Bosnien-Herzegowina), Jaca (Spanien), Harbin (China) und Andorra La Vella (Andorra) bleibt nach dem Entscheid des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)vom Mittwoch der Weg in die Endausscheidung durch die IOC-Vollversammlung im Juli 2003 in Prag verwehrt.
Für die Berner Promotoren beginnt damit jedoch die Arbeit erst. Nächste Hürde ist die Volksabstimmung im Kanton Bern, es geht um ein Kreditbegehren von 22,5 Mio. Franken.
«Bei einem Nein des Kantons Bern müsste das Projekt eingestellt werden», sagt Dres von Weissenfluh, Generaldirektor des Initiativ-Komitees. Einzige Ausnahme: Würde einer Nein-Mehrheit ein deutliches Ja der Austragungsorte gegenüberstehen, ginge man wohl noch einmal über die Bücher.
Ein Nein wäre aber in jedem Fall als Imageverlust zu verstehen, auch gegenüber dem IOC, erklärt von Weissenfluh. «Wir kämpfen nicht nur für die Kreditvorlagen, sondern auch für ein möglichst deutliches Ja, damit wir dem IOC zeigen können: Bern will olympische Winterspiele.»
Bern wäre das Zentrum
Ausgetragen werden sollen die Winterspiele nur zum Teil im Kanton Bern. Auch im Wallis, Waadtland, Freiburg und sogar in Graubünden sind Wettkämpfe vorgesehen.
Der Entscheid der Berner Bevölkerung ist wegweisend auch für das Engagement dieser anderen Kantone. Dort kommt das Geschäft zwar nicht vors Volk, doch werden Kreditvorlagen Ende Jahr den Kantonsparlamenten vorgelegt.
Bei all den verschiedenen Austragungsorten bliebe Bern das Zentrum, hier sind die sogenannten «Host Cities» geplant, das Olympische Dorf. Die Hälfte der insgesamt 1,5 Mio. Eintritte erwartet das Initiativ-Komitee laut von Weissenfluh im Kanton Bern, «600’000 in Bern für die Eissport-Events, 150’000 in Gstaad».
Dank Fusion zum Erfolg
«Berne 2010» – Am Anfang stand die Idee eines kleinen Event-Büros in Interlaken, welches eine Kandidatur für Olympische Winterspiele im Berner Oberland startete. Parallel dazu planten andere Leute die Kandidatur Montreux.
Bald beschlossen die Initianten zusammenzuspannen, um in der nationalen Ausscheidung bestehen zu können. Was dann auch gelang: Mitte 2001 sprach sich das nationale Olympische Komitee zur Überraschung vieler Fachleute für die Berner Kandidatur und gegen jene von Davos aus.
Zwei Jahre nach dem Scheitern der Kandidatur für Winterspiele 2006 in Sion war die Schweiz mit der Berner-Kandidatur also bereits wieder im Rennen. Begleitet allerdings von der noch frischen Erinnerung an die Enttäuschung der Walliser. Nachdem Juan Antonio Samaranch in Seoul den Wahlsieger Turin ausgerufen hatte, waren mancherorts Tränen geflossen.
Gegner machen mobil
Gegner der Bern-Kandidatur kritisieren gerade diese kurze Zeitspanne, die zwischen den beiden Bewerbungen liegt. An einer Präsentation des Nein-Komitees «Berne 2010» sagte der Mundart-Rocker Polo Hofer, dass er nicht daran glaube, dass die Olympischen Winterspiele vier Jahre nach Turin 2010 schon wieder in den Alpenraum vergeben würden.
Auch bei den Finanzen ortet das Komitee Zündstoff. Die Winterspiele seien «ein finanzielles Risiko mit Absturzgefahr». Der finanzschwache Kanton Bern dürfe dieses nicht eingehen. Tatsächlich sind allein die 130 Mio. Franken des Investitionsbudgets (für die Infrastruktur) noch zu keinen Teilen gedeckt, wie Dres von Weissenfluh bestätigt.
Ebenfalls offen ist, wie hoch die Standortkosten für die Sicherheits-Vorkehrungen sein würden, welche das Gastgeberland selber übernehmen muss. SP-Nationalrätin Ursula Wyss warnte, dass die Sicherheits-Aufwendungen in Salt Lake City 500 Mio. Dollar gekostet hätten.
Initianten setzen auf private Investoren
Einen Grossteil der finanziellen Mittel für die Investitionen wie auch für das Aktienkapital zur Absicherung eines Defizits erhoffen sich die Initianten von der Wirtschaft. Bei der Expo.02 hat die Finanzierung durch private Investoren nicht funktioniert, doch bei der Olympia-Kandidatur präsentiere sich die Situation anders, meint von Weissenfluh.
Bei einem Entscheid für «Berne 2010» sichere das IOC 900 Mio. Franken für die Durchführung vertraglich zu. Dies sei eine andere Ausgangslage für die Wirtschaft, mit deren Exponenten man jetzt tagtäglich in Verhandlungen stehe.
Weitere Hürden
Nun gilt es also die Hürde der Berner Abstimmung zu meistern: der Beschluss zu den 15 Mio. Franken aus dem kantonalen Sportfonds für den Ausbau der Eissportanlagen sowie zu den 7,5 Mio. Franken für die Durchführung. Den definitiven Entscheid über den Austragungsort für die Winterspiele 2010 fällt das IOC am 2. Juli 2003 in Prag.
Kathrin Boss Brawand
1999: Kandidatur «Sion 2006» scheitert
2001: Nationales Olympisches Komitee wählt Kandidatur «Berne 2010»
22. Sept. 02: Volksabstimmung im Kanton Bern zu Kredit für «Berne 2010»
Ende 2002: Diverse Kantonsparlamente entscheiden über Kreditvorlagen
2. Juli 2003: IOC entscheidet über Austragungsort der Winterspiele 2010
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