Liberale Partei
Der Waadtländer Claude Ruey, Parteipräsident und Nationalrat der Liberalen Partei der Schweiz (LPS), erklärt, was seine Partei für Schweizerinnen und Schweizer im Ausland unternimmt.
swissinfo: Was kann die LPS den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern bieten?
Claude Ruey: Wir betrachten die Auslandschweizer als Vollbürger. Wir sind froh, dass eine gewisse Anzahl Schweizer im Ausland lebt und durch ihre Aktivitäten unser Land repräsentiert.
Wir schlagen vor, dass die jungen Auslandschweizer, die bei uns studieren oder sich weiterbilden, von gewissen Erleichterungen profitieren sollen.
Wir sind der Meinung, dass die Rückführung von Renten, wie die IV oder die AHV, für Auslandschweizer garantiert sein muss; ohne unsere Unterstützung wären sie möglicherweise gefährdet.
swissinfo: Wie aktiv richtet sich Ihre Partei an Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer?
C.R.: Der Alt-Ständerat der Liberalen Partei, Louis Guisan, war Präsident der Fünften Schweiz. Unser ehemaliger Präsident, Nationalrat Jacques-Simon Eggly, ist Vizepräsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO). Viele Liberale leben im Ausland.
Am Kongress der Auslandschweizer sind wir als Partei vertreten. Unsere Kantonalparteien oder auch die nationale Partei schicken den Bürgern im Ausland regelmässig ihren Newsletter.
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Fünfte Schweiz
swissinfo: Wie wichtig als Wählende sind die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer für die LPS?
C.R.: Es gibt nicht wenige Auslandschweizer, die wie wir für Werte wie Freiheit, Verantwortung und Öffnung einstehen.
Die Auslandschweizer und die Liberalen haben eine gemeinsame Vision einer Schweiz, die in der Welt präsent sein muss; viele Auslandschweizer unterstützen uns.
swissinfo: Wie steht die LPS gegenüber der Idee, dass die über 600’000 Personen im Ausland quasi als virtueller Kanton eigene Abgeordnete im Parlament stellen könnten?
C.R.: Wir glauben, dass die Verbindung mit der Gemeinde nicht nur eine künstliche ist. Es ist eine wertvolle Verbindung mit der schweizerischen Wirklichkeit.
Die Idee zur Bildung eines virtuellen Kantons aus Auslandschweizern verschiedener Länder der Welt wäre ein etwas künstlicher Zusammenschluss und bliebe bloss ein Wahlkreis; ein Kanton hingegen ist ein Staat mit einer Regierung und einem Parlament, verankert in einem soliden Fundament.
swissinfo: Welches Bild der Schweiz will Ihre Partei dem Ausland vermitteln?
C.R.: Es ist das Bild einer offenen, mehrsprachigen, kontrastreichen Schweiz, die bereit ist, für Minderheiten einzustehen und verschiedene Identitäten mit ihren Besonderheiten zu verteidigen, einer Schweiz, die eng verbunden ist mit der demokratischen Kultur und die der Wahrung der Menschenrechte verpflichtet ist.
Es ist das Bild eines Landes, das seine Vielfalt kultiviert und Dynamik und Kreativität unter Beweis stellt.
swissinfo-Interview: Olivier Pauchard
(Übertragen aus dem Französischen: Christine Fuhrer)
Die Liberale Partei der Schweiz (LPS) hat ihre Wurzeln in der grossen liberalen Bewegung des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1830 war sie die erste Partei, der es gelang, die konservativen Kräfte der Restauration zurückzudrängen.
Doch die LPS hat in der Folge an Einfluss verloren zu Gunsten anderer Zusammenschlüsse, die aus der Partei entstanden waren, namentlich der Freisinnigen (FDP).
Heute ist die Liberale Partei in den protestantischen Kantonen der französischen Schweiz (Genf, Waadt und Neuenburg), wie auch in Basel autonom geblieben. Anderswo wurde sie in die FDP eingegliedert.
Die LPS stellt die sechste politische Kraft in der Schweiz dar. Sie ist in den Regierungen oder Parlamenten der erwähnten Kantone vertreten. Im eidgenössischen Parlament hat sie vier Vertreter.
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