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Menschliche Entwicklung

Trotz ihres idyllischen Image ist die Schweiz in Sachen Lebensqualität nicht mehr unter den Top Ten. Despite its idyllic image, Switzerland ranked behind Norway, Canada and Belgium (pic: swiss image)

Die Schweiz gehört wie die EU-Staaten, die USA und Australien noch immer zu den Ländern mit den besten Lebensumständen. Schlimm sieht es im südlichen Afrika aus.

Dies geht aus dem diesjährigen «Bericht zur menschlichen Entwicklung» hervor, der vom UNO-Entwicklungsprogramm (UNDP) zusammengestellt wird. Der Bericht 2002 umfasst wie jedes Jahr eine Rangliste von 173 Ländern.

Zur Berechnung der Rangliste nutzt die UNO neben dem Pro-Kopf-Einkommen andere Faktoren wie den Bildungsgrad der Bevölkerung, die Gleichstellung der Geschlechter, Ernährung, Zugang zu Wasser und die Lebenserwartung.

Die Schweiz liegt auf dieser Liste wie im Vorjahr auf Rang 11. Auf dem Spitzenplatz liegt Norwegen, gefolgt von Schweden, Kanada, Belgien, Australien und den USA. Die 15 EU-Staaten finden sich alle unter den ersten 28. Die 24 Länder, die am schlechtesten abschneiden, liegen alle im südlichen Afrika, auf dem letzten Platz Sierra Leone.

Schweiz abgerutscht – nichts Dramatisches

Unter den Industriestaaten verbesserten sich im Vergleich zu 1990 Norwegen, Schweden und Australien gleich um mehrere Ränge. Die USA, Frankreich und Island rutschten gegenüber 1990 um je vier Ränge nach hinten, Japan um fünf und die Schweiz um sechs.

Dass die Schweiz auf den 11. Rang zurückgefallen sei, dürfe nicht überbewertet werden, alle Länder der Spitzengruppe hätten vergleichsweise gut abgeschlossen, erklärt Jean Fabre, Vize-Direktor des UNDP in Genf. Denn der «Stand der menschlichen Entwicklung in der Schweiz ist sehr hoch», sagt Fabre weiter.

Gewisse Faktoren, die für die Rangliste miteinbezogen wurden, hätten die Schweiz «bestraft» – etwa bei der Bildung, wo die Schweiz sich mit ihrem System der Berufs-Lehren ziemlich stark von den andern unterscheide.

Fortschritte in Asien, Rückschritt im Osten



Die grössten Fortschritte seit 1990 machte China mit 14 Plätzen. Aber auch andere asiatische Länder legten zu: Malaysia um 12 Ränge, Süd-Korea und Singapur um 8 sowie Thailand um 6. In Südamerika rutschten Chile, Costa Rica und Panama um je fünf Ränge nach oben.

Schlecht sieht es hingegen in vielen Ländern im Osten aus, bei denen der Übergang zur freien Marktwirtschaft einen hohen Tribut forderte. So fielen Russland und die Ukraine um 20 Plätze zurück, Moldawien und Tadschikistan sogar um 30 oder mehr. Nur Polen und Ungarn trotzten dem Trend und stiegen um 5 bzw. 8 Ränge nach oben.

Insgesamt liegt das Pro-Kopf-Einkommen heute bei 60 Staaten tiefer als noch 1990. In 26 Ländern, darunter Saudi-Arabien, Bolivien und Jamaica fiel es sogar unter den Wert von 1980.

Demokratie-Schwung weg

Ein Schwerpunkt des Berichts ist die Frage der Demokratisierung. Die demokratische Bewegung der 80er und der 90er Jahre habe ihren Schwung verloren, schreiben die Autoren. Die Zahl autoritär regierter Staaten nehme wieder zu. Dieser Trend werde auch vom Kampf gegen den Terrorismus begünstigt.

Viele Länder bewegten sich wieder rückwärts – hin zu autoritären Regierungsformen mit sozialen und wirtschaftlichen Spannungen, heisst es in dem Bericht. Dies gelte für einige Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, aber auch für Pakistan, Burma oder Simbabwe.

Die seit Jahren immer wieder gehörte Einschätzung, dass nicht-demokratische Regimes zu rascherer wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung führen, lässt der UNDP-Bericht so nicht länger gelten. Demokratische Staaten könnten tendenziell besser mit Unruhen und politischen Konflikten umgehen und führten auch viel weniger Kriege gegeneinander. (s. Link)

Was muss ändern?

Der Bericht weist auch darauf hin, dass eine Grosszahl von Staaten ihre Ziele im Entwicklungsbereich nicht erreichten. Ein grosses Defizit habe die Weltengemeinschaft auch beim Kampf gegen den Hunger, halten die UNDP-Autoren fest.

Und: «Dass gehandelt werden muss, ist klar. Was noch fehlt ist der Wille, so zu handeln, dass die Demokratie gefördert, die Entwicklung vorangebracht und die menschlichen Freiheiten überall auf der Welt ausgeweitet werden.»

Dazu gehörten nicht nur eine Erhöhung der Finanzen im Entwicklungsbereich, sondern auch Veränderungen in der Politik. So müsse man zum Beispiel viel mehr in Bildung investieren.

Die Entwicklung habe sich zu stark auf die Wirtschaft und die Märkte konzentriert, erklärte der UNDP-Leiter Mark Malloch-Brown. Man habe die politische Dimension vergessen.

Der Aufruf des UNDP nach mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Transparenz richtet sich nicht nur an Staaten, sondern auch an internationale Institutionen wie die Welthandels-Organisation WTO, die Weltbank und an den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Rita Emch

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