Neue humanitäre Konferenz in Genf
Experten und Staatsvertreter aus rund 30 Ländern treffen sich am Mittwoch in Genf, um die humanitäre Krise im Irak zu besprechen. Wie die erste Konferenz im Februar hat das Schweizer Aussenministerium das Treffen einberufen.
Diesmal wollen auch die USA daran teilnehmen.
Der Vorsitzende der Konferenz, Toni Frisch, Leiter der Abteilung Humanitäre Hilfe der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), sagt gegenüber swissinfo, dass die Gespräche hinter geschlossener Türe stattfinden werden. Besprochen werden soll die konkrete Umsetzung der humanitären Hilfe in Irak.
Damit soll der Dialog zwischen den Nachbarstaaten Iraks, den humanitären Organisationen und den wichtigsten Geberländern fortgeführt werden.
USA wollen kommen
Das kommende Treffen ist eine Nachfolgekonferenz der von Aussenministerin Calmy-Rey initiierten Zusammenkunft von Mitte Februar. Damals hatten die USA ihre Teilnahme verweigert, diesmal wollen sie mit dabei sein. An der ersten Konferenz war die sogenannte «Humanitarian Issue Group Iraq» gegründet worden, die jetzt das erste Mal zusammen tritt.
Das Mitmachen der USA beurteilte die DEZA positiv. Es sei zu begrüssen, dass Staaten, die an der militärischen Intervention beteiligt und in die humanitäre Situation involviert seien, an dem Treffen teilnehmen, lässt die DEZA verlauten.
Helfer und Soldaten müssen getrennt bleiben
Eine allzu enge Kooperation mit den kriegsführenden Parteien steht jedoch für die DEZA ausser Frage. «Man kann nicht zuerst Bomben abwerfen und dann Nahrungsmittel verteilen», sagt Frisch. Eine mögliche Lösung sieht er in der Einrichtung humanitärer Korridore, die von den amerikanischen und britischen Truppen bewacht würden.
Bisher war es für unabhängige Hilfswerke zu gefährlich, im Landesinnern zu arbeiten. Ausser dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mussten alle Organisationen ihre Mitarbeiter zurückziehen. Fürs IKRK arbeiten noch 10 Repräsentanten und 100 lokale Mitarbeiter im Irak. Möglicherweise könnte an der Konferenz entschieden werden, die IKRK-Belegschaft aufzustocken, sagt Frisch vom DEZA.
Schweizer Hilfswerke bereit
«In der Schweiz sind Teams bereit, sofort in die Flüchtlingslager um den Irak zu reisen, sobald das notwendig wird», sagt Karl Schuler, Informations-Beauftragter des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) gegenüber swissinfo.
Auch das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen (HEKS) kann noch nicht in Irak selber arbeiten. «Als Hilfswerk ist das Arbeiten im Irak noch nicht möglich», erklärt Kommunikationschefin Bruna Fossati. «Solange das Militär nicht sicheres Geleit garantiert, können wir nicht rein», sagt sie und fordert damit humanitäre Korridore.
Beide Hilfswerke betonen die Wichtigkeit, dass sie ihre Hilfsgüter selber oder mit ihren lokalen Partnern, aber keinesfalls via die kriegsführenden Truppen verteilen wollen.
Von der Konferenz erhofft sich SRK-Sprecher Schuler vor allem eine hohe Qualität. «Wir hoffen, dass diese zweite Konferenz, gleich wie die erste, ein Expertentreffen wird und nicht die Politik im Vordergrund steht.»
Flüchtlinge in den Anrainer-Staaten
An der Konferenz in Genf werden auch die Nachbar-Staaten des Iraks teilnehmen. In Iran, Syrien und der Türkei wurden bereits Flüchtlingslager aufgestellt. «Bisher kamen erst wenige Flüchtlinge über die Grenzen, aber wir mussten uns auf ein Worstcase-Szenario vorbereiten», weiss SRK-Sprecher Schuler.
Auch das Schweizerische Arbeiterhilfswerk rechnet noch mit einer Flüchtlingswelle. «Die Lage ist momentan noch sehr chaotisch, viele Menschen haben verstört ihre Dörfer verlassen und sind in der Region versprengt», beurteilt Kommunikationsleiterin Marianne Roth die Lage im Nordirak. Mobile Teams der norwegischen Partnerorganisation NPA versuchten, diese Menschen zu erreichen und medizinisch zu versorgen.
Auch sei ein Flüchtlingslager geplant. «Aber bevor wir die Zelte aufstellen können, müssen wir die Minen wegräumen», sagt Roth.
swissinfo
Am Mittwoch treffen sich Vertreter von rund 30 Ländern und 20 NGO in Genf. Diskutiert wird die humanitäre Krise in Irak. Geleitet wird sie von der DEZA.
Die erste Konferenz Mitte Februar wurde von Aussenministerin Calmy-Rey einberufen. Diesmal wollen sich die USA nicht verweigern.
Noch können unabhängige Hilfswerke nicht in Irak arbeiten. Einzig das IKRK hat noch 10 ausländische Mitarbeitende vor Ort.
Die NGO rechnen mit einer Flüchtlingswelle aus dem Irak. Sie richten Flüchtlingslager in den Nachbarstaaten ein.
Wichtig ist für alle Hilfswerke, dass sie ihre Hilfsgüter selber verteilen und nicht etwa den Amerikanern oder Briten übergeben.
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