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Powell wenig überzeugend

UNO-Waffeninspektoren untersuchen eine irakische Militäranlage. Keystone

Schweizer Experten reagieren skeptisch auf Colin Powells Auftritt vor dem UNO-Sicherheitsrat.

Der Schweizer UNO-Botschafter Jenö Staehelin glaubt nicht, dass sich die Positionen wesentlich verschoben haben.

Nach der Rede von US-Aussenminister Colin Powell sei Irak nun «klar gefordert, kooperativer zu sein», sagte der Schweizer UNO-Botschafter Jenö Staehelin in New York.

Powell habe «sehr ausführlich irakische Verletzungen der UNO-Resolutionen dargelegt». Wie diese im Detail zu interpretieren seien, müsse jetzt von Experten analysiert werden. Auch die Inspektoren unter Hans Blix und Mohamed el Baradei seien nun gefordert.

Er habe jedoch nicht den Eindruck, dass sich die Positionen im Sicherheitsrat aufgrund von Powells Rede unmittelbar wesentlich verschoben haben.

Keine globale Bedrohung

Schweizer Militärexperten sind davon überzeugt, dass ein Waffengang gegen den Irak nicht durch globale Sicherheitsgründe gerechtfertigt werden kann.

«Irak stellt mit Sicherheit eine Bedrohung für seine Nachbarstaaten dar, jedoch nicht für die ganze Welt», ist Albert Stahel überzeugt. Der Politologe und Militärstratege von der ETH Zürich hält die Rede von Colin Powell für wenig gehaltvoll.

Vor allem habe sie zu wenig Beweise geliefert, die einen Krieg rechtfertigen würden. «Die Bilder waren interessant, aber die ganze Präsentation glich einem Public-Relations-Anlass ohne wichtige Informationen.»

Irak militärisch geschwächt

Auch die Waffenexperten des AC Labors Spiez, der schweizerischen Fachstelle für atomare, biologische und chemische Waffen, relativieren das irakische Bedrohungspotential.

Heiner Staub, ehemaliger UNO-Waffeninspektor im Irak, gibt sich in einem Gespräch mit dem «Tages Anzeiger» überzeugt, dass die jahrelangen Sanktionen und die vorangegangenen Waffeninspektionen den Irak militärisch stark geschwächt haben.

Der Irak habe weder Fabriken noch die Infrastruktur zur Produktion von Nuklearwaffen. Auch seien bis 1998 alle biologischen und chemischen Waffen, sowie deren Wirkstoffe und Produktions-Einrichtungen zerstört worden.

«Ein Argument für einen Krieg gibt es nicht. Irak stellt keine Bedrohung für Amerika dar.»

Krieg unausweichlich

Militärstratege Stahel und Waffenexperte Staub halten einen Krieg dennoch für unvermeidlich.

Stahel geht davon aus, dass die USA nun versuchen werde, die Veto-Mächte China, Russland und Frankreich von der Notwendigkeit einer neuen UNO-Resolution zu überzeugen, um den Militärschlag gegen den Irak international zu legitimieren.

Ohne neue Resolution werden sich die USA für einen Alleingang entscheiden.

swissinfo mit Agenturen

UNO-Sicherheitsrat

Ständige Mitglieder mit Vetorecht: China, Frank-reich, Grossbritannien, Russland, USA

Temporäre Mitglieder bis Ende 2003: Bulgarien, Guinea, Kamerun, Mexiko, Syrien

Temporäre Mitglieder bis Ende 2004: Angola, Chile, Deutschland, Pakistan, Spanien

Abstimmungsprozedere

Jedes Land hat eine Stimme. Für wichtige Entscheidungen sind 9 der 15 Stimmen erforderlich, inklusive aller 5 Stimmen der Ständigen Mitglieder.

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