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Umstrittener Friedenspreis

Michail Gorbatschow spricht an der Übergabe des Demiurgus Friedenspreises in Zug. Keystone

Unter dem Patronat des früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow ist in Zug ein zweifelhafter Friedenspreis verliehen worden.

Zu den Preisträgern gehörte – unter anderen – der nicht anwesende russische Präsident Putin.

Die Zeremonie zur Verleihung des «Demiurgus-Friedenspreis» war umstritten, weil die Zuger Firma Nuclear Disarmament Forum (NDF) hinter dem Preis steht. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte im Vorfeld der Preisverleihung kritisiert, es handle sich bei der NDF um eine Organisation, welche die Interessen der Atomwirtschaft vertrete.

Dem russischen Präsideten Wladimir Putin wurde beispielsweise der Preis für seine Bemühungen auf dem Gebiet der atomaren Abrüstung verliehen. Kritiker wiesen darauhin auf Putins Rolle im Tschetschenien-Konflikt hin.

Die Zuger Kantonsregierung war zur Preisverleihung eingeladen. Sie distanzierte sich formell vom Anlass. So sagte der Zuger Polizeidirektor und Landamman Hanspeter Uster in der Neuen Zuger Zeitung, dass er öffentlich gegen den Krieg in Tschetschenien Stellung bezogen habe. Nun gehe er doch nicht an eine Friedenspreis-Verleihung für Putin.

Putin abwesend

Der russische Präsident selber war an der Verleihung nicht zugegen. Stellvertretend für Putin nahm der russische Botschafter in der Schweiz den Preis entgegen. Der Geehrte erhielt jedoch vom ehemaligen sowjetischen Präsidenten Gortbatschow Unterstützung.

Gorbatschow, Ehrenpräsident des Demiurgus Friedenspreises, meinte, man müsse sehen, dass die Bemühungen um nukleare Abrüstung in Russland unter dem früheren Präsidenten Jelzin praktisch zum Stillstand gekommen seien. So sei es tatsächlich den Bemühungen Putins zu verdanken, wenn auf diesem Gebiet wieder etwas laufe.

«Ich selber gehöre der Jury, welche die Preisträger auswählt nicht an», sagte Gorbatschow. Aber mit deren Entscheidungen sei er voll einverstanden.

Nebst Putin wurde auch der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu ausgezeichnet. Dann der amerikanische Medienmogul Ted Turner und Prinzessin Elisabeth von Jugoslawien.

Atommüll verwerten

Laut Angaben im Handelsregisteramt des Kantons Zug, beschreibt die für den Preis verantwortliche Aktiengesellschaft Nuclear Disarmement Forum ihren Zweck unter anderem folgendermassen: «Schaffung eines internationalen Forums mit Sitz in der Schweiz zur Förderung der weltweiten nuklearen Abrüstung, insbesondere durch die zivile Nutzung der spaltbaren waffenfähigen Materialien sowie Beteiligung an Gesellschaften mit gleicher oder ähnlicher Zielsetzung.»

Firmensprecher Ueli Glausen sagt in einem Interview mit dem Zürcher Tages-Anzeiger: «Die NDF hat mit Wissenschaftlern aus ganz Europa ein Verfahren entwickelt, wie man aus Atommüll aus der russischen Waffenindustrie Brennstäbe herstellt, die in westlichen Atomkraftwerken verwertet werden können. Unser Ziel ist es, dieser Technik zum Durchbruch zu verhelfen.»

Doch der Gründer der NFD, Franz Hoop, der heute in der Firma keine Funktion mehr ausübt, musste zugeben, dass zur Zeit in Russland keine Anlage bestehe, um Waffenplutonium in so genannte MOX-Brennelemente umzuarbeiten.

Für Greenpeace Lobby für Atomwirtschaft

Für die Umweltorganisation Greenpeace geht es denn bei den Aktivitäten des NDF auch nicht um Frieden und Abrüstung, sondern um die Wahrung der Interessen der schweizerischen und europäischen Atomwirtschaft.

So vermutet Eva Geel, die Sprecherin von Greenpeace Schweiz gegenüber swissinfo, dass das ganze Projekt eine Tarnung sei. «Die Firma will gefährliches nukleares Material durch Europa schleusen, um es dem internationalen Terrorismus zu entziehen. Aber gerade das Herumschieben des Plutoniums erhöht die Gefahr, dass es in falsche Hände gelangt.»

Dazu komme, dass westliche Länder, auch die Schweiz , hier eine Möglichkeit schaffen, um gebrauchtes Plutonium zur Endlagerung nach Russland zurücksenden.

Greenpeace findet deshalb, statt unter dem Deckmantel des Friedens und der Abrüstung mit Waffenplutonium zu handeln, solle das Material besser gleich direkt entsorgt werden.

swissinfo, Mark Ledsom und Agenturen

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