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CH/SBV Q3: Umsatz im Bauhauptgewerbe steigt um 1,6% gg VJ (AF)

(Meldung neu gefasst und mit Reaktionen ausgebaut)
Bern (awp/sda) – Die Schweizer Bauunternehmen melden Rekordumsätze und gut gefüllte Auftragsbücher. Die Ertragslage sei jedoch wegen des Preiskampfes unbefriedigend.
In den letzten Jahren habe sich im Bauhauptgewerbe ein teilweise ruinöser Preiswettbewerb entwickelt, schreibt der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) in einem Communiqué vom Mittwoch.
Grund seien nicht Überkapazitäten, sondern die sehr hohe Zahl von Anbietern. Trotz ungenügender Margen blieben Firmen im Markt, weil sie etwa das Eigenkapital nicht marktüblich verzinsten oder ihre Erträge vorwiegend in anderen Betriebszweigen erwirtschafteten.
Laut einer Umfrage des Verbandes weist ein Fünftel der Unternehmen bei den Baudienstleistungen Verluste mit einem effektiven Geldabfluss aus. 40 Prozent erarbeiteten praktisch keinen Ertrag. 14% erwirtschafteten einen genügenden Ertrag und nur knapp ein Viertel könne sich eines Ertrags von mehr als 4% erfreuen.
Mit dem Verweis auf tiefe Margen dämpften die Baumeister die Lohnforderungen der Gewerkschaften. Sie offerieren für 2011 eine Lohnerhöhung von 1%, wovon 0,6% generell entrichtet werden sollen. Die Gewerkschaften Unia und Syna forderten hingegen 150 CHF mehr Lohn pro Monat. Bei einem durchschnittlichen Lohn entspräche dies einer Erhöhung von rund 2,7%.
Gegenwärtig läuft eine Umfrage unter den Bauleuten, ob sie mit der Offerte der Arbeitgeber zufrieden sind. Einige tausend Fragebögen seien bisher retourniert worden, sagte Rolf Beyeler von der Unia. Dabei zeige sich ein deutlicher Trend zur Ablehnung des Angebots hin zu einer weiteren Verhandlungsrunde.
Diese lehnt der Baumeisterverband ab. Er will zwar noch das definitive Umfrageergebnis abwarten, um die Verhandlungen als «offiziell gescheitert» zu bezeichnen. SBV-Zentralpräsident Werner Messmer sieht aber praktisch keine Chance mehr auf eine Einigung.
Auch wenn die Verhandlungen scheitern sollten, sind Streiks kein Thema: Bis Ende 2011 sind die Arbeitnehmer vertraglich an die absolute Friedenspflicht gebunden, die Proteste untersagt.
Die geschäftlichen Perspektiven der Unternehmen sind weiterhin positiv: Die Auftragsbücher seien mit rund 11,7 Mrd CHF (+1,1%) gut gefüllt, teilte der SBV mit. Es mehrten sich die Anzeichen, dass die Bauwirtschaft im nächsten Jahr mit hohen Umsätzen rechnen dürfe.
Die Budgetrestriktionen des Bundes sowie das Auslaufen der Konjunkturprogramme würden die Bautätigkeit der öffentlichen Hand nur wenig bremsen.
Dieser Rückgang dürfte grösstenteils durch den wieder anziehenden Wohnungsbau aufgefangen werden. Die Zahl der im Bau befindlichen Wohnungen sei mit 67’000 CHF so hoch wie nie seit Messbeginn im Jahr 2004. Möglicherweise lasse auch die Wirtschaft wieder mehr bauen.
Im dritten Quartal 2010 verbuchten die Bauunternehmen mit 5,5 Mrd CHF Umsatz einen Rekord. Das Wachstum hat sich allerdings von +7,7% im dritten Quartal 2008 und +6,1% im dritten Quartal 2009 auf +1,6% verlangsamt.
Wohnungsbau (-2,2%) und Wirtschaftsbau (-5,3%) entwickelten sich rückläufig. Insgesamt nahm der Hochbau um 3,4% ab. Dies wurde vom Tiefbau (+6,5%) aber mehr als kompensiert.
Die Zahl der Vollzeitstellen im Bauhauptgewerbe nahm gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um 1,6% auf rund 85’000 zu. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2004. Bei der Personalrekrutierung gebe es Engpässe, insbesondere bei Fachkräften.
tp

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