Cleo, Tim und Lupo schulen Zürich für sichere Hundebegegnungen
Das Veterinäramt des Kantons Zürich hat im vergangenen Jahr 860 Fälle registriert, in denen Hunde Menschen bissen. Besonders häufig betroffen von Hundebissen sind Kinder. Nun startet der Kanton Zürich die neue Präventionskampagne "Hunden sicher begegnen" - mit Cleo, Tim und Lupo.
(Keystone-SDA) Die Hitze ist an diesem Freitagmorgen, kurz vor 10 Uhr, schon deutlich zu spüren. Neun Hunde liegen unter den grossen Bäumen im Platzspitz-Park, angeleint, teils auf Decken. Sie hecheln trotz des Schattens, wirken aber entspannt und warten zusammen mit ihren Hundeführerinnen auf ihren Auftritt.
Die Hunde sollen den Medienschaffenden live zeigen, worum es bei der neuen Präventionskampagne «Hunden sicher begegnen» des Kantons Zürich geht: Die Bevölkerung soll lernen, Alltagssituationen mit Hunden richtig einzuschätzen und sich sicher zu verhalten. Damit setzt das Veterinäramt den Präventionsauftrag um, den es gemäss kantonalem Hundegesetz hat.
860 gemeldete Bisse
Im Kanton Zürich leben knapp 70’000 Hunde. Das seien rund 14’000 Hunde mehr als noch vor 10 Jahren, betonte Gesundheitsvorsteherin Natalie Rickli (SVP), deren Direktion das Veterinäramt angegliedert ist.
Die allermeisten Begegnungen zwischen Tier und Mensch verlaufen friedlich. Dennoch wurden dem Veterinäramt im vergangenen Jahr 860 Beissvorfälle gemeldet. Kinder sind besonders gefährdet. Sie werden nicht nur häufiger gebissen, die Verletzungen sind oft auch schwerwiegender. In den Jahren zuvor nahm die Zahl der Hundebisse stets zu. «2025 aber verzeichneten wir einen leichten Rückgang», sagte Kantonstierarzt Lukas Perler.
Dies sei einerseits auf die Hundeausbildung zurückzuführen, so Perler. Aber auch auf die Anstrengungen des Kantons. Nachdem in Oberglatt 2006 ein sechsjähriger Junge von Pitbulls totgebissen wurde, sagte das Stimmvolk 2008 Ja zum Kampfhundeverbot. Anfang 2025 erliess der Regierungsrat nach zwei schweren Vorfällen ein Rottweilerverbot. «In anderen Kantonen nimmt die Zahl der Beissvorfälle weiter zu», sagte Perler.
Prävention wird ausgeweitet
Im Rahmen der Prävention führt das Veterinäramt seit 2010 in Kooperation mit dem Zürcher Hundeverband in Kindergärten und der Unterstufe Präventionskurse durch. Diese hätten sich in der Praxis bewährt, betonte Perler. 2025 wurden beispielsweise 295 Kurse durchgeführt, an denen 5900 Kinder teilnahmen.
Die Kampagne, die das Veterinäramt neu lanciert, richtet sich nun an die gesamte Zürcher Bevölkerung, insbesondere auch an Menschen mit Angst vor Hunden.
Animierter Erklärfilm
Im Zentrum der Kampagne stehen Cleo, Tim und der Hund Lupo. Cleo und Tim sind künstlich erzeugte Figuren, Lupo wurde von einem Zürcher Illustrator gezeichnet. Die drei vermitteln der Bevölkerung die neun Regeln für den sicheren Umgang mit Hunden anhand einer kindgerecht gestalteten Broschüre und eines animierten Erklärfilms. Die neue Kampagne wird nun auch in die Präventionskurse an den Schulen integriert.
«Der sichere Umgang mit Hunden soll zur Erziehung gehören, ähnlich wie das sichere Überqueren einer Strasse», betont das Veterinäramt. Begleitet wird die Präventionskampagne von Plakaten im ganzen Kanton sowie später von Kinowerbung.
Sowohl Rickli als auch Perler betonten, dass die Verantwortung dafür, dass ein Hund niemanden gefährdet, erschreckt oder gar beisst, bei den Hundehalterinnen und Hundehaltern liege. Jeder könne aber dazu beitragen, sein persönliches Risiko, von einem Hund gebissen zu werden, verringern.
Neun einfache Regeln
An diesem Morgen stehen aber noch nicht Cleo, Tim und Lupo im Zentrum, sondern die Vierbeiner Kiva, Madox und Co. Gemeinsam mit ihren Halterinnen demonstrieren sie anhand von drei von insgesamt neun einfachen Regeln, wie man sich Hunden gegenüber richtig verhält.
Bei Regel Nummer zwei, die zeigt, wie man sich verhalten soll, wenn ein Hund etwas wegnehmen will, beteiligt sich auch Regierungsrätin Natalie Rickli an der Demonstration. Die Botschaft der Regel lautet: «Lass den Gegenstand zu Boden fallen, bleib ganz ruhig und schau dem Hund nicht in die Augen.»
Man könne von den Hundehaltern oder der Hundehalterin durchaus verlangen, dass der Gegenstand ersetzt werde, sagt Rita Eppler vom Zürcher Hundeverband. Auch ein Glace. Bei Regierungsrätin Rickli ist es an diesem Morgen ein Plüschtier. Der Hund zeigt daran allerdings wenig Interesse. Er schnappt sich das am Boden liegende Plüschtier der Person nebenan. Und hüpft vergnügt damit davon.
www.hundenbegegnen.ch