Coronavirus: die Situation in der Schweiz

Pflegende im Lausanner Universitätsspital bereiten einen Covid-19-Patienten für den Transport per Helikopter ins Inselspital Bern vor. Keystone / Jean-christophe Bott

Das Bundesamt für Gesundheit hat heute 9751 neue Fälle gemeldet. Damit liegt der 7-Tage-Schnitt bei 4285. Das sind 26 Prozent weniger als in der Vorwoche. Der Trend ist derzeit rückläufig.

Dieser Inhalt wurde am 23. November 2020 - 10:52 publiziert
swissinfo.ch, mit SRF und SDA

Neuste Entwicklungen

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  • Für die Weihnachtsfeiern sollen gemäss Informationen des Bundes folgende Massnahmen gelten: Kontakte zwei Wochen vorher reduzieren, Geschenke frühzeitig kaufen, nur mit zwei Familien feiern.
  • "Bei Symptomen sofort testen lassen!" Der Bund hat am Sonntag eine neue Kampagne lanciert – weil sich weniger Menschen testen lassen.
  • Die Kurve der Neuinfektionen ist etwas abgeflacht. Aber die Lage in den Schweizer Spitälern bleibt unverändert prekär, sind doch die Intensivbetten praktisch ausgelastet.
  • Die Kantone Bern und Neuenburg haben ihre strengeren Regimes gegen die Pandemie bis 7. Dezember verlängert. Der Kanton Basel-Stadt verschärft den Kampf gegen das Coronavirus: Ab Montag werden Restaurants, Bars und Cafés geschlossen. Entgegen dem nationalen Trend steigen die Fallzahlen in Basel-Stadt weiter an.

Was ist der aktuelle Stand punkto Corona-Impfung?

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  • Der Bundesrat hat beschlossen, den Kredit für die Beschaffung von Impfstoffen gegen das Corona-Virus um 100 Millionen Franken aufzustocken. Damit stellt die Landesregierung nun insgesamt 400 Mio. Fr. bereit. Wann genau ein Impfstoff zur Verfügung stehen werde, das machte Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien klar, wisse man im Moment aber nicht. Weiterhin rechnen die Experten damit, dass im ersten Halbjahr 2021 die ersten Personen in der Schweiz geimpft werden können.
  • Unsicher ist auch, welcher Hersteller letztlich als erster eine Zulassung für seinen Impfstoff erhält. Die Schweiz hat Verträge abgeschlossen mit Moderna (für 4,5 Millionen Impfdosen) und Astra Zeneca (5,3 Millionen Dosen).
  • Die Hersteller Pfizer und Biontech sowie Moderna haben mit Nachrichten zu sehr aussichtsreichen Kandidaten überrascht. Die Schweiz hat sich laut Berset 3 Millionen Dosen des möglichen Impfstoffs von Pfizer/Biontech reserviert. Momentan stehe man mit den Herstellern in Verhandlungen bezüglich der genauen Konditionen. Der Wirkstoff von Pfizer/Biontech ist wie jener von Astra Zeneca bereits für ein Zulassungsverfahren bei Swissmedic registriert.
  • Der Pharmakonzern AstraZeneca und die Universität Oxford meldeten am Montag einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.
  • Gesundheitsminister Alain Berset stellte klar: "Solange ein Produkt nicht zugelassen ist, wird gar nichts geschehen betreffend Impfungen." Das Zulassungsverfahren werde zwar beschleunigt, aber genau gleich streng sein wie normalerweise, versicherte Claus Bolte von Swissmedic. Man werde auch alle Daten international austauschen und transparent machen.
  • Anfangs habe es rund 100 Kandidaten für mögliche Corona-Impfungen gegeben, sagte Berset. Deshalb sei es wichtig, dass man bei verschiedenen Herstellern einen Fuss in der Türe habe. Die Schweiz beteiligt sich darüber hinaus an der internationalen COVAX-Initiative, ein globales Einkaufsprogramm, um bis zu 3,2 Millionen zusätzliche Impfdosen zu beschaffen.
  • Eine weitere Herausforderung der Impfkampagne wird die Logistik. Für die Lagerung wird laut Berset die Armee zuständig sein, die sich seit Monaten darauf vorbereite. Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales im BAG, ergänzte, dass man das nötige Material bereits angeschafft habe.

Das halten Schweizerinnen und Schweizer von den Corona-Massnahmen

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Strengere Massnahmen ja, aber wieso nicht schon früher angesichts der explodierenden Fallzahlen und der drohenden Engpässe in den Akutstationen der Spitäler? Dies das Fazit des fünften SRG-Corona-Monitors, den Sotomo vom 23. bis 28. Oktober 2020 bei fast 45'500 Personen in der ganzen Schweiz online durchgeführt hat. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • In der Maskenfrage sind 64% für eine Tragpflicht im Büro resp. am Arbeitsplatz. 59% sind für eine Maskenpflicht im Freien, wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann.
  • 75% befürworten die Maskenpflicht in Läden. Im Juni waren noch 63% dagegen gewesen.
  • 66% sind für den so genannten Slowdown, also Sperrstunden im Gastgewerbe und die Beschränkung von privaten und öffentlichen Anlässen auf 10 Personen. Auch deutlich über 60% sind für das Aus von musikalischen und sportlichen Anlässen, wo kein Abstand eingehalten werden kann.
  • In der Frage des temporären Lockdowns ist die Schweiz gespalten: 49% sind dafür, 47% dagegen! Auf 50% gestiegen ist der Anteil jener, die mehr Unterstützung des Bundes zur Kompensation von Lohnausfällen wollen.
  • Trotz grossem Rückhalt der Massnahmen ist das Vertrauen in den Bundesrat eingebrochen: Ende Oktober hatten nur noch 37% grosses oder sehr grosses Vertrauen in die Regierung. Im April waren es noch 67% gewesen. Nach Verkündung der Maskenpflicht in bevölkerten Aussenräumen stieg das Vertrauen in die Regierung auf 44%.

Resultate des Corona-Monitors in fünf Grafiken

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Welche Regeln gelten?

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Die Corona-Massnahmen gelten schweizweit. Die Kantone können aber strengere Regeln beschliessen.

  • Discos und Tanzlokale werden geschlossen, Bars und Restaurants haben um 23 Uhr zu schliessen. In Restaurants und Bars dürfen höchsten vier Personen an einem Tisch sitzen, ausgenommen Familien mit Kindern.
  • Alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sowie sportliche und kulturelle Freizeitaktivitäten mit mehr als 15 Personen sind untersagt. Ausgenommen sind Parlaments- und Gemeindeversammlungen. Weiterhin möglich sind auch politische Demonstrationen sowie Unterschriftensammlungen für Referenden und Initiativen.
  • Die Maskenpflicht wird ausgeweitet: Neu muss auch in den Aussenbereichen von Einrichtungen und Betrieben sowie auf Märkten eine Maske getragen werden. Eine Maskenpflicht gilt auch in belebten Fussgängerbereichen und überall dort, wo der erforderliche Abstand im öffentlichen Raum nicht eingehalten werden kann. Auch in Schulen ab der Sekundarstufe II gilt neu eine Maskenpflicht. Ebenso gilt eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz, es sei denn der Abstand zwischen den Arbeitsplätzen kann eingehalten werden, zum Beispiel in Einzelbüros.
  • Ausgenommen von der Maskenpflicht sind Kinder bis zu 12 Jahren, Personen, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können und Gäste in Restaurants und Bars, wenn sie am Tisch sitzen.
  • Seit Montag, 2. November, müssen Hochschulen zudem auf Präsenzunterricht verzichten.
  • Um eine Covid-19 Infektion festzustellen, können zusätzlich zu den bereits angewendeten Tests (PCR-Tests) ab dem 2. November 2020 auch Antigen-Schnelltests eingesetzt werden. 
  • Seit dieser Woche ist die Armee in Genf im Einsatz: Militärangehörige entlasten das Gesundheitssystem des Kantons, indem sie beim Transport und bei der Pflege von Covid-19-Patienten assistieren sowie bei der Verstärkung von Triagestellen und Testkapazitäten. Es ist der erste Einsatz der Armee im erneuten Assistenzdienst.
  • Obwohl die Schweiz europaweit Höchstwerte erreicht: Wer einreist, muss unter Umständen in die Quarantäne. Für Einreisende aus gewissen Staaten und Gebieten gilt weiterhin eine Quarantänenpflicht. Weitere Informationen und eine Liste der Risikoländer finden Sie hier.
  • Wie andere Länder die Corona-Pandemie bekämpfen, können Sie in der Übersicht über die internationale Lage bei SRF News lesen.
Kai Reusser / swissinfo.ch

Die Swisscovid-App kann helfen, Infektionsketten zu unterbrechen. Laut den neuesten Zahlen wurde die App knapp 2.7 Millionen mal heruntergeladen. Doch bis am Dienstagabend, 27. Oktober, war die App nur bei rund 1.82 Millionen Nutzern und Nutzerinnen aktiv.

Wie viele Personen sind in der Schweiz infiziert?

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Wir befinden uns in der zweiten Welle. Zwar hat sich die Kurve der Corona-Neuinfektionen leicht abgeflacht. Doch von Anzeichen der Entspannung kann noch keine Rede sein.

Aktuelle Zahlen ersehen Sie in unserer laufend aktualisierten Grafik. Zur Quelle: Seit dem 9. Juli stützen wir uns für die Anzahl der bestätigten Fälle wieder auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG), da einige Kantone die Zahlen nicht mehr regelmässig publizieren. Davor stammten die Zahlen von einer direkten und validierten Quelle der Kantone.

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Wie ist die Situation international?

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In Europa steigen die Corona-Infektionen rapide. Viele Länder haben strikte Massnahmen beschlossen. 

Die folgende Grafik zeigt einen internationalen Vergleich mit absoluten Zahlen.

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Sind Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer speziell betroffen?

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Viele Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer stehen angesichts dieser Pandemie vor grossen finanziellen Schwierigkeiten. In Ländern, in denen die Löhne niedrig, die Ersparnisse knapp und die öffentlichen Unterstützungsmassnahmen dürftig sind, stehen viele von ihnen vor wichtigen Entscheidungen. Deshalb gibt es Unterstützung durch den Bund: Bisher haben 56 Schweizerinnen und Schweizer in einer Notsituation Unterstützung vom Bund erhalten.

Nach Angaben des EDA wurde Sozialhilfe an 16 in Europa lebende Schweizer Bürgerinnen und Bürger gezahlt, davon 12 in Spanien. In Asien haben 14 Schweizer Staatsangehörige diese Hilfe erhalten. Weitere 10 in Südamerika, 9 in Afrika und 7 in Nordamerika.

Diese an Corona gebundene Sozialhilfe ist den individuellen Lebensbedingungen angepasst, so das EDA. Sie beläuft sich derzeit auf rund 60'000 Franken, was nur einen kleinen Teil der gesamten Sozialhilfe ausmacht, die Bern den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern gewährt. Die diesjährige Gesamtsumme beläuft sich auf 800'000 Franken. Im letzten Jahr waren es 900'000 Franken.

Damit unterstützt der Bund Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ihre Betriebe schliessen mussten oder deren Einkommen so tief gesunken sind, dass ihre Existenz nicht mehr gesichert ist. Unterstützt wurden auch Personen, die im Tourismussektor tätig sind und deren Einkommen nicht ausreichend war.

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Schweizer Bürgerinnen und Bürger können sich an alle Schweizer Vertretungen im Ausland wenden. Die Situation in Bezug auf Reiseverbote oder -beschränkungen und andere Grenzschliessungen ändert sich von Tag zu Tag. Aktuell sind aufgrund der Reisebeschränkungen noch immer viele Doppelbürger von Quarantänen und Stornierungen betroffen.

Wo finde ich mehr Informationen? 

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Hier eine Liste der Links, wo Sie jederzeit selbst die aktuellen Updates aus erster Hand erfahren können. 

Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Weltgesundheits-Organisation (WHO)

Internationale Übersichtskarte
 

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