Die Auswanderung nach Teneriffa muss warten

Die 59-jährige Jasmin Vögtli wollte schon im März auswandern. zvg


Jasmin Vögtli sollte eigentlich schon seit zwei Monaten Auslandschweizerin sein. Doch das Coronavirus hinderte sie daran, im März auszuwandern. Mit zwei gepackten Koffern wartet sie nun auf ihre Ausreise. 

Schweizerinnen und Schweizer sind ein Volk von Auswanderern. 2019 lebten 770'900 Schweizer Bürger im Ausland, 10'700 Personen mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahlen unterstreichen den Trend der letzten Jahre: Immer mehr Menschen mit dem roten Pass entscheiden sich, ihr Leben ausserhalb der Schweiz weiterzuführen.

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Dann kam das Coronavirus, das zahlreichen Auswanderungswilligen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hat. So auch Jasmin Vögtli und ihrer Schwester, die zusammen nach Teneriffa auswandern wollten. Am 27. März hätte es losgehen sollen: Der Job war bereits gekündigt, die Wohnung abgegeben und die Möbel und alle Habseligkeiten unterwegs auf die Kanaren. Jetzt warten die 59-jährige Pflegefachfrau und ihre neun Jahre ältere Schwester auf ihre Ausreise. "Alles ist in Teneriffa, nur wir sind noch hier", sagt Vögtli, die im solothurnischen Derendingen lebt.

"Ich wollte schon immer im Süden leben"

Die beiden Schwestern haben Glück im Unglück. Der ehemalige Arbeitgeber von Jasmin Vögtli hat den im eigenen Land gestrandeten Frauen eine Ferienwohnung im Altersheim zur Verfügung gestellt. "So können wir schon mal erleben, wie es dann mal sein wird", scherzt sie. Um die Zeit bis zu ihrer Abreise zu überbrücken, hilft Jasmin Vögtli im Altersheim aus. "Eigentlich mache ich das Gleiche wie vorher."

Jasmin Vögtli hat sich frühpensionieren lassen, um sich ihren Traum zu erfüllen. "Ich wollte schon immer im Süden leben." Teneriffa habe eine magische Anziehungskraft auf sie ausgeübt. "Wir lieben die Sonne, die Wärme und das Meer", schwärmt sie. Dass die kanarische Insel in vier Flugstunden erreichbar ist, war ebenfalls ein Argument. Hier in der Schweiz leben Familie und Freunde. Zum Auswandern bewogen hat sie auch die Finanzen: "In Teneriffa ist das Leben einfach billiger."

Die Vögtlis hatten sich im März schon von Familie und Freunden verabschiedet, auch auf der Gemeinde hatten sie sich abgemeldet. Wieder anmelden kommt für Jasmin Vögtli aber nicht in Frage, schliesslich hofft sie, dass es baldmöglichst los geht. "Wir haben schon X-Mal umgebucht." Vermutlich wird auch der nächste Flug im Juni nicht klappen.

Hier ist das zukünftige Zuhause von Jasmin Vögtli: La Matanza de Acentejo zvg


Jasmin Vögtli ist nicht die Einzige

"Es bringt nichts, sich aufzuregen", sagt Vögtli. Allen gehe es im Moment gleich. Der künftige Wohnort der 59-Jährigen ist La Matanza de Acentejo im Nordwesten von Teneriffa. Insgesamt drei Mal war Vögtli auf der Insel – das letzte Mal im November. Damals haben sie einen Vorvertrag für einen Wohnungskauf abgeschlossen.

Im April hätte dieser vollzogen werden sollen. "Das musste dann wohl oder übel unsere Maklerin übernehmen." Dafür brauchte es lediglich eine notarielle Beglaubigung. "Es hat alles geklappt, sogar unsere Möbel und Kisten stehen bereits in unserer Wohnung direkt am Meer", freut sie sich.

Vögtli dürfte nicht die einzige sein, die auf ihre Auswanderung wartet. Bei den Beratungsdiensten für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer der Genossenschaft Soliswiss haben sich einige Auswanderungswillige gemeldet,  die ihre Reisepläne aufschieben oder gar aufheben mussten. "Wir merken, dass neue Anfragen zum Auswandern eher zurückgegangen sind. Wir haben aber immer noch Anfragen, wenn etwa eine Arbeitsstelle im Ausland angetreten werden soll", sagt Nicole Töpperwien, Geschäftsführerin von Soliswiss.

Die Vorfreude steigt

Derweil meldet die Auslandschweizer-Organisation ASO, dass ihr keine Fälle von Schweizerinnen und Schweizern bekannt seien, die wegen der Coronakrise nicht auswandern konnten. "Das heisst nicht, dass es keine gibt. Schweizer Bürger, die auswandern, nehmen oft mehrere Monate vor ihrer Auswanderung mit uns Kontakt auf", schreibt die ASO. Die Auswanderungswilligen würden dann aber nicht unbedingt melden, wenn sie ihre Auswanderung auf Eis legen.

Jasmin Vögtli und ihrer Schwester bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten. "Die Leute haben sich bereits daran gewöhnt, dass wir immer noch hier sind." Und mittlerweile haben auch sie sich mit der Situation abgefunden. Die Vorfreude wird täglich grösser.

Auch die beliebte Schweizer Fernsehsendung "Auf und Davon" ist von Corona betroffen. SRF hat die Protagonisten der neusten Staffel zwar bereits vor Ausbruch der Pandemie begleitet, konnte sie aber in den letzten Monaten nicht mehr besuchen. Auch sind die Ausgewanderten mit vielen Herausforderungen konfrontiert, die die Umsetzung ihrer Pläne im Ausland schwierig machen.

Mit den Lockerungen der Massnahmen in Sicht ist das Team von "Auf und Davon" zuversichtlich, bald wieder reisen und drehen zu können.

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