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Das Düngen mit Klärschlamm war ein aus der Not geborenes Geschäft

Kläranlagen wie diejenige des Abwasserverbands Altenrhein (AVA) waren in den 1980er Jahren gefordert, Lösungen für den stetig anfallenden Klärschlamm zu finden. Unter anderem wurde er getrocknet und in Säcken als Dünger verkauft. Seit 2006 ist das Düngen mit Klärschlamm untersagt.

(Keystone-SDA) Ende der 1970er Jahre machte man sich beim Abwasserverband Altenrhein (AVA) Sorgen darüber, wie die stetig anfallenden Mengen an Klärschlamm bewältigt werden könnten.

«Auffallend war der markante Rückgang von Landwirten, die Klärschlamm bezogen. Dadurch hatte sich auch die Absatzmöglichkeit um 50 Prozent verringert. Dies war ein deutliches Signal, dass die Landwirtschaft dem Düngen mit Klärschlamm immer kritischer gegenüberstand.»

Das Zitat stammt aus einer Publikation, die der Abwasserverband 2017 zum 50-jährigen Jubiläum herausgab. Im Kapitel «Entwässern, Trocknen und Verwerten des Klärschlamms» wird die Entwicklung bei der Verarbeitung von Klärschlamm geschildert. Aus den Passagen lässt sich herauslesen, wie stark der Betrieb unter Druck stand, neue Absatzmöglichkeiten zu finden.

Dem AVA sei es wichtig gewesen, für die Verwertung und Entsorgung des Klärschlamms künftig über zwei Standbeine zu verfügen. «Um dem sinkenden Image des Klärschlamms in der Landwirtschaft entgegenzuwirken, musste mehr in die Beratung und Aufklärung der abnehmenden Landwirte investiert werden», heisst es in der Publikation.

Dünger für den Gartenbau

1983 wurde eine Trocknungsanlage getestet, die es ermöglichte, den Klärschlamm zu entwässern. Damit erhoffte man sich, «eventuell neue Abnehmer zu gewinnen, die mit ihren Miststreuern den Schlamm ohne Abschwemmverluste ins Ackerland ausbringen könnten».

Der AVA investierte laut Publikation 3,9 Millionen Franken in eine «Gross-Trocknungsanlage». Damit konnten neue Abnehmer beliefert werden. Getrockneter Klärschlamm diente etwa als Brennstoff in der Zementindustrie.

Das Produkt wurde aber auch als Dünger in Säcken für die Landwirtschaft und den Gartenbau verkauft. Dies sei einige Jahre «ein Verkaufsschlager» gewesen. Insbesondere der in grünen Säcken zu 25 Kilo abgefüllte Trockenklärschlamm, angereichert mit Stickstoff und Kali, «lockte mit dem Preis von Fr. 6.- pro Sack viele Käufe an den Selbstbedienungsstand der ARA». In den Jahren 1983 bis 1995 konnten zirka 24’000 Säcke abgesetzt werden.

(Die Auszüge stammen aus der Publikation «Abwasserverband Altenrhein, Betrieb und Weiterentwicklung», Band 2, von Urs Keller und Christoph Egli.)

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