Das Kreuz mit religiösen Symbolen

Die Bronzefigur soll weg- - Der Gemeinderat von Riva San Vitale will nur noch Grabsteine mit Kreuzen auf dem Friedhof. Keystone

Eine Tessiner Gemeinde will, dass auf dem öffentlichen Friedhof nur christliche Kreuze und keine anderen religiösen Symbole die Grabsteine schmücken.

Dieser Inhalt wurde am 11. November 2004 - 14:51 publiziert

Jetzt hagelt es Proteste: In Riva San Vitale hätten nicht alle Toten die gleichen Rechte.

Idyllisch schmiegt sich die kleine Gemeinde Riva San Vitale in den Südzipfel des Luganer-Sees. Hier steht ein sehr schönes Baptisterium aus dem 5. Jahrhundert, das zu den ältesten christlichen Bauwerken in der Schweiz gehört.

Doch mit der uralten christlichen Tradition dieses Ortes nehmen es einige Gemeinderäte offenbar allzu ernst. Vor kurzem beschloss eine Mehrheit aus Christlich-Demokraten und der politisch rechts stehenden Lega eine neue Friedhofs- und Bestattungsordnung.

Diese sieht vor, dass ein Urnengrabstein nur mit drei Objekten versehen werden darf: Einem Kreuz aus Bronze, einem Bilderrahmen für das Foto des Toten sowie einer metallenen Blumenvase.

Ein Antrag, wonach auch andere religiöse Symbole ausser dem Kreuz erlaubt wären, scheiterte. Das heisst im Klartext: Verbot für den jüdischen Davidstern, für das Herzsymbol der Freidenker, Zeichen der Moslems oder Buddha-Figuren.

Keine Diskriminierung

Für den CVP-Fraktionschef im Gemeinderat, Gilberto Vassalli, spiegelt das neue Reglement die tiefen christlichen Wurzeln des Ortes und des ganzen europäischen Abendlands wider. "Die Präsenz anderer religiöser Symbole wäre nicht respektvoll gegenüber unserer eigenen religiösen Kultur", verteidigt er die Verordnung.

Diskriminierend gegenüber anderen Religionen sei dies nicht: "Es wird ja niemand gezwungen, das christliche Kreuz auf seinem Grabstein anzubringen." Insofern sei die Vorschrift immer noch tolerant im Vergleich zu gewissen Ländern, in denen alle Nutzer zur Annahme der landesüblichen Gebräuche gezwungen würden.

Gegen Religionsfreiheit

Dies sieht man freilich nicht überall so. Erboste Leserbriefschreiber und Kommentatoren kritisieren seit Tagen den Entscheid in den Tessiner Tageszeitungen als Zeichen der Intoleranz sowie als Verstoss gegen die verfassungsmässig garantierte Religionsfreiheit.

Sogar dem ehemaligen CVP-Grossrat Raffaele Pedrozzi ging der Schritt zu weit: Er intervenierte bei der eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. Ein kantonales Anti-Rassismus-Komitee legte seinerseits formal Rekurs beim Staatsrat gegen die neue Norm ein.

Verfassungswidrig

Alle Einsprachen könnten sich indes schnell erübrigen. Denn das Friedhofsreglement wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nie in Kraft treten. Der Jurist des Staatsrats, Guido Corti, hat angedeutet, die kommunale Vorschrift auf Weisung des Gemeinde-Inspektorats werde geprüft.

Einer solchen Prüfung durch den Kanton werde diese kaum standhalten, da sie in der Tat nicht verfassungskonform sei. Er verwies auf einen Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 1975, in der ein Verbot religiöser Symbole auf öffentlichen Friedhöfen als unzulässig erachtet wurde.

Im Trend der Zeit

Die laufende Debatte ist ein gutes Beispiel für die Spannungen zwischen konservativ katholischen Kräften und Laien im Tessin, die sich häufig an Fragen um den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen oder der staatlichen Unterstützung von (religiösen) Privatschulen entzünden.

National bekannt wurde ein Streit um ein Kreuz in der Primarschule von Cadro.1990 verfügte das Bundesgericht in letzter Instanz die Entfernung des Kreuzes aus den Klassenzimmern, da es gegen die Neutralität der Schulen verstiesse. Katholische Kreise haben diesen Entscheid nie ganz verwunden.

Und angesichts der jüngsten Diskussionen um den Islam und das Schleierverbot sehen sie sich heute berechtigt, stärker auf die lokalen Traditionen zu pochen.

"Der Friedhofsentscheid von Riva", analysiert der Chefredaktor der linken Wochenzeitung "area", Gianfranco Helbing, "ist eines von vielen Signalen eines religiös-identitätsmässigen Rückzugsverhaltens, das auch das Tessin erfasst hat."

swissinfo, Gerhard Lob, Riva San Vitale

In Kürze

Der Gemeinderat von Riva San Vitale hat eine neue Bestattungsordnung beschlossen. Künftig sollen nur noch christliche Symbole die Gräber schmücken.

Ein Antrag, auch andere religiöse Symbole zuzulassen, scheiterte.

Gewisse Kreise sehen in diesem Beschluss einen Verstoss gegen die Religionsfreiheit.

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