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Die Schweiz sucht weiter nach Vermissten

Anteilnahme: An vielen Orten in der Schweiz liegen Kondolenzbücher auf. Keystone

Der Terror gegen die USA war auch am Donnerstag das beherrschende Thema in der Schweiz. Mindestens zwei Schweizer Staatsangehörige kamen in den entführten Flugzeugen ums Leben. Am Freitag finden europaweit und auch in der Schweiz Schweigeminuten statt.

Der Bundesrat zeigte sich nach den Anschlägen besorgt, verzichtete aber auf rasche Schlussfolgerungen. Als Zeichen der Betroffenheit und des Mitgefühls liess die Landesregierung die Fahnen auf Halbmast setzen. Gleiches taten auch mehrere Kantonsregierungen.

Die Regierung lädt alle Schweizerinnen und Schweizer ein, am Freitag ab 12.00 Uhr drei Schweigeminuten einzulegen. Damit soll der Trauer und der Solidarität gegenüber dem amerikanischen Volk Ausdruck gegeben werden. Den gleichen Aufruf hat die Europäische Union an die Bewohner und Bewohnerinnen ihrer 15 Mitgliedstaaten gerichtet.

Das Aussenministerium bemüht sich weiter um die Tausenden von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die sich nach dem Schicksal ihrer Angehörigen in den USA zu erkundigen versuchten. Zwei, eine Schweizerin und ein Doppelbürger, befanden sich in den Passagier-Maschinen, die ins World Trade Center gelenkt wurden.

Der Krisenstab des EDA befürchtet, dass noch weitere Schweizer unter den Opfern sind. Am Donnerstagmorgen waren noch 700 Personen vermisst worden. Am Abend fehlte noch von über 300 Personen jedes Lebenszeichen.

Auch über das Schicksal von vier Personen, die im zerstörten World Trade Center in New York gearbeitet haben, oder als Besucher dort waren, wurde nichts Neues bekannt, erklärte Botschafter Walter Thurnherr. Die Hotline des EDA mit der Nummer 031/ 322 27 62 bleibt weiterhin offen. Das Aussenministerium wünscht sich auch ausdrückliche Entwarnungen.

Swissair startbereit

Der Luftraum über Amerika ist – mit Auflagen – wieder geöffnet. Die drei geplanten Swissair-Flüge konnten jedoch noch nicht starten. Der erste Swissairflug sollte Richtung Westküste starten.

Deiss bietet Schweizer Hilfe an

Um bei den Bergungen zu helfen, will die Schweiz Spezialisten des Schweizer Katastrophenhilfekorps nach New York entsenden. Dieses Hilfsangebot unterbreitete Bundesrat Joseph Deiss dem neuen amerikanischen Botschafter Mercer Reynolds bei dessen Höflichkeitsbesuch. Reynolds nahm das Angebot mit Dank entgegen.

Während des Höflichkeitsbesuchs des neuen US-Botschafters drückte Deiss den Menschen in den USA noch einmal im Namen der Schweizer Regierung sein Beileid aus. Er hätte Reynolds gern unter anderen Umständen empfangen, sagte Deiss. Die zunächst geplanten Gesprächspunkte werde man später behandeln.

Reynolds dankte der Schweizer Regierung für die besonderen Sicherheits-Massnahmen um die amerikanische Botschaft. Gute Beziehungen zwischen der Schweiz und Amerika seien aus Sicht der USA sehr wichtig, unterstrich er.

Die Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen konzentrierte sich auf die US-Einrichtungen in der Schweiz und auf die Flughäfen. Anzeichen über eine akute Bedrohungslage der Schweiz gibt es jedoch nicht.

Internationale Zusammenarbeit

Ebenfalls aktiv wurde die Aussenpolitische Kommission des Ständerates. Diese ist der Ansicht, «dass eine neue sicherheitspolitische Entwicklung eingetreten ist». Der Terrorismus könne nur in intensiver internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden. Die Kommission hatte sich zuvor von den Bundesräten Schmid und Deiss über die Anschläge informieren lassen.

Kondolenzbuch aufgelegt

Bundespräsident Moritz Leuenberger hat am Donnerstag die US-Botschaft in Bern besucht und sich als erster in das dort aufgelegte Kondolenzbuch eingetragen. «Ich habe im Namen aller Schweizerinnen und Schweizer kondoliert und dem amerikanischen Volk versichert, dass wir mit ihm sind und mit ihm bleiben», sagte Leuenberger im Schweizer Radio DRS.

Der Bundespräsident zeigte sich beeindruckt von den Solidaritätsbekundungen von Bürgerinnen und Bürgern vor der amerikanischen Botschaft. Die niedergelegten Blumen und Kerzen seien ein Zeichen der Betroffenheit und der Trauer. «Es handelte sich um einen Angriff auf die freie Gesellschaft überhaupt», sagte Leuenberger zu den Terroranschlägen.

Gedenkgottesdienst für die Opfer

Am Mittwoch hatten Bundesrat Josef Deiss, Alt-Bundesrat Adolf Ogi, Nationalrats-Präsident Peter Hess sowie Botschaftsangehörige von rund 40 Ländern am ökumenischen Gottesdienst im Berner Münster teilgenommen.

Zelebriert wurde die Feier im vollbesetzten Münster von Pfarrer Thomas Wipf (Präsident Evangelischer Kirchenbund), Amédée Grab (Präsident Bischofskonferenz) und Bischof Hans Gerny von der Christkatholischen Kirche.

Die drei Geistlichen mahnten, in der Stunde des Schreckens und der Ohnmacht dürften nicht Vergeltung und Hass obsiegen. Hoffnung, Gerechtigkeit und Frieden müssten wachsen und das Schreckliche verdrängen. Leben und Freiheit könnten nicht wirklich zerstört werden, denn sie stammten von Gott.

swissinfo und Agenturen

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