Grünes Licht für Militärschlag
Der US-Kongress hat Präsident Bush ermächtigt, gegen die Verantwortlichen der Terror Anschläge "alle notwendigen und angemessenen Mittel" einzusetzen. Bush diskutiert in Camp David mit seinen Sicherheitsberatern über Vergeltungs-Massnahmen. Das Taliban-Regime hat seinen Nachbarstaaten mit Krieg gedroht, sollten diese die USA bei einem Angriff gegen Afghanistan unterstützen.
Nach dem Senat hat auch das amerikanische Repräsentantenhaus Präsident George W. Bush die Vollmacht erteilt, gegen die Verantwortlichen für die Anschläge vom Dienstag militärische Gewalt anzuwenden. Im Visier der USA ist Afghanistan, deren Taliban-Regime dem mutmaßlichen Drahtzieher der Terroranschläge, dem saudischen Extremisten Osama bin Laden, Gastrecht gewähren.
Taliban drohen mit Krieg
Das Taliban-Regime hat seinen Nachbarstaaten mit Krieg gedroht, sollten diese die USA bei einem Angriff gegen Afghanistan unterstützen. Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar erklärte, diejenigen, die den USA bei einem Angriff hülfen, «würden uns einen Krieg aufzwingen».
Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf hatte den USA nach den Anschlägen in den USA «uneingeschränkte Kooperation» bei der Jagd auf die Hintermänner des Terrors zugesagt.
Die USA haben nach Medienberichten aus Washington und Islamabad (Pakistan) unter anderem um die Erlaubnis zur Stationierung multilateraler Truppen und um Überflugrechte gebeten.
Putin: Vergeltung nur nach sicheren Beweisen
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die USA zu Umsicht bei den geplanten Vergeltungsschlägen aufgerufen. «Das Böse muss bestraft werden», sagte er am Samstag bei einem Besuch in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Doch die Gegenmaßnahmen der USA sollten «abgewogen» sein und «auf unwiderlegbaren Fakten basieren», forderte Putin.
Russische Militärs hatten am Freitag erklärt, den USA werde auf dem Gebiet der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) keine Hilfe bei Militäreinsätzen gegen die afghanischen Taliban-Milizen gewährt. Turkmenien und Tadschikistan, beides Nachbarstaaten Afghanistans, hatten diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen.
Heisse Spur bei Terror-Fahndung
Auf der Suche nach den Drahtziehern der Terrorakte verfolgen die amerikanischen Ermittler eine heisse Spur: Zwei Männer, die am Mittwoch in Dallas festgenommen worden waren, sollen «intime Kenntnisse» des Terror-Netzwerks haben, das für die Anschläge in den USA verantwortlich ist. Die Männer seien zu weiteren Befragungen nach New York gereist, berichtete der Sender NBC am Samstag.
Alle 19 Terroristen, die an den Selbstmord-Anschlägen vom Dienstag beteiligt waren, sollen direkte oder indirekte Verbindungen zum Saudiarabier Osama bin Laden gehabt haben. Das meldete der amerikanische Nachrichten-Sender CNN am Samstag unter Berufung auf Ermittlerkreise.
Auf der Suche nach den Urhebern führen auch Spuren in die Schweiz. Laut Verteidigungsminister Samuel Schmid gibt es Hinweise darauf, dass möglicherweise in die Anschläge verwickelte Personen die Schweiz als «Durchgangs-Station» benutzt hatten.
Weltweite Schweigeminuten
Millionen von Menschen in Europa gedachten am Freitag der Opfer der Anschläge in den USA. In Parlamenten, auf Strassen oder Flughäfen verharrten die Menschen am Mittag während drei Minuten still. Auch in der Schweiz folgten zahlreiche Menschen dem Aufruf der Regierung, mit drei Minuten Ruhe ein Zeichen der Trauer zu setzen.
Die Such- und Bergungsarbeiten gestalten sich weiter schwierig. Unter den Trümmern werden noch rund 4700 Menschen vermutet. Bislang wurden 94 Tote geborgen, von denen 46 identifiziert werden konnten.
Am Donnerstag hatte das Schweizer Aussenministerium den Tod zweier Landsleute bestätigt, die in einem der gekidnappten Flugzeuge gewesen waren. Auf der Liste der Personen, von denen Angehörige und Bekannte ohne Nachricht sind, stehen noch 280 Namen.
Flugschreiber und Black Box gefunden
Bei Pittsburgh wurde der Flugschreiber der vierten entführten Passagiermaschine gefunden. Zudem fanden US-Ermittler in den Trümmern des zerstörten Teils des Verteidigungsministeriums die «Black Box» des Flugzeugs, das am Dienstag ins Pentagon bei Washington gestürzt war.
Nach der Sperrung wegen der Terroranschläge wurden die drei Flughäfen im Grossraum New York wieder für den Luftverkehr geöffnet. Die Swissair nimmt ihre Flüge in die USA am Samstag wieder auf.
Die New Yorker Börse blieb auch am Freitag geschlossen und soll am Montag ihre Arbeit wieder aufnehmen. Es ist das erste Mal seit dem ersten Weltkrieg, dass sie so lange geschlossen bleibt.
Abzug von IKRK und UNO
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK reduziert seine Präsenz in Afghanistan weiter. Bis Sonntag soll die Anzahl der internationalen Mitarbeiter von 70 auf 16 verkleinert werden. Bislang hat die Organisation 40 Mitarbeiter evakuiert.
swissinfo und Agenturen
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