The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Debatten
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Langsame Suche nach Opfern,schnelle Ermittlungen

Noch immer finden die Retter Überlebende in den Trümmern - die Arbeiten gehen rund um die Uhr weiter. Keystone

In New York wurden am Donnerstag - zwei Tage nach den Terror-Anschlägen - mehr als 4'500 Menschen vermisst, die Hoffnung auf Überlebende wurde immer kleiner. Bei den Ermittlungen erzielten die Behörden erste Erfolge. Präsident Bush sprach vom "ersten Krieg des 21. Jahrhunderts". Die USA bezeichneten Osama Bin Laden als hauptverdächtig für die Attentate. Der Luftraum über den USA wurde wieder geöffnet. Der Freitag wird zum "Tag der Trauer". Erster Flugschreiber geortet. Die New Yorker Börse will den Handel am Montag wieder aufnehmen.

US-Präsident George W. Bush hat eine militärische Antwort auf die Terrorangriffe in New York und Washington angekündigt.

«Ich bin fest entschlossen, diesen gegen Amerika erklärten Krieg zu gewinnen», erklärte Bush. «Es ist eine neue Art von Krieg.» Seine Regierung werde sich darauf einstellen und andere Staaten bitten, sich den USA anzuschliessen. Der stellvertretende Verteidigungsminister Wolfowitz kündigte an, es werde nicht bei einem Vergeltungsschlag bleiben: «Es wird ein Feldzug und keine einzelne Aktion.»

Die NATO stellte erstmals in ihrer Geschichte den kollektiven Verteidigungsfall fest und sagte den USA Unterstützung zu.

Auch die amerikanische Bevölkerung stimmte dieser Haltung zu: Fast 90 Prozent forderten in Umfragen, militärisch zurückzuschlagen, selbst wenn dabei das Blut unschuldiger Zivilisten fliessen sollte.

Pakistan zur Unterstützung aufgefordert¶

Die USA haben die Atommacht Pakistan zur Unterstützung und Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus aufgefordert. US-Aussenminister Colin Powell erklärte, er habe den pakistanischen Staatschef General Pervez Musharraf um eine genaue Liste über Massnahmen zur Zusammenarbeit ersucht.

Powell beschrieb Pakistan, den Nachbarstaat Afghanistans, zwar als Freund, erklärte aber auch, in der Beziehung zwischen den USA und Pakistan habe es «Höhen und Tiefen» gegeben.

Die Aufforderung zur Zusammenarbeit ist ein weiterer Hinweis auf Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen die Taliban-Machthaber in Afghanistan, die dem mutmasslichen Topterroristen Osama Bin Laden Unterschlupf gewähren.

Bin Laden immer stärker unter Verdacht

Erstmals hat US-Außenminister Colin Powell am Donnerstag den Terroristenführer Osama bin Laden als «Hauptverdächtigen» für die verheerenden Terroranschläge vom Dienstag bezeichnet. Es war der bisher stärkste offizielle Hinweis, dass
Washington den in Afghanistan vermuteten bin Laden für den Drahtzieher hält und Massnahmen gegen ihn vorbereitet.

Rund 50 Terroristen involviert?

Mindestens 18 Terroristen waren nach neuesten Informationen der amerikanischen Justiz an der Entführung der vier Passagier-Flugzeuge beteiligt. Alle kamen getarnt als Passagiere mit Flugscheinen an Bord.

Die Täter sollen von etwa 24 weiteren Personen unterstützt worden sein. An der gesamten Aktion waren nach Informationen aus Justizkreisen offenbar mehrere terroristische Zellen beteiligt, die Verbindungen zu arabischen Ländern wie Saudi-Arabien und Ägypten unterhalten haben sollen. In den US-Staaten Massachusetts und Florida wurden mindestens sechs Personen festgenommen.

Die Ermittler haben im US-Staat Pennsylvania den Flugdatenschreiber des abgestürzten Passagierflugzeugs gefunden. Dies wurde am Donnerstag in Washington mitgeteilt.

Spuren nach Deutschland

Erste Spuren führten auch nach Deutschland: Drei der Flugzeugentführer hatten zeitweilig in Hamburg gelebt, sie stammten gemäss Medienberichten aus arabischen Ländern. Die Fahnder untersuchten mehrere Wohnungen, eine Person wurde festgenommen.
Die deutsche Bundesanwaltschaft ermittelte gegen eine Anfang des Jahres in der Hansestadt gegründete islamistische Terrorgruppe, die geplant habe, «auf spektakuläre Weise durch Zerstörung von symbolträchtigen Gebäuden die USA anzugreifen». Nach einem namentlich bekannten Mitglied der Gruppe wird bundesweit gefahndet.

Weitere Ermittlungen waren weltweit im Gang, auch in anderen europäischen Ländern. Die Schweizer Bundesanwaltschaft erklärte, bis anhin habe man keine Hinweise für eine Beziehung der mutmasslichen Täter zur Schweiz.

Hoffnung auf Überlebende immer kleiner

Die Zahl der nach dem Terroranschlag in New York vermissten Menschen stieg am Donnerstag auf über 4’500. Hoffnung auf Überlebende gab es kaum noch, auch wenn aus den Trümmern des World Trade Centers nach Angaben von Bürgermeister Rudolph Giuliani bis Donnerstag erst 94 Menschen tot geborgen wurden.

Die Behörden berichtigten unterdessen Angaben, wonach fünf Feuerwehrleute nach zwei Tagen aus den Trümmern gerettet wurden. Den Angaben zufolge wurden am Donnerstag zwei Männer gerettet. Fünf Männer, darunter drei Polizisten, waren am Mittwoch aus den Trümmern wohlbehalten geborgen worden.

Weiterhin gestalteten sich die Rettungs- und Bergungsarbeiten schwierig, da immer wieder Gebäudeteile einzustürzen drohten.

Am Freitag will sich Bush in New York persönlich ein Bild vom Anschlag auf das World Trade Center verschaffen.

Bei dem Angriff auf das Verteidigungsministerium in Washington kamen nach vorläufiger offizieller Schätzung etwas mehr als 100 Menschen ums Leben. Eine telefonische Bombendrohung behinderte am Morgen die Arbeiten im zerstörten Flügel des fünfteiligen Gebäudes.

Weltweite Trauer

US-Präsident George W. rief den Freitag zum «nationalen Tag des Gebetes und der Erinnerung» aus. Auch die EU erklärte den Freitag zum «Tag der Trauer». Die Schweiz und Liechtenstein werden sich beteiligen.

PräsidentBush will am Freitag nach New York reisen und sich selbst ein Bild von den Zerstörungen durch die Terroranschläge machen. Er warnte zudem seine Mitbürger am Donnerstag vor Übergriffen auf arabische Bürger und Moslems.

Hinweise für Normalisierung

Zwei Tage nach den Anschlägen gab es erste Anzeichen für eine Normalisierung des öffentlichen Lebens: Die Behörden gaben den Luftraum mit Auflagen für den zivilen Flugverkehr wieder frei. Die U-Bahn in New York verkehrte mit Ausnahme einiger Stationen in Manhattan wieder normal. Die Aktienbörsen blieben aber den dritten Tag in Folge geschlossen – so lange wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Allgemein blieb die Situation unsicher, so wurde New Yorks Hauptbahnhof «Grand Central Station wegen eines Bombenalarms evakuiert.

Milliarden Sondermittel für Terrorbekämpfung

Nach den Anschlägen in den USA haben sich führende Politiker im Kongress auf die Bewilligung von Sofortgeldern von 20 Milliarden Dollar (über 33 Mrd. Franken) verständigt. Das Pentagon will den Grossteil davon in die Terrorbekämpfung investieren.

swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft