Medaillen-Hoffnung Skeleton
Der vielleicht grösste Schweizer Hoffnungs-Träger in Salt Lake City ist Skeleton-Fahrer Gregor Stähli, der eigentlich schon vor Jahren zurücktrat.
Der in Kloten wohnende 34-jährige Gregor Stähli ist der Topfavorit im olympischen Skeleton-Rennen am 20. Februar in Park City. Er ist am Start der Schnellste, verinnerlicht das Gefühl für die Ideallinie am besten und ist mental sagenhaft stark.
Fulminante Rückkehr in den Spitzensport
Als sich Stähli im vorigen Winter nach sechs Jahren Abstinenz wieder am Weltcup beteiligte, verbuchte er zwar nur zwei Topresultate, aber in den beiden wichtigsten Rennen.
Auf seiner Heimbahn in Igls bei Innsbruck siegte er mit fast einer Sekunde Vorsprung vor dem Amerikaner Lincoln DeWitt. «Igls war mein Saisonziel. Da wollte ich nach der langen Pause zeigen, dass ich immer noch mit den Besten mithalten kann», sagte Stähli.
Igls war das zweite internationale Rennen nach dem Comeback. Die Gegner staunten nicht schlecht, als ihnen Stähli um die Ohren fuhr. Der Grossteil kannte ihn gar nicht, denn Stähli war am Ende des Winters 1993/94 als Weltmeister zurückgetreten, weil er in seiner Sportart keine olympische Perspektiven sah.
Am 9. Dezember 2000 erhielt Stähli in Igls freilich die Bestätigung, dass er es bis zu den Olympischen Spielen 2002 wieder ganz an die Spitze schaffen kann.
Nach Igls folgten eher mittelmässige Klassierungen in der Weltcup-Saison 2000/2001, «aber», so Stähli, «das habe ich gar nicht anders erwartet. Ich war doch lange weg, und einige der Bahnen kannte ich gar nicht». Als jedoch Mitte Februar die Olympia-Hauptprobe anstand, war Stähli wieder bereit. Bloss drei Hundertstel-Sekunden büsste er auf den vom Heimvorteil profitierenden Sieger DeWitt ein. Den Weltcup 2000/01 schloss Stähli als Gesamtfünfter punktgleich mit Weltmeister Martin Rettl (Ö) ab.
Auch ohne grosse Vorbereitung mit dabei
«Die Amerikaner werden sehr viel mehr Fahrten auf dem Olympiarun haben als ich. Das gibt Sicherheit, aber sie stehen auch unter einem ungeheuren Druck», sagt Stähli vor dem Olympiarennen.
Der Schweizer kommt freilich mit wenigen Trainingsfahrten aus, um eine Bahn in den Griff zu kriegen: Wenige Wochen vor dem Weltcup-Winter 2001/2002 wurde Stähli von seinem Hund in die Hand gebissen. Die Vorbereitung für die Olympiasaison war scheinbar erheblich beeinträchtigt.
Aber eine Woche Training in Sigulda in Lettland reichte aus, um hernach die Konkurrenz in Königssee (De), Igls, Calgary (Ka) und Lake Placid (USA) in die Schranken zu weisen und den Gesamt-Weltcup mit einer nie da gewesenen Überlegenheit zu gewinnen. Als erster Athlet vermochte er vier Rennen in Folge für sich zu entscheiden.
Nach den vier Siegen musste er sich zwar Mitte Januar im Finale in St. Moritz vor dem Amerikaner Chris Soule beugen, «aber vier Siege und ein zweiter Platz sind auch nicht schlecht», schmunzelt Stähli.
swissinfo und Daniel Good (Si)
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