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«Es braucht Jahre, um die Schäden zu beheben»

Die Raffinerie Ras Laffan
Die Dimensionen der Industrieanlage Ras Laffan in Katar sind gewaltig. Qatar Energy LNG

Es dauert noch Monate und Jahre, bis die Kriegsschäden an den Öl- und Gasanlagen in der Golfregion repariert sind. An diesen Arbeiten ist auch Sulzer aus Winterthur beteiligt.

Die Strasse von Hormuz muss zuerst wieder sicher befahrbar sein. Folglich müssen allfällige Seeminen beseitigt werden. Erst dann können Containerschiffe und Tanker wieder in den Persischen Golf hinein- und hinausfahren und Waren aus der Region abtransportieren.

Für Cornelia Meyer, Ökonomin und Analystin für den Energiemarkt, ist die Situation klar: «Es braucht mehrere Monate, bis sich die Lieferketten wieder normalisiert haben.»

Aufwendige Reparaturarbeiten an Öl- und Gasanlagen

Entscheidend ist auch, wie rasch Kriegsschäden an der Infrastruktur behoben werden können. Iranische Raketen haben in den vergangenen Wochen in der gesamten Golfregion Öl- und Gasanlagen getroffen und zum Teil erhebliche Schäden angerichtet. Beispielhaft zeigt sich dies bei der Erdgasanlage Ras Laffan in Katar. Rund ein Drittel des weltweiten Erdgases wird von dort aus verschifft.

Im Zuge des Krieges haben iranische Geschosse zwei Produktionsanlagen auf dem Gelände getroffen. Die staatliche Betreiberin QatarEnergy schätzt, dass es nun drei bis fünf Jahre dauern wird, um die Schäden zu beheben.

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Sulzer in Reparaturarbeiten involviert

Der Schweizer Industriekonzern Sulzer aus Winterthur ist seit Jahrzehnten ein Zulieferbetrieb für die Öl- und Gasindustrie. Dementsprechend ist die Firma nun auch in die Reparaturarbeiten involviert, wie Mediensprecherin Marlène Betschart bestätigt: «Wir sind in allen betroffenen Regionen mit Servicecentern vor Ort. Dank dieser Nähe können wir die betroffene Infrastruktur schnell reparieren.»

Blick auf Katar
Die Dimensionen von Ras Laffan in Katar sind gewaltig: Das ganze Gelände umfasst eine Fläche von rund 300 Quadratkilometern und ist damit etwa so gross wie der Kanton Schaffhausen. Insgesamt arbeiten 115’000 Angestellte auf dem Gelände. Google Earth / SRF

Wobei «schnell» durchaus relativ ist: Entscheidend ist das Ausmass der Schäden. In Ras Laffan dauern die Reparaturarbeiten voraussichtlich Jahre. «Diese Anlagen sind komplex. Es braucht mehrere Anbieter vor Ort, um diese wieder instand zu stellen», erklärt Marlène Betschart von Sulzer.

Zudem seien die jetzigen Arbeiten nicht mit normalen Wartungstätigkeiten vergleichbar: «Das ist natürlich etwas anderes als regelmässige Reparaturarbeiten und kann deshalb auch Jahre in Anspruch nehmen.»

In der Golfregion hat Sulzer rund 500 Angestellte. Das ist etwa gleich viel wie in der Schweiz. Eines ihrer sechs Servicecenter in der Region befindet sich auch auf dem Gelände von Ras Laffan, inklusive Werkstattteam.

Katar ist kein Einzelfall

Auch der britische Ölkonzern Shell betreibt in Ras Laffan eine Erdgasanlage. Auch diese Infrastruktur wurde von iranischen Bomben getroffen. In diesem Fall rechnet Shell mit Reparaturarbeiten von bis zu einem Jahr. Ähnlich die Situation in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Dort geht der staatliche Ölkonzern ADNOC davon aus, dass seine Anlagen ebenfalls erst in einem Jahr wieder voll produzieren werden.

Im Zuge des Iran-Krieges wurden etliche Bohrplattformen im Persischen Golf stillgelegt. Nun müssen diese Anlagen wieder hochgefahren werden. Je nach Situation sei das ein aufwändiger Prozess, erklärt Energieexpertin Cornelia Meyer: «Es gibt solche Ölfelder, die man sehr schnell wieder hochfahren kann. Aber gerade Offshore-Felder [im Meer, Anmerk. d. Red.] brauchen länger. Es ist kein Lichtschalter, es ist ein Ölfeld.» Das heisst, das Hochfahren geschieht nicht per Knopfdruck, sondern dauert. Beispielsweise weil zuerst wieder Personal und Material auf die Plattformen gebracht werden müssen.

Damit zeigt sich, dass die Kriegsschäden nicht von heute auf morgen behoben sind. Entsprechend dürften die Folgen noch länger spürbar sein. Bei Ras Laffan hat QatarEnergy mitgeteilt, dass die Erdgasproduktion um rund 20 Prozent gedrosselt werden müssen, bis alle Kriegsschäden behoben seien.

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Zudem gibt Ökonomin Cornelia Meyer zu bedenken, dass die Kriegsfolgen längst nicht nur die Öl- und Gasindustrie träfen. «Es sind auch andere Produkte aus der Region betroffen – wie Düngemittel, Aluminium oder Helium.» Dementsprechend braucht es Zeit, bis Produktion und Lieferketten wieder eingespielt sind.

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