Über den Wert der Schlagzeilen
Liebe Leserin, lieber Leser
War es nun ein Erfolg oder nicht? Der amerikanische Präsident kam zwar nicht, dafür der US-Vizepräsident. Er allerdings auch später als geplant, denn die iranische Delegation liess auf sich warten. Gespräche wurden dann immerhin geführt.
Die Frage nach dem Erfolg bezieht sich jedoch nicht auf die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA – sondern auf die Rolle der Schweiz als Gastgeberin.
In manchen einheimischen Medien hiess es sinngemäss, die Schweiz sei in dem Ganzen nicht mehr als die Hotelière: Pakistan und Katar hätten die Mediation übernommen, obwohl doch die Schweiz eine spezielle Stellung zwischen dem Iran und den USA innehabe (mit dem sogenannten Schutzmachtmandat).
Solcher Spott ist kurzsichtig. Wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, wird Mediation immer mehr zur Aufgabenteilung. Abgesehen davon ist die Bereitstellung des geeigneten Austragungsorts keine Banalität: Die Schweiz hat grosse Erfahrung mit der Durchführung hochrangiger Treffen – und geniesst offenbar hohes Vertrauen diesbezüglich. (Übrigens: Der Austragungsort, das Luxusresort Bürgenstock, gehört dem katarischen Staatsfonds.)
Für Schweizer Diplomaten bietet das die Möglichkeit, persönliche Kontakte zu knüpfen und zu pflegen; also diplomatisches Kapital aufzubauen. Und für die Schweiz insgesamt heisst es, wieder mal tagelang weltweit in den Schlagzeilen zu stehen; ohne das Risiko einer gescheiterten Mediation tragen zu müssen.
Das Land hat in den letzten Wochen generell wieder viel Aufmerksamkeit erhalten. Zuerst aufgrund der 10-Millionen-Initiative, dann wegen des G7-Gipfels und nun der Gespräche auf dem Bürgenstock. So festigt sich das Bild eines Landes, in dem über wichtige Belange abgestimmt wird und vor allem, wo die Hohe Politik stattfindet.
Diese Melange ist Gold wert für den Ruf der Schweiz. Ein kleines Land, das international stark vernetzt ist und einen hohen Wohlstand hat, ist auf gute Beziehungen und gute Presse angewiesen. Das wiederum hat sie gemein mit einer Hotelière.
Was haben Sie in den Medien über die Schweiz gelesen? Sie können mir wie immer schreiben auf giannis.mavris@swissinfo.ch
Mit freundlichen Grüssen,
Giannis Mavris
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