Nachfrage nach Canyoning gesunken
Ein Jahr nach dem Canyoning-Drama im Saxetbach bei Interlaken, bei dem 21 Menschen starben, ist der Alltag bei den Anbietern von Adventure-Angeboten noch nicht eingekehrt. Das Angebot ist wieder verfügbar, aber die Schweizer Kundschaft verweigert sich.
Im Saxetbach, der als einfaches Revier mit vielen Ausstiegsmöglichkeiten gilt, werden seit Anfang Juni zwar wieder Touren angeboten. Die Nachfrage halte sich allerdings in Grenzen, versichert der übrig gebliebene lokale Anbieter «Alpin Raft».
Die Firma «Adventure World», die die verhängnisvolle Canyoning- Tour organisiert hatte, war nach einem weiteren Unfall, der am 13. Mai 2000 einem amerikanischen Bungee-Jumper das Leben kostete, geschlossen worden. Über der Muttergesellschaft «Freizeit Aktiv AG» wurde der Konkurs eröffnet.
«Viele Touristen denken, es gebe momentan weder Canyoning noch Bungee-Jumping», sagt Heinz Loosli, Geschäftsleiter von «Alpin Raft» und Pionier im Bereich kommerzieller Trendsportangebote im Berner Oberland.
Massiver Einbruch bei Schweizern
Die Nachfrage sei gegenüber früheren Jahren insgesamt um rund 20 Prozent zurückgegangen, schätzt Loosli. Bei der Schweizer Kundschaft betrage der Einbruch sogar bis zu 80 Prozent. Betroffen seien dabei nicht nur Canyoning und Bungee-Jumping, sondern auch andere Angebote wie River-Rafting, führt Loosli aus.
Hannes Imboden, Direktor von 2Berner Oberland Tourismus» (BOT), findet die ausländische Nachfrage seinerseits praktisch unverändert, während Schweizer zurückhaltender geworden seien. Imboden meint dabei nicht nur Interlaken, sondern das ganze Berner Oberland mit weiteren Hochburgen für Trendsportarten im Simmental und im Saanenland. Imageschädigung und Rückschlag
Die Auswirkungen der beiden Unfälle sind freilich weit übers Berner Oberland hinaus spürbar, wie eine Umfrage unter verschiedenen Anbietern ergeben hat: Man sei «mit zwei Schlägen um Jahre zurückgeworfen worden2, beschreibt etwa Toni Draganits vom Tessiner «Trekking Team» die Situation.
Am Nachmittag des 27. Juli 1999 hatten 21 Menschen beim Durchstieg des Saxetbaches in Wilderswil bei Interlaken ihr Leben verloren. Die jungen Feriengäste stammten überwiegend aus Australien und Neuseeland. Sie waren im Rahmen einer kommerziell geführten Canyoningtour von einer Wasserwalze überrascht und weggespült worden. Ein Opfer konnte bis heute nicht geborgen werden.
Am 27. Juli ist eine Gedenkfeier geplant.
swissinfo und Agenturen
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