Neuer Prozess gegen Hänggi und Giovanoli in Guatemala
In Guatemala wird ab heute Dienstag (25.07.) ein weiteres Kapitel im Fall Hänggi und Giovanoli geschrieben. Der Prozess gegen die des Drogenhandels verdächtigten Schweizer wird in Izabal, 300 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, neu aufgerollt.
Nicolas Hänggi und Silvio Giovanoli sitzen bereits seit August 1997 in Guatemala im Gefängnis. Im September 1998 wurden sie wegen Drogenschmuggels zu einer Gefängnisstrafe von 20 Jahren verurteilt. Nicolas‘ Vater, der ehemalige Nestlé-Direktor Andreas Hänggi, erhielt eine Strafe von zwölf Jahren.
Ebenfalls zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden der Deutsche Joachim Schilling und der lokale Polizeichef José Luis Zebadua. Den fünf Männern wird vorgeworfen, sich an einem Schmugglerring, der «conexión alemana», beteiligt zu haben, der Kokain im Wert von 100 Mio. US-Dollar nach Europa geschafft haben soll.
In der Berufungsverhandlung im Februar 1999 hob die Appellationskammer das erstinstanzliche Urteil auf. Andreas Hänggi, Schilling und Zebadua wurden freigesprochen, die Strafen für Nicolas Hänggi und Giovanoli von 20 auf drei beziehungsweise fünf Jahre reduziert.
Ungenügendes Beweismaterial
Nach einem Entscheid des Obersten Gerichts vom Herbst 1999 wird nun auf Grund von Formfehlern der ganze Prozess neu aufgerollt. Die Anhörung der Beteiligten sowie verschiedener Zeugen hätten in den Unterlagen gefehlt, sagte damals ein Sprecher des Gerichts.
Andreas Hänggi, der das Land nach dem Freispruch im Februar 1999 unverzüglich mit unbekanntem Ziel verlassen hatte, wird am Dienstag nicht vor Gericht erscheinen. Auch Schilling und Zebadua dürften sich nicht blicken lassen.
So werden sich nur zwei der fünf Angeklagten erneut verantworten. Die restlichen drei werden in Abwesenheit beurteilt.
Ein Mitarbeiter des Eidg. Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wird dem Prozess in Izabal nach Angaben vom Freitag (21.07.) beiwohnen. «Wir haben die Gefangenen regelmässig besucht und den Kontakt mit ihren Angehörigen in der Schweiz aufrecht erhalten», sagte eine Sprecherin. Körperlich gehe es ihnen gut.
swissinfo und Agenturen
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