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Nicole Brändli um 41 Hundertstel am Gold vorbei

Nicole Brändli: Noch hat die 22-Jährige die Radzukunft vor sich. www.fpc2001.com

An der Strassen-WM in Lissabon (Por) hat im Zeitfahren der Frauen das Alter über die Jugend gewonnen. Die 43-jährige Französin Französin Jeannie Longo-Ciprelli gewann ihren 13. WM-Titel und verwies die 21 Jahre jüngere Nicole Brändli um 41 Hundertstelsekunden auf Platz 2.

8,46 Sekunden Vorsprung für Nicole Brändli wurden nach 4,5 km gestoppt. 4,37 Sekunden machte die Reserve der Zürcherin nach 13,0 km noch aus. Und im Ziel hatte das Pendel ganz knapp zugunsten von Jeannie Longo-Ciprelli ausgeschlagen; nach 19,2 km wies Brändli 4,5 m Rückstand auf. «Ich war mir bewusst, dass es knapp werden könnte», hielt die Gewinnerin der Silbermedaille fest, die in den ersten Augenblicken ihre Tränen fast nicht zurückhalten konnte.

Sie habe sich einen Medaillengewinn zum Ziel gesetzt, bekannte Brändli. In ihrem Kopf hatte die Auszeichnung aber nur golden sein können. Brändli: «Der Gewinn des WM-Titel wäre etwas Grossartiges gewesen. Jetzt bin ich knapp gescheitert. Deshalb war ich im ersten Moment sehr enttäuscht.»

Während ihres Einsatzes von einer knappen halben Stunde habe sie alles richtig gemacht. Es sei optimal gelaufen, bestätigte Nicole Brändli, sie habe stets einen guten Rhythmus gefunden und die Anstiege mit einer guten Trittfrequenz bewältigt. Doch nach der zweiten Zwischenzeitnahme führte die Strecke leicht bergab ins Ziel. Zudem wehte ein nicht zu unterschätzender Gegenwind. Brändli: «In den Steigungen fühle ich mich besser. Auf diesem Schlussteil konnte Longo die grösseren Übersetzungen drücken.»

Die frühere kaufmännische Angestellte, die den Radsport als Vollprofi ausübt, wird noch weitere Gelegenheiten erhalten, ihren Traum vom WM-Titel zu verwirklichen. Die nationale Strassenmeisterin und diesjährige Europameisterin im Zeitfahren verzeichnete in dieser Saison bemerkenswerte Fortschritte. Nicole Brändli beendete den Giro als Gesamt-Zweite und konnte sich im September nach ihrem 1. Platz in der Toskana-Rundfahrt über den ersten Erfolg in ihrer Laufbahn in einem Etappenrennen freuen.

Dem Schweizer Frauenradsport bescherte Nicole Brändli die erst vierte WM-Medaille. 1996 war Barbara Heeb in Lugano Strassenweltmeisterin geworden. Der gleiche Erfolg war Andrea Hänni 1995 bei den Juniorinnen gelungen. Und 1997 in San Sebastian (Sp) war Brändli im WM-Strassenrennen als Juniorin auf den 2. Platz gefahren.

Vor genau 20 Jahren hatte Jeannie Longo in Prag als Zweite des Strassenrennens ihre erste WM-Medaille gewonnen. Im Verlaufe von zwei Jahrzehnten kamen vor Lissabon fünf Titel auf der Strasse, drei im Zeitfahren und in der Einzelverfolgung sowie einer im Punktefahren zusammen.

«Dieser Sieg berührt mich ganz besonders. Er stellt die Krönung meiner Laufbahn dar», meinte die Französin, die diese Titelkämpfe mit Training auf ähnlich schwierigen Strecken vorbereitet hatte. Nach Kolumbien vor sechs Jahren habe diese Strecke in Lissabon das zweitschwierigste Zeitfahren ihrer Karriere dargestellt. Weil sie in ihrem Alter nicht mehr zu den Schnellstarterinnen zähle, sei ihr die Länge dieser Prüfung gegen die Uhr entgegen gekommen.

Zwar hat Longo schon verschiedentlich ihren Rücktritt angekündigt und ist wenige Wochen später auf ihren Entschluss zurückgekommen. Jetzt wagt sich die Französin in Bezug auf ihre sportliche Zukunft auf keine Prognosen mehr hinaus.

Mit Platz 10 rundete Priska Doppmann bei ihrer WM-Premiere das Schweizer Ergebnis ab. Weil sie sich verschaltete, musste die Zugerin in einer Steigung absteigen, um das Missgeschick zu beheben. Durch das Wiederanfahren in einer Steigung gingen wertvolle Sekunden verloren.

Doppmann wird am Samstag im Strassenrennen ebenso zu beachten sein wie Nicole Brändli. Die Zürcherin wollte sich aber nicht in die Favoritenrolle drängen lassen und verwies zusätzlich darauf, dass Gegnerinnen wie die letztjährige Strassenweltmeisterin Olga Stahurskaja (Russ) oder die zweifache Olympiasiegerin Leontien van Moorsel-Zijlaard (Ho) auf die Teilnahme am Zeitfahren verzichtet hatten.

swissinfo und Toni Nötzli, Lissabon (SI)

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