Presseschau vom 15.10.2002
Noch beschäftigt der Anschlag auf Bali die Schweizer Zeitungen. Aber auch die erneute britische Direktherrschaft in Irland wird kommentiert.
«Zum schrecklichen Wesen des Terrors gehört die Ungewissheit darüber, wer wann und wo und wie zuschlägt.»
Das schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG in ihrer Dienstags-Ausgabe. Und äusserst sich vorsichtig über das «wer»:
«Wer hinter dem Blutbad von Bali steht, wird wie bei andern Terroranschlägen wohl nie bis ins Detail zu klären sein.»
Al Kaida, so die NZZ, sei inzwischen zum Inbegriff des internationalen Terrorismus geworden. Das Netzwerk werde deshalb auch hinter dem jüngsten Schlag in Indonesien vermutet. Doch, meint die NZZ:
«Al-Kaida ist wohl nicht viel mehr als ein Name, der für ein sehr lockeres und weitgehend strukturloses Gebilde von terroristischen Zellen steht.»
In diesen Sinne findet auch die welsche LE TEMPS:
«Für alle, welche die Attacke gegen den Öltanker Limburg kalt gelassen hat. Das Blutbad in Bali erinnert uns daran, dass das Netzwerk Al-Kaida, das man nach Afghanistan als besiegt wähnte, immer noch da ist.»
Die grausame Bestätigung, dass Al-Kaida keineswegs zerschlagen sei, so die AARGAUER ZEITUNG, könnte den amerikanischen Präsidenten Bush dazu verleiten, nun die Kriegsvorbereitungen gegen Irak voranzutreiben unter dem Motto «jetzt erst recht». Doch die Zeitung warnt:
«Das greift zu kurz: Saddam Hussein ist ein Despot, der auch Massenvernichtungs-Waffen besitzt. Doch der Irak ist kaum ein Rückzugsgebiet von Al-Kaida. Die Gefahr lauert anderswo.»
Nordirland steht wieder unter britischer Direktherrschaft – zum vierten Mal seit Beginn der Autonomie 1999. Die BERNER ZEITUNG:
«Keine schöne Lösung. Gewissermassen per Fernbedienung ein demokratisch gewähltes Parlament auf unbestimmte Zeit im Tiefkühlfach verschwinden zu lassen und die Regierung noch dazu.»
Das habe den Geruch der kolonialen Willkür, schreibt die BZ und fragt:
«Was aber, wenn alle andern Lösungen viel destruktiver gewesen wären?»
Antwort:
«In der Tat, genauso ist es!»
Der Berner BUND findet, der Trick, der nun zum vierten Mal angewendet werde, diene nur dazu, den Tod des Friedensprozesses hinauszuschieben:
«Er ist die Antwort auf das Ultimatum des nordirischen Regierungschefs Trimble, der den Hinauswurf von Sinn Fein aus der Regierung forderte.»
Der Zürcher TAGES ANZEIGER hofft, dass die Londoner Regierung auf Reformkurs bleibt und die Regierung Irlands in Dublin als tatsächliche Partnerin in Erscheinung tritt. Und so kommt der Tagi zu einem Allerweltsschluss:
«Je länger diese Krise anhält, desto gefährlicher kann die Lage werden. Je rascher eine Lösung gefunden wird, desto besser die Chancen, Nordirlands brodelnde Energien in konstruktive Bahnen zu lenken.»
Die Grossbank UBS verkündet, die Arbeitslosigkeit in der Schweiz werde weiter ansteigen. Dazu passt, dass eine Schweizer Traditionsfirma endgültig die Tore geschlossen hat: Saurer Lastwagen in Arbon.
Die Nachfolgefirma NAW macht zu, und 250 Leute verlieren die Arbeit. Der BLICK sieht den Grund in der einstigen Monopolstellung des Unternehmens:
«Viel zu lange hatten es sich die Saurer-Manager auf dem Ruhekissen der Staatsaufträge wohl sein lassen. Als Hoflieferant von Armee und Post liess es sich über Jahre gut leben. Und für private Transpörtler war es fast Landesverrat, eine andere Marke als Sauerer zu kaufen.»
Fazit des BLICK:
«Monopole machen träge. Sie müssen zerschlagen werden.»
Urs Maurer
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