Schweiz soll handeln
Fünf Schweizer Hilfswerke fordern Aussenminister Joseph Deiss wegen der Lage in Afghanistan zum Handeln auf. Ein Bürgerkrieg wird befürchtet.
Deiss soll alles in seiner Macht Stehende unternehmen, damit in Afghanistan die Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen respektiert wird, verlangen die Hilfswerke Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas und Caritas in einem Brief an den Schweizer Aussenminister.
Offensichtlich seien weder die Nord-Allianz noch die sie unterstützenden USA gewillt, diese Konvention im Norden Afghanistans einzuhalten. Bei einer Einnahme der Stadt Kundus müsse deshalb befürchtet werden, dass Tausende von ausländischen Söldnern durch die Nordallianz massakriert würden.
Terre des Hommes fürchtet Bürgerkrieg
Nach der Machtübernahme der Nordallianz hält der Afghanistan-Projektleiter von Terre des Hommes, Reinhard Fiechtl, einen neuen Ausbruch des Bürgerkriegs für sehr wahrscheinlich.
«Die Nordallianz ist ein Zweckbündnis und viele ihrer Kommandanten können sich nicht riechen», erklärt Reinhard Fichtl, der längere Zeit in Afghanistan gearbeitet hat.
Schon jetzt seien einzelne Kriegsherren dabei, das Land wieder unter sich aufzuteilen. «In den Paschtunen-Vierteln Kabuls herrscht nach dem Einmarsch der Nordallianz überhaupt keine Freude», so Fichtl.
Für einen grossen Fehler hält Fichtl den Ausschluss der Taliban von der Afghanistan Konferenz, die ab Montag in Bonn stattfindet. Die Taliban seien in Afghanistan eine politische Kraft und Teil der Gesellschaft. «Auch viele, die selbst keine Taliban sind, stehen hinter ihnen.»
Für Paschtunen aus dem Süden Afghanistans sei es aus logistischen Gründen unmöglich, überhaupt nach Bonn zu kommen. «Es werden hauptsächlich Exil-Afghanen und ein paar Alibi-Paschtunen dabei sein», prognostiziert Fichtl. Eine politische Ordnung, die dem Land Stabilität und Frieden bringt, verspricht sich der Afghanistan-Kenner von der Bonner Konferenz nicht.
Glückskette intensiviert Sammelaktion
Die Glückskette hat zu weiteren Spenden zu Gunsten notleidender Menschen in und um Afghanistan aufgerufen. Es gehe dabei um Soforthilfe vor allem für Frauen, Kinder und ältere Menschen, teilte die Glückskette mit.
Die Partner-Hilfswerke Schweizerisches Rotes Kreuz, HEKS, Terre des Hommes, Médecins sans Frontières und Medair leisten nach Angaben der Glückskette zur Zeit Soforthilfe in der Höhe von rund 3 Mio. Franken.
Neben der Lieferung von Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Kleidern, Zelten und Medikamenten sei zudem der Einsatz von medizinischem Personal geplant.
swissinfo und Agenturen
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