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Ungewisse Zukunft für Rallye Dakar

5. Etappe des Rallye Dakar in der mauretanischen Wüste. Keystone

Nach der kurzfristigen Absage des Rallye Dakar wegen Terrordrohungen ist fraglich, ob das Motorrennen durch die Sahara jemals wieder durchgeführt wird.

Philippe Cottet, einer von zwei Schweizer Motorrennfahrern, die am Samstag in Lissabon an den Start zum 9000-Kilometer-Rennen hätten gehen sollen, bedauert die Absage.

Zum ersten Mal in seiner 30-jährigen Geschichte wurde das Rallye Dakar am Freitag wegen Sicherheitsbedenken in Mauretanien abgesagt.

Nach Beratungen mit der französischen Regierung und deren eindringlichen Warnungen hätten die Organisatoren «keine andere vernünftige Lösung» gesehen, als das traditionsreiche Rennen abzusagen.

Nach dem Mord an vier französischen Touristen am Heiligen Abend in Mauretanien hatte Frankreich seinen Staatsbürgern dringend von Reisen in das Land abgeraten.

Die Tat wurde einer Schläferzelle militanter Islamisten mit Verbindungen zur Al-Kaida im Maghreb zugeschrieben. Vier Tage später waren im Norden Mauretaniens drei Soldaten getötet worden, dahinter wurden ebenfalls Terroristen vermutet.

Nicht nur die Ermordung der französischen Touristen, sondern vor allem «direkte Drohungen» von Terrorgruppen hätten die Veranstalter zu ihrer Entscheidung bewogen, erklärte die Amaury Sport Organisation (ASO).

Schweizer Teilnehmer enttäuscht

Der Schweizer Motorrennfahrer Philippe Cottet kritisiert die Absage: «Es ist sowohl sportlich wie persönlich eine Riesenenttäuschung», sagt er gegenüber swissinfo. «Es war ein grosser Aufwand, es überhaupt bis zum Start zu schaffen, und nun sagt man mir, ich könne wieder nach Hause gehen. Für die Terroristen bedeutet dies einen Sieg.»

Die Absage, insbesondere so kurz vor dem Start, sei für die meisten überraschend gekommen, sagt der 36-jährige Motorrennsportler von Collombey-Muraz im Kanton Wallis.

«Niemand hätte so etwas für möglich gehalten», ergänzt Cottet, der zum vierten Mal am Rallye Dakar hätte teilnehmen wollen und einen Rang unter den ersten 20 im Visier hatte.

Wenig Information

Cottet kritisiert, dass die Veranstalter keine konkreten Angaben über die Terrordrohungen gemacht hätten. «Als Teilnehmer und direkt Betroffene hätten wir etwas mehr Informationen über die Gründe der Absage erwartet.»

Das Rennen hätte am Samstag in Lissabon starten und am 20. Januar in Senegal enden sollen. Acht der fünfzehn Etappen hätten durch Mauretanien führen sollen. Rund 550 Teilnehmer – darunter Autos, Lastwagen und Motorräder – hätten die 9270–Kilometer-Strecke abfahren sollen.

Der besondere Reiz des Rennens – der Verlauf durch afrikanische Wüsten, Steppen und Savannen – ist auch sein wunder Punkt, was die Sicherheit betrifft. Es ist schwierig, in einer so verlassenen Gegend Tausende von Leuten zu schützen.

Mauretanien verärgert

Paris hatte am Donnerstag gefordert, die Mauretanien-Etappen des Rennens zu streichen. Schliesslich sagten die Veranstalter das ganze Rennen ab. Was die Sicherheit der Bevölkerungen und der Rallye-Teilnehmer angehe, könne man keine Kompromisse machen.

Der französische Aussenminister Bernard Kouchner lobte «den Mut und die Vernunft» der Entscheidung. Cyril Neveu, der die berühmte Wüstenrallye durch die Sahara fünf Mal auf dem Motorrad gewonnen hatte, zeigte Verständnis. «Viele werden sehr enttäuscht sein, aber die Gefahr von Terroranschlägen auf die Karawane war nicht auszuschliessen.»

Verärgert reagierte die mauretanische Regierung. Sie hatte mehr als 3000 Sicherheitskräfte zum Schutz der Rallye zugesagt.

Die Entscheidung könnte Auswirkungen auf die Zukunft des Rennens haben. Die französische Presse unterstrich die Schwierigkeiten, die Sicherheit in einem solchen Land zu garantieren: «Die Absage der diesjährigen Ausgabe könnte das Aus für das Rallye Dakar bedeuten», schreibt die «Liberation».

swissinfo, Simon Bradley
(Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Schanda)

Das einstige Paris-Dakar-Rallye heisst heute Lissabon-Dakar-Rallye und findet jährlich statt. Es ist für Amateure (80%) und Profis offen.

Das erste Rennen wurde 1979 durchgeführt.

Es gab immer wieder Kritik und Forderungen, das Rennen einzustellen, weil die schnellen Fahrzeuge Unfälle verursachen und eine Gefahr für die lokale Bevölkerung darstellen.

55 Menschen sind dabei bisher ums Leben gekommen.

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