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Der bescheidene Triumph der ICT

Helsinki, Bahnhofplatz, an einem Regentag.

(swissinfo.ch)

Finnland befindet sich in Sachen Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) weltweit unter den Ersten.

Dies veranschaulicht eine Begegnung mit zwei Schweizer Ingenieuren, die, begeistert von der finnischen Lebensart und Effizienz, heute nördlich des 60. Breitengrades leben.

Nicht die Modernität sticht bei der Ankunft in Helsinki als erstes ins Auge, denn unter dem wolkenverhangenen Himmel eines regnerischen Herbstbeginns bietet die finnische Hauptstadt seinen Besuchern nicht viel mehr als strenge, düstere Fassaden, die eher durch Masse als durch Eleganz beeindrucken.

Die Menschen in Finnland, einem Land, das seit langem zwischen den zwei grossen Nachbarn Schweden und Russland eingeklemmt ist, sind stolz auf ihre hart erkämpfte Unabhängigkeit im Jahr 1917. Für sie kommt Effizienz vor Masslosigkeit, Nüchternheit vor Schnörkel.

Aber sogar in den altmodischsten Läden vertreibt sich die Verkäuferin beim Warten auf Kundschaft die Zeit mit Surfen oder Chatten im Internet. Und auf der Strasse, in den Cafés und Bussen haben alle ein Handy am Ohr.

Denn Finnland, das Land der Seen und Wälder, der Sauna und des funktionellen Designs, ist seit zehn Jahren bei den Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) zu einer Weltsupermacht aufgestiegen.

"Dieser Erfolg hängt sicher von mehreren Faktoren ab", erklärt der Vizepräsident von Stonesoft, einem Unternehmen mit 180 Angestellten, das Sicherheitslösungen für Informatiknetze in 19 Ländern entwickelt und verkauft.

"Hier", so Tobias Christen weiter, "wurde der Telekom-Markt sehr früh liberalisiert. Und die Leute in Finnland sind offen, ein wenig verrückt und schnell bereit, etwas Verrücktes zu akzeptieren."

Die Besten entscheiden

Bevor der 36-jährige Basler Ingenieur zu Stonesoft kam, hatte er für Novartis und UBS gearbeitet. Seit 1999 lebt er in Helsinki. In Finnland hat er eine Unternehmenskultur vorgefunden, die sich stark von jener in der Schweiz unterscheidet.

"Hier wird sehr schnell entschieden", sagt Christen. "Und in der Hierarchie steht nicht unbedingt zuoberst, wer Recht hat, auch nicht, wer am lautesten schreit. Im Allgemeinen kommt dieser Platz den Fähigsten zu."

Diese Feststellung bestätigt auch Simon Riesen, der für die Verkaufsteams den technischen Support der Netzwerkabteilung des Riesen Nokia für die deutschsprachigen Länder leitet.

"In Finnland", betont der 37-jährige Berner Ingenieur, der seit gut zehn Jahren in Skandinavien lebt, "verlaufen die Hierarchien praktisch horizontal. Die Chefs sind nicht da, um die Arbeit der anderen zu überwachen, sondern um die Leistungen zu koordinieren."

Und offenbar weiss man in Finnland, was Leistung heisst. "Man arbeitet nicht mehr als acht Stunden pro Tag", erklärt Christen. "Man wird effizienter. Man ist zwar nicht lange im Büro, aber wenn man dort ist, legt man sich ins Zeug."

Der Ruf der Weite

Wie Simon Riesen ist auch Tobias Christen mit einer Finnin verheiratet. Und wegen ihrem Bedürfnis nach Weite hat das Paar beschlossen, sich in der Heimat der Ehefrau niederzulassen."„Hier gibt es riesige offene Räume", begeistert sich der Basler. "Und auch im Geist der Menschen hat es viel Platz."

Simon Riesen seinerseits findet mehrere Gemeinsamkeiten zwischen den Leuten Finnland und jenen in der Schweiz.

"Sie sind, wie wir, eher reserviert und entwickeln Pflichtgefühl. Aber sie hängen auch sehr an ihrer Freiheit und respektieren die Freiheit der anderen", so der Berner.

Sind die Finninnen und Finnen also traurig und grau wie der Herbsthimmel? Sicher nicht. Erst recht nicht nach der Arbeit. Wenn es Nacht wird, ertönen in den Pubs der Hauptstadt die Klänge von Hardrock oder einer lokalen Technomusik, die sich übrigens weit herum einen Namen geschaffen hat. Und das Bier fliesst in Strömen.

"Hier wird getrunken wie in Irland", stellt Tobias Christen fest. "Nicht täglich, aber wenn, dann gleich richtig."

swissinfo, Marc-André Miserez, Finnland
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Finnland ist so gross wie Italien und die Schweiz zusammen, hat aber nur 5,2 Millionen Einwohner.

Die Wälder bedecken drei Viertel, die 190'000 Seen gut 10% der Fläche des Landes.

Seit den 90er-Jahren investiert der Staat massiv in technologische Ausbildung, Forschung und Entwicklung.

Alle Schulen und Bibliotheken des Landes wurden mit Internetanschlüssen ausgerüstet.

Ende 2002 besassen 88% der Finninnen und Finnen ein Handy.

In der gleichen Zeit zählte Finnland 1,1 Millionen Internetanschlüsse, davon über 500'000 Breitbandanschlüsse.

Die Hälfte der Menschen im Land surft regelmässig im Internet.

Seit 10 Jahren ist Finnland bei der Nutzung der ICT regelmässig unter den drei vordersten Ländern zu finden.

Es ist auch die Heimat von Nokia, der weltweiten Nummer 1 bei den Handys.

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