Der Süden - mitten unter uns

Bashkim im gleichnamigen Film von Vadim Jendreyko (Bild: Filmfestival Freiburg)

Das 16. Internationale Filmfestival Freiburg zeigt dieses Jahr auch Filme aus dem "Norden" mit einer "südlichen" Problematik. So zum Beispiel den Schweizer Film "Bashkim".

Dieser Inhalt wurde am 13. März 2002 - 16:26 publiziert

Bashkim kommt als 10-Jähriger aus dem Kosovo in die Schweiz, übt sich fleissig im Thaiboxen und wird Schweizer Meister. Gewalt spielt in seinem Leben eine zentrale Rolle und wird, angesichts mangelnder Sprachkenntnisse, zu einer Art Ausdrucksmittel für ihn. Immer wieder bekommt es Bashkim mit der Polizei zu tun und landet schliesslich im Gefängnis.

"Bashkim hat seine Heimat verlassen, seine Freunde, seine Kultur - eigentlich seine Identität - und kam in ein völlig fremdes Landes, dessen Sprache er nicht beherrschte", erklärte der Schweizer Regisseur Vadim Jendreyko, der Bashkim über zwei Jahre lang begleitet hat. Interessiert habe ihn vor allem die Ambivalenz dieser Figur, so Jendreyko gegenüber swissinfo.

In der Fremde Fuss fassen

Die Ambivalenz dieses jungen Kosovaren kommt im Film sehr klar zum Ausdruck: Da ist einerseits dieses impulsive Temperament des Jugendlichen, andererseits lernt Bashkim mit der Zeit verstehen, dass mit Gewalt keine Probleme gelöst werden können. Zudem wissen die Zuschauer, dass der begabte Thaiboxer aus einem Konfliktgebiet stammt, in dem Gewalt kein Fremdwort ist.

"Wenn jemand in einem Alter wie Bashkim einen so radikalen Einschnitt in seiner Biographie erfährt, dann lässt sich das nur meistern, wenn dieser Mensch sehr viel Zuwendung bekommt, von verschiedenen Seiten", erklärte Vadim Jendreyko, der für seinen Film mit dem Schweizerischen Filmpreis 2002 ausgezeichnet wurde.

Bleiben - gehen

Auch der Film "Tirana, Viti Zero" (Tirana, im Jahr Null), der wie "Bashkim" im Panorama "Der Süden - eine Gebrauchsanleitung" gezeigt wird, setzt sich mit dem Thema Migration auseinander. Das im letzten Jahr entstandene Werk von Fatmir Koçi zeigt die Armut und die wirtschaftlich desolate Lage in diesem bergigen Balkanland, das viele Jahrzehnte in Isolation lebte.

Wir lernen den 23-jährigen Niku kennen, der Arbeit sucht und in Klara verliebt ist. Er will im Land bleiben, sie möchte jedoch nach Paris auswandern, weil sie in Albanien keine Zukunft sieht.

"Viele junge Menschen wollen weg, im Ausland studieren oder arbeiten", sagt Fatmir Koçi. Seit 1990 seien rund eine Million Albaner ausgewandert. Sein Film zeige ein realistisches Bild seiner Heimat, die zwar in Europa liege, aber irgendwie doch weit weg sei. "Es ist zu früh, für Albanien eine Prognose zu stellen, die Gesellschaft ist jung, wir waren lange Zeit isoliert. Die Lage hat sich aber verbessert, es gibt Hoffnung", so Koçi.

Neuausrichtung des Festivals

Da viele Filmemacher aus dem Süden in der Schweiz und anderen hoch-industrialisierten Ländern lebten, könnten ihre Filme am Festival nicht ausgeschlossen werden, betont Charles Ridoré, Präsident des Freiburger Festivals. "Auch ihre Filme geben uns eine Sicht auf die Nord-Süd-Probleme."

Der Begriff des Südens könne nicht länger nur geographisch definiert werden. "Der Süden befindet sich auch im Norden und umgekehrt. Auf diese neue Realität muss das Festival reagieren", so Ridoré.

Gaby Ochsenbein, Freiburg

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