Deutsche Post: Kein höheres Porto im nächsten Jahr (AF)
BONN (awp international) – Die Deutsche Post hält das Inlands-Briefporto im kommenden Jahr stabil. Der Konzern werde für 2012 keine Portoerhöhung beantragen, sagte ein Post-Sprecher am Mittwoch in Bonn. Die Post reagierte damit auf neue Festlegungen der Bundesnetzagentur. Nach den Vorgaben der Behörde bliebe der Deutschen Post auch nur wenig Spielraum für Preiserhöhungen. An seinen Gewinnzielen hält der Konzern dennoch fest. Die Post-Aktie gehörte mit einem Plus von gut zwei Prozent am Nachmittag zu den stärkeren Werten im Dax .
Die Post plant nach bisherigen Aussagen, den operativen Gewinn der Briefsparte in den kommenden Jahren bei rund einer Milliarde Euro stabil zu halten. Für 2011 peilt das Management 1,0 bis 1,1 Milliarden Euro an.
Ein Standard-Inlandsbrief soll 2012 wie seit vielen Jahren weiterhin 55 Cent kosten, für eine Postkarte müssen 45 Cent bezahlt werden. Das Porto ist seit 14 Jahren nicht mehr erhöht worden. Beim Standardbrief gab es 2003 sogar eine Preissenkung.
Die Entscheidung kam nach langem Gezerre zustande, wie das Porto der Post gestaltet werden soll. Der Bonner Konzern beherrscht das nationale Briefgeschäft mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent, muss sich aber einen Teil seiner Preise von der Netzagentur vorab genehmigen lassen.
Das nationale Briefgeschäft ist traditionell der Gewinnbringer des Konzerns. Zu schaffen macht der Sparte, dass in Zeiten von Fax und E-Mail immer weniger Briefe geschrieben werden. Der zunehmende Paketversand gleicht dies teilweise aus.
Post-Vorstandschef Frank Appel hatte wiederholt auf eine Neuregelung bei der Preisfestlegung durch die Netzagentur gedrungen, um das Porto bei seit Jahren gestiegenen Kosten erhöhen zu können. Damit will die Post auch den rückläufigen Sendemengen im klassischen Briefgeschäft begegnen und berücksichtigt sehen, dass es höhere Kosten für Transport und Personal gibt.
Doch die jetzt getroffene Entscheidung der Behörde lässt der Post nur einen moderaten Spielraum für höheres Porto. Der Konzernsprecher bezifferte diesen Spielraum auf 1,2 Prozent. Für das nächste Jahr lohne sich eine geringe Änderung für die Post nicht, weil dafür in den nächsten Monaten noch zu viele Umstellungen mit einem hohen Aufwand erfolgen müssten.
Die Post sei mit der Vorgabe unzufrieden, betonte der Sprecher. Denn noch immer lege die Netzagentur bei ihrer Berechnung auch Produktivitätsfortschritte zugrunde. Für die Jahre 2012 und 2013 hat sie dafür jeweils 0,6 Prozent festgesetzt. «Das ist unberechtigt, da die Produktivität bei uns ausgereizt ist», sagte der Post-Sprecher.
Die Entscheidung der Netzagentur ermögliche der Post «die Aufrechterhaltung hoher Qualitätsstandards zu erschwinglichen Preisen», sagte ihr Präsident Matthias Kurth. Die Post solle auch einen Anreiz erhalten, «ihr hohes Leistungsniveau im Interesse der Bürger beizubehalten». Formal ist die Entscheidung der Netzagentur noch nicht rechtsgültig.
Die Vorgaben der Netzagentur für den Produktivitätsfortschritt sollen für zwei Jahre gelten. Damit liegt es an der Post, möglicherweise im Jahr 2013 noch Preiserhöhungen zu beantragen, falls es dann neue Spielräume gibt./ba/stw/DP/wiz