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25 Jahre Babyfenster in der Schweiz

25 Jahre Babyfenster in der Schweiz.
In solchen Fenstern können Neugeborene sicher abgegeben werden. SRF

Die speziellen Einrichtungen für Mütter in Not haben seit 2001 31 Neugeborene aufgenommen. Ihr Ziel ist es, Kindsaussetzung zu verhindern.

Das Babyfenster wird 25 Jahre alt. Die Möglichkeit, Neugeborene anonym abzugeben, ist dazu gedacht, tragische Fälle von Kindsaussetzung zu verhindern. Das erste Babyfenster in der Schweiz wurde am 9. Mai 2001 im Regionalspital Einsiedeln eröffnet; im letzten Herbst wurde es ins Spital Schwyz verlegt.

Seit Beginn ist die Zahl der Babyfenster in der Schweiz auf acht gestiegen. Eines davon ist seit 2014 auch am Ospedale San Giovanni in Bellinzona in Betrieb.

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Der Dienst hat in diesen Jahren wesentlich dazu beigetragen, die Zahl der ausgesetzten und tot aufgefundenen Neugeborenen zu verringern. Zwischen 1997 und 2001, also in den fünf Jahren vor der Einführung des Babyfensters, wurden in der Schweiz 13 Kinder ausgesetzt, neun davon starben. In den ersten fünf Jahren danach (2002–2006) wurden drei Neugeborene im Babyfenster abgegeben; fünf wurden ausgesetzt, wovon drei starben.

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Der umstrittene Boom der Babyfenster

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Bis Juni 2012 war eine solche Einrichtung auf Einsiedeln beschränkt. Am dortigen Spital war das Babyfenster im Mai 2001 eröffnet worden. Die Initiative war von der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind (SHMK) ergriffen worden, einer Stiftung, welche gegen Abtreibung kämpft sowie Frauen, Paare und Familien berät, die durch Schwangerschaft oder Geburt eines Kindes in…

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Im Laufe der Zeit hat sich ein klarer Trend ergeben: Die Zahl der abgegebenen Kinder hat zugenommen, während die Zahl der ausgesetzten Kinder gesunken ist. Von 2022 und 2026 wurden keine ausgesetzten Kinder verzeichnet, während vier in einem Babyfenster abgegeben wurden.

«Insgesamt wurden bis heute in der Schweiz 31 Kinder an einen Schalter abgegeben. In sechs Fällen hat es sich die Mutter anders überlegt und das Neugeborene wieder zu sich genommen», erklärt Dominik Müller, Präsident und Gründer der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind und Initiator des Babyfensters in der Schweiz.

«Sieben weitere Mütter hingegen haben sich gemeldet, damit die Kinder die Möglichkeit haben, zu gegebener Zeit zu erfahren, wer ihre Eltern sind».

Die Gründe fürs Abgeben

Was bewegt eine Mutter zu diesem Schritt, ihr Neugeborenes in einem Babyfenster abzugeben? Jeder Fall ist einzigartig, und diese Frage lässt sich nicht abschliessend beantworten.

Wie Dominik Müller erklärt, gibt es jedoch wiederkehrende Elemente: Die Frauen wünschen sich vor allem, «dass niemand von der Schwangerschaft und der Geburt erfährt, und sie sind überzeugt, das Kind nicht behalten zu können». Die Schwangerschaft sei für diese Frauen mit einem zunehmenden Stress verbunden. Dass Wissen darum, dass es Babyfenster gibt, könne hier eine Verbesserung bringen.

«Aus diesem Grund», sagt Müller, «ist es notwendig, dass dieses Angebot der Bevölkerung bekannt ist, und es sollte ausgebaut werden, damit Frauen, die sich in einer Notsituation befinden, nicht zu weit fahren müssen, falls sie sich entscheiden sollten, ihr Kind abzugeben».

«Meine Tochter wächst gleich gut auf wie alle Kinder. Auch mir geht es sehr gut, ich habe die Geschichte überwunden: Ich arbeite, ich bin eine Person wie alle anderen.» Das sagt eine Mutter zu RSI. Sie hat ihr Kind in einem Babyfenster abgegeben, danach aber beschlossen, das Kind wieder zu sich zu nehmen. Um ihre Anonymität zu wahren, hat die Frau, heute etwas über vierzig, sich entschieden, sich Marie-Louise nennen zu lassen.

«Ich hatte mich von meinem Partner getrennt, es ging mir psychisch nicht sehr gut», sagt Marie-Louise. «Ich habe von der Schwangerschaft erst wenige Tage vor der Geburt erfahren. Ich hatte keine Zeit, es zu realisieren, und das Mädchen wurde zu Hause geboren. Glücklicherweise hat mir eine Freundin geholfen: Wir haben im Internet nach Informationen gesucht und dort habe ich die Kontakte der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind gefunden. Ich habe mich sofort an sie gewandt und erhielt Hilfe. Ich brauchte vor allem jemanden zum Reden, und sie haben mich gebeten, zu ihnen zu kommen, aber ich habe abgelehnt und habe die Kleine ins Babyfenster gegeben.»

«Einige Tage später habe ich mir gesagt: ‚Was habe ich getan? Ich habe mein Kind ausgesetzt'», fährt die Frau fort. «Ich habe die Organisation wieder angerufen, die mit mir für den folgenden Tag einen Termin vereinbart hat. Dort habe ich Herrn Müller getroffen, der mir sofort erklärt hat, was ich tun musste, um meine Kleine zurückzubekommen. Natürlich war es nicht einfach. DNA-Test, regelmässige Treffen mit den regionalen Schutzbehörden, aber nach sieben Monaten habe ich es geschafft, meine Tochter zurückzubekommen. Das Mädchen hat eine Zeit bei einer Pflegefamilie verbracht, die sie geliebt hat, und ich möchte betonen, dass dies wichtig ist. Mit ihnen bin ich in Kontakt geblieben, sie waren grundlegend auch für die Zukunft, sowohl für mich als Mutter als auch für das Mädchen.»

In den sieben Monaten zwischen dem Moment, in dem sie die Kleine ins Babyfenster legte, und dem Moment, in dem sie ihr wieder übergeben wurde, habe sie beweisen müssen, dass sei eine gute Mutter sein würde. «Mit der Zeit haben sie mir erlaubt, einige Stunden allein mit ihr zu verbringen. Dann kam auch der Papa der Kleinen hinzu und am Ende waren sie überzeugt, dass wir gute Eltern wären.»

Übertragung aus dem Italienischen mithilfe von KI: Janine Gloor

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