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Der Schweizer Landwirtschaft fehlen die Arbeitskräfte

Ein Traktor holt auf einem Feld auf einer Alp das Heu ein
In der ganzen Schweiz haben viele Betriebe Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Keystone / Jean-Christophe Bott

Angesichts der Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte greifen viele Schweizer Bauernhöfe während der Sommersaison auf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zurück.

Auf der Alp Corjon in der Gemeinde Rossinière im Kanton Waadt produziert die Familie Tena jeden Sommer den «Etivaz», einen Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Von Ende Mai bis Ende September leben Julie und Julien Tena aus Albeuve, Kanton Freiburg, mit ihren drei Kindern Emma, Martin und Romain dort.

Für Julie, die eine Ausbildung zur Landwirtin abgeschlossen hat, wird es jedes Jahr schwieriger, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. «Als Emma geboren wurde, war alles in Ordnung. Dann bekam ich Martin und dann Romain. Für mich war es etwas zu viel. Wir brauchten jemanden, der mir half, weil ich nicht mehr alles schaffen konnte», sagt sie gegenüber RTS.

Um diesen Bedarf zu decken, wandte sich das Paar an das Hilfswerk Caritas, welches solche Freiwilligeneinsätze koordiniert. Mehrere Freiwillige werden in dieser Saison abwechselnd mit ihnen arbeiten. Ein Glück, denn laut dem Verein fehlen in diesem Sommer noch über hundert Helferinnen und Helfer, um die wachsende Nachfrage zu decken.

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Obwohl diese Hilfe wertvoll ist, löst sie nicht das zugrunde liegende Problem: den strukturellen Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft. «Wir haben immer mehr zu tun und immer weniger Leute. Das ist schade», beklagt Julie.

Ihr Mann Julien weist auf eine weitere Schwierigkeit hin: «Schweizerinnen und Schweizer sind sehr rar. Wir finden ausländische Arbeitskräfte, die überhaupt nicht qualifiziert sind. […] Das ist das grosse Problem», sagt er.

Auslöser von Erschöpfung

Der Fall der Familie Tena ist kein Einzelfall. In der ganzen Schweiz haben viele Bauernhöfe – egal ob gross oder klein – Schwierigkeiten, neue Arbeitskräfte zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig: unattraktive Löhne, anspruchsvolle Arbeitszeiten und manchmal einfache Unterkünfte. All diese Umstände sind bei der Berufswahl entscheidend, auch für ausländische Arbeitskräfte.

Jean-Pierre Valiante, Direktor des Personalberatungsbüros Terremploi, erlebt diese Realität täglich. Die Mission seiner Organisation ist es, Landwirtinnen und Landwirte bei der Personalsuche zu unterstützen.

«Für manche von ihnen wird der Mangel an Arbeitskräften zu einer Belastung für ihren Alltag und führt manchmal sogar zu Erschöpfung oder Einsamkeit. Das ist ein ernstes Problem, denn wir können es uns nicht länger leisten, das menschliche Leid zu ignorieren, das dahintersteckt», sagt er.

Er weist jedoch darauf hin, dass auch die Betroffenen eine Verantwortung tragen. «Sie müssen auch dazu beitragen, ihre Betriebe attraktiver zu gestalten und die Nachhaltigkeit dieser Arbeitsplätze zu sichern. Die Landwirtinnen und Landwirte bleiben unabhängig», hält er fest.

Für den Terremploi-Direktor ist das Problem vielfältig. «Ich glaube, der Beruf leidet unter einem echten Mangel an Attraktivität. Die Arbeitszeiten sind oft sehr anspruchsvoll, die Arbeit körperlich anstrengend und die Gehälter entsprechen nicht immer dem geforderten Engagement», sagt er.

«Wir beobachten, dass sich potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten in bestimmten Grenzregionen heute lieber anderen Branchen wie der Industrie oder anderen Ländern zuwenden, in denen die Arbeitsbedingungen als besser wahrgenommen werden», so sein Fazit.

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Übertragung aus dem Französischen mithilfe von Deepl: Christian Raaflaub

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