Die Menschen in der Schweiz haben noch nie so viel verdient und gespart
Zum ersten Mal hat das bereinigte verfügbare Einkommen in der Schweiz pro Kopf die Grenze von 65’000 Franken überschritten. Die freiwillige Sparquote der Haushalte liegt bei 19,3%.
Die Schweizer Haushalte stehen finanziell so gut da wie nie zuvor. Das geht aus den neusten Daten hervor, die das Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlicht hat. In den vergangenen 30 Jahren ist das bereinigte verfügbare Einkommen pro Kopf stetig gewachsen. Aber nicht nur das: Ein immer grösserer Anteil dieses Einkommens wird freiwillig gespart.
Selbstverständlich beschreibt dieses Bild einen nationalen Durchschnitt und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin Unterschiede zwischen Regionen, Einkommensgruppen und Haushaltstypen gibt.
Der Anstieg der Wohnkosten, der Krankenkassenprämien und anderer obligatorischer Ausgaben belastet nach wie vor viele Familien. Betrachtet man jedoch die Bevölkerung als Ganzes, so ist der langfristige Trend eindeutig.
36% Wachstum in 35 Jahren
Mit 65’124 Franken hat das bereinigte verfügbare Einkommen pro Kopf im Jahr 2025 den höchsten Wert der gesamten Datenreihe erreicht. Das zeigen Daten, die das Bundesamt für Statistik zusammen mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 2025Externer Link und den aktualisierten Daten zum Bruttoinlandprodukt veröffentlicht hat.
Inflationsbereinigt entspricht dies einem Wachstum von fast 36% gegenüber 1995, als das Einkommen noch bei 40’083 Franken lag. Die durchschnittliche Kaufkraft der Schweizerinnen und Schweizer ist heute deutlich höher als die einer Generation zuvor.
Das bereinigte verfügbare Einkommen der Privathaushalte pro Kopf ist ein grundlegender Wirtschaftsindikator, der dazu dient, das materielle Wohlbefinden und die reale Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger eines bestimmten Landes oder einer bestimmten Region zu messen.
Es gibt an, wie viel Geld den Haushalten verbleibt, nachdem alle Einkünfte zusammengezählt, die laufenden Steuern und Sozialbeiträge abgezogen sowie der Wert der kostenlosen oder subventionierten öffentlichen Dienstleistungen, von denen die Bevölkerung profitiert, hinzugerechnet wurden. Der Wert liefert ein wesentlich genaueres Bild der Lebensqualität als das herkömmliche verfügbare Bruttoeinkommen.
Es wird immer mehr gespart
Besonders auffällig ist das Sparverhalten der Haushalte. Während in vielen Ländern ein steigendes Einkommen vor allem zu mehr Konsum führt, wird in der Schweiz ein wachsender Anteil der Gelder zurückgelegt.
Im Jahr 2025 erreichte die Gesamtsparquote 27,4% des bereinigten verfügbaren Bruttoeinkommens, während sie 1995 noch bei 19,6% lag. Mehr als ein Viertel der den Haushalten zur Verfügung stehenden Mittel wird somit zur Vermögensbildung eingesetzt.
Besonders aussagekräftig ist die Entwicklung der freiwilligen Sparquote. Dabei handelt es sich um den Anteil, der nach Abzug von Konsum und obligatorischen Vorsorgebeiträgen verbleibt.
Im Jahr 2025 erreichte diese Quote mit 19,3% des bereinigten verfügbaren Bruttoeinkommens einen neuen Höchststand – fast das Doppelte des Werts von 9,7% vor dreissig Jahren. Dies ist der höchste Wert der gesamten Datenreihe.
In Franken ausgedrückt bedeutet dies, dass pro Kopf im Jahr 2025 rund 53’000 Franken ausgegeben und fast 18’000 Franken zurückgelegt hat, davon rund 12’600 Franken in Form von freiwilligem Sparen.
Nach einer Phase moderaten Wachstums zwischen Ende der 1990er-Jahre und dem ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre hat der Sparwille allmählich zugenommen. Die Wende kam während der Coronavirus-Pandemie, als die Konsumbeschränkungen die Rücklagen der Haushalte in die Höhe trieben.
Nach dem Ende der Pandemie gab es keine Rückkehr zu den früheren Werten. Im Gegenteil: Das Sparen hat weiter spürbar zugenommen, was auf eine gefestigte finanzielle Stärke hindeutet.
Die Schweizer Haushalte verdienen nicht nur mehr, sondern verfügen auch über grössere Spielräume, um Vermögen aufzubauen, unvorhergesehene Ereignisse zu bewältigen und die Zukunft zu planen. Das Wohlstandswachstum erscheint somit ausgeprägter als es der blosse Einkommensanstieg vermuten lässt.
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Die Unterschiede bleiben bestehen
Dieses Bild beschreibt den nationalen Durchschnitt und berücksichtigt die Schwierigkeiten vieler Familien, die mit steigenden Wohn-, Krankenkassenprämien- und anderen obligatorischen Kosten konfrontiert sind. Die Unterschiede zwischen den Regionen und den sozialen Gruppen sind nach wie vor erheblich.
Betrachtet man die Gesamtentwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte, so ist die aus den Daten hervorgehende Botschaft eindeutig: Trotz Finanzkrisen, Rezessionen, geopolitischer Spannungen und einer Pandemie verfügen Schweizer Haushalte über das höchste verfügbare Einkommen ihrer jüngeren Geschichte und sparen einen so hohen Anteil ihres Einkommens wie noch nie.
Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub
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