«Ich sehe kein Abstimmungsthema, das mich nicht etwas angeht»
Ruth Perracini-Liechti lebt in Costa Rica, wo Abstimmungspost oft zu spät ankommt. An Abstimmungen teilzunehmen, bleibt ihr dennoch wichtig. Hier ist ihre Begründung.
«Wir sind schon sehr lange mit Costa Rica verbunden, mein Mann und ich. Bereits vor 30 Jahren entschieden, dass wir einmal auswandern werden. Seit drei Jahren leben wir nun dort. Das heisst aber auch, ich habe seit drei Jahren ein Problem: In den meisten Fällen erhalte ich die Abstimmungsunterlagen nicht.
Zuvor in der Schweiz habe ich praktisch immer abgestimmt. Ich schätze es sehr, dass wir in der Schweiz eine Demokratie haben, und ich erachte es darum auch als meine Aufgabe, meine politischen Rechte wahrzunehmen.
Durch sehr viele Zufälle konnte ich bei den letzten Abstimmungen in der Schweiz mitmachen. Grundsätzlich ist mir die Teilnahme sehr, sehr wichtig. Dass es nun doch einmal klappte, hat mich darum besonders gefreut.
Erst recht bin ich dankbar, dass ich bei den Abstimmungen um die 10-Millionen-Schweiz und um die E-ID dabei sein konnte. Beide Vorlagen haben uns Auslandschweizer:innen direkt betroffen.
«Man weiss ja nie, ob man zurückkehrt»
Wenn ich zum Beispiel dank E-Voting in Zukunft einmal immer abstimmen könnte, wäre ich wohl auch jedes Mal dabei. Denn ich sehe keine Themen, die mich als Auslandschweizerin nichts angehen. Man weiss ja nie, ob man irgendwann zurückgeht. Dann spätestens würde ich mich wohl fragen: Wo habe ich partizipiert, wo nicht und warum?
Dazu kommt, dass meine Familie in der Schweiz lebt. Diese Personen sind auch betroffen von den Abstimmungsentscheiden, darunter etwa meine Kinder. Ausserdem fühle ich mich schlicht als Schweizerin und will mich entsprechend einbringen.
An Informationen für die Abstimmungen mangelt es mir nicht. Für meine Landsleute in Zentralamerika betreibe und unterhalte ich eine spezielle WebseiteExterner Link, auf der ich auch Abstimmungsinformationen zusammentrage. Allein dadurch setze ich mich schon intensiv mit den Themen auseinander.
«Auf das E-Voting warten wir noch»
Mein Ziel dabei ist, dass die Auslandschweizer:innen die Informationen nicht mehr einzeln zusammensuchen müssen, sondern dass diese auf einer Webseite gebündelt sind. Die politischen Themen sind ein wichtiger Aspekt dabei. Die Inhalte sind möglichst neutral.
Es ist ja nicht eine politische Motivation, die mich dazu treibt. Höchstens, wenn die Auslandschweizer-Organisation zu einem Thema Stellung bezieht, dann gebe ich das entsprechend weiter.
Ich bin im Kanton Bern registriert. Es heisst seit einiger Zeit, auch Bern bereite ein E-Voting vor, aber darauf warten wir noch. Einmal trudelten die Unterlagen exakt einen Tag nach der Abstimmung bei uns ein, und oft wirft die Post die Couverts auch einfach über den Zaun.
Einmal regnete es, und das Abstimmungscouvert für den Rückversand war zu nass, nicht mehr zu gebrauchen. Dabei wäre es ausgerechnet diesmal noch rechtzeitig eingetroffen…»
Aufgezeichnet von Balz Rigendinger
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