Schweizer Reisende im Nahen Osten: «Jeder ist dafür verantwortlich, sich vor Reiseantritt zu informieren», sagt das EDA
Angesichts der fast 5000 im Nahen Osten festsitzenden Schweizer:innen bleibt das EDA bei seiner Haltung: Der Bund handelt nur subsidiär. In einem Interview mit RTS bekräftigt die Leiterin der Konsularabteilung, Marianne Jenni, diese Haltung und erinnert daran, dass das Risiko einer Eskalation seit mehreren Wochen bekannt war.
Gesetz ist Gesetz. Das ist im Wesentlichen die Botschaft, die Marianne Jenni, Leiterin der Konsularabteilung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Mittwoch in der RTS-Sendung La Matinale vermittelt hat.
Auf die Frage nach der Wut und Verzweiflung der Schweizer Staatsangehörigen, die aufgrund des Krieges im Iran im Nahen und Mittleren Osten festsitzen, verwies sie darauf, dass das AuslandschweizergesetzExterner Link gilt. «Der Bund greift nur subsidiär ein, und jede Person, die sich im Ausland aufhält, ist selbst verantwortlich», betonte sie.
Das Interview mit Marianne Jenni in der Sendung «La Matinale» von RTS (auf Französisch):
Die hohe Zahl der Betroffenen – laut EDA sind es etwa 5000 Schweizerinnen und Schweizer, hauptsächlich Touristen, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Dubai, Abu Dhabi), aber auch in Doha in Katar, im Oman und in Kuwait festsitzen – ändert daran nichts.
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«Ich verstehe ihre Frustration vollkommen. Man weiss nicht, wie lange das noch dauern wird. Es ist eine beängstigende Situation», räumt sie ein. Und fügt hinzu: «Seit Samstagmorgen arbeiten wir wirklich mit Hochdruck daran, Lösungen zu finden. Wir geben regelmässig Informationen über die Travel Admin AppExterner Link [die offizielle App des EDA] bekannt.»
Doch trotz ihrer Aufgabe, Schweizerinnen und Schweizern in Not im Ausland zu helfen, seien der Konsularabteilung die Hände gebunden. Der Bund verfügt nämlich über kein Flugzeug für Rückführungen. Und selbst wenn er eines hätte, «ist der Luftraum komplett gesperrt», betont Jenni.
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Eine Entschlossenheit, die schlecht ankommt
Diese Entschlossenheit kommt bei einigen Gestrandeten schlecht an. Marianne Jenni entgegnet, dass das EDA zwar nicht ausdrücklich von Reisen in diese beliebte Region abgeraten habe, aber seit mehreren Wochen vor einem «hohen Eskalationsrisiko» im Nahen Osten gewarnt habe. Eine Situation, die zu «Reisebeschränkungen in der gesamten Region» führen könne. «Jeder Bürger und jede Bürgerin ist dafür verantwortlich, sich vor einer Reise zu informieren», sagt sie.
Die Leiterin der Konsularabteilung des EDA bedauert zudem die Ankündigungen der Nachbarländer, die versichern, bald Rückholflüge für ihre Staatsangehörigen organisieren zu können. Ihrer Meinung nach handelt es sich dabei um Effekthascherei, die den Schweizerinnne und Schweizern das Gefühl gibt, im Stich gelassen zu werden. Es gebe noch nichts Konkretes, betont sie. «Unsere Kommunikationspolitik besteht darin, nur dann zu informieren, wenn wir über zuverlässige und überprüfte Informationen verfügen.»
In der Zwischenzeit rät sie den gestrandeten Personen dringend davon ab, zu versuchen, das Gebiet auf dem Landweg zu verlassen. «Man müsste Grenzen überqueren und manchmal Visa beantragen.» Und einmal am Zielort angekommen, müsse man noch eine Unterkunft und verfügbare Flüge finden, erklärt sie. «Das bedeutet, das Problem nur zu verlagern.» Sie empfiehlt daher vor allem, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.
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Helpline verfügbar
Das EDA verfügt zwar über konsularisches Personal in der gesamten Region, dessen Kapazitäten sind jedoch «begrenzt» und können nicht auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen. «In Notfällen – medizinische Notfälle, Verlust des Reisepasses – wird jedoch Hilfe organisiert», versichert Jenni. Für andere Situationen stehe eine Hotline zur Verfügung.
«Ich höre manchmal, dass niemand die Helpline beantwortet», aber das sei falsch, betont sie. Eine aufgezeichnete Nachricht begrüsst die Anrufer:innen, fährt sie fort. Wenn das nicht ausreicht, «muss man erneut anrufen und durch Drücken der entsprechenden Taste einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin verlangen».
In Notfällen ist die Hotline des EDA in Bern rund um die Uhr unter +41 800 24 7 365 / +41 58 465 33 33 oder per E-Mail unter helpline@eda.admin.ch erreichbar.
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