Die Romanfiguren in «Supertoskana» sind nicht zum Mögen da
Max Küng hat die Fortsetzung zu seinem Familien-Freunde-Ferien-Roman, der in Frankreich spielt, geschrieben: In "Supertoskana" treffen sich alte Bekannte und neue Gesichter in Italien. Das ist mal lustig, mal doof, aber immer unterhaltsam.
(Keystone-SDA) Ist es eine Kunstform? Ein böser Witz des Autors? Oder einfach Ausdruck einer überhitzten, stets leicht aggressiven Gesellschaft, in der wir nun mal leben (einmal heisst es: «Früher gab es Dialektik, heute Tik-Tok»)? Jedenfalls: Im neuen Roman von «Das Magazin»-Kolumnist gibt es keine Figur, die nicht nervt:
Jean, Hobbykoch mit Alkoholproblem und passiv-aggressiver, kluger Frau Jacqueline. Die Gastgeber Salome und Filipp – ein Künstlerpaar -, Bernhard, der Zahnarzt mit einer neuen, jungen Freundin Chrissy, dem gemeinsamen Baby sowie ein Schriftsteller, der im Hintergrund und deshalb recht blass bleibt. Wer den Vorgänger-Roman «Fremde Freunde» gelesen hat, kennt den grossen Teil dieses Ensembles.
Drei Paare machen Ferien
Wie schon in Frankreich ist die Idee der um die 50-Jährigen gut, die Ausführung dann jedoch eine Katastrophe: Drei Paare verbringen zusammen Ferien. Ein bisschen am Pool liegen, ein bisschen dolce far niente, ein bisschen sich den Bauch vollschlagen. Nur: Konflikte schwelen, bevor überhaupt jemand in der Urlaubsvilla eintrifft – das Gefüge dieser losen Gruppe ist äusserst fragil.
Man kann es natürlich als grosses Plus sehen, dass die Menschen in dieser Geschichte so überzeichnet und schon fast karikiert durch diese Ferienwoche schreiten: Die junge Freundin Chrissy ist Gym-Influencerin. Der Schauspieler Filipp spinnt seine Visionen von einem Theater. Jean kocht und säuft und sorgt sich um seine Sauerteigmutter. Die Sängerin Salome gibt sich insofern abgehoben, als dass sie grundsätzlich kein Interesse an Interaktion hat und sich mehr um ihre Katze kümmert, als um irgendein menschliches Wesen.
Sich in den Figuren wiederfinden
Aber manchmal wäre ein bisschen mehr Langeweile schön. Zum Beispiel beginnt es zu regnen, nicht einfach so, sondern stark. Sogar das Wetter ist ein Klischee. Schon klar, dass der Sturm Mittel ist, die Stimmung in der italienischen Villa aufzuzeigen, aber muss alles immer gleich so extrem sein?
Vielleicht ja, zumindest, was die Protagonistinnen und Protagonisten betrifft. Denn nur so muss man sich eingestehen, dass man diese recht gut kennt – und schlimmer: sich wiederfindet in der einen oder anderen Figur.
Überhaupt schafft Max Küng es, Leserinnen und Leser in diese Geschichte hineinzuziehen, sehr schnell und sehr clever. Sodass man die Figuren nicht gerade anfängt zu mögen, aber immerhin beginnt, sie zu verstehen.*
*Dieser Text von Nina Kobelt, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.